54 - Streiken als Feminist*in – vom (gescheiterten) Versuch, mal alles sein zu lassen
Am 9. März hat ein breiteres Bündnis namens enough! den globalen Frauen*Generalstreik ausgerufen. Frauen und nonbinäre Personen sollten einen Tag nach dem internationalen Frauentag alles sein lassen: Keine Lohnarbeit, keine Carearbeit, nix - Generalstreik eben. Ganz schön groß gedacht. Und gleichzeitig hören jetzt viele bestimmt zum ersten Mal davon: Diiie durchschlagende Kraft kommt wohl noch.
Trotzdem habe ich den 9. März zum Anlass genommen, das mit dem Streiken mal zu üben. Hab ich ja noch nie gemacht! Dazu gibt's Sprachnachrichten aus der Community und ein kleines Audio-Tagebuch von mir, das die Höhen und Tiefen unserer Streik-Karrieren dokumentiert.
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Shownotes:
Island: Ein Tag ohne Frauen in der ARD Mediathek (bis 6.4.26)
Lila Podcast: Genug ist genug! Wenn Frauen streiken
Mareike Fallwickl: Und alle so still (bei buch7)
Justitias Töchter Podcast: Feministisch Streiken mit Theresa Tschenker
Mehr zu feministischen und politischen Streiks in Deutschland:
https://feministischerstreik.org/
https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/streik-2024/556160/frauen-im-streik/
Crosspromo Podcasttipp "Selling Techno"
1000Dank an alle Sprachnachrichtler*innen und Justitias Töchter für den O-Ton von Theresa Tschenker!
Sounds von slip.stream
Coverdesign: Svenja Limke
Titelmusik: Louis Schwadron
Enough! Bündnis 2026
Lila Podcast übers Streiken
Transkript
Die Folge als Text!
Bitte beachte: Das Transkript wurde automatisch mit Auphonic erstellt und ist nicht perfekt.
[0:21]Das ist Feminismus mit Vorsatz, der Podcast rund um feministische Perspektiven mit mir, Laura.
[0:27]
Feminismus im Streik
[0:27]Am 9. März hat ein breiteres Bündnis namens INAF, also genug, den globalen Frauensternchen-Generalstreik ausgerufen. Frauen und nonbinäre Personen sollten einen Tag nach dem Internationalen Frauentag alles stehen und liegen lassen. Keine Lohnarbeit, keine Kehrarbeit, nix, Generalstreik eben. Ganz schön groß gedacht. Und gleichzeitig hören jetzt viele bestimmt zum ersten Mal davon. Also die durchschlagende Kraft kommt wohl noch. Trotzdem habe ich den 9. März mal zum Anlass genommen, das mit dem Streiken zu üben. Habe ich ja noch nie gemacht. Und anders als sonst gibt es diesmal nicht nur Sprachnachrichten aus der Community, sondern auch ein kleines Audiotagebuch von mir, das die Höhen und Tiefen meiner Streikkarriere dokumentiert. Im Februar war der Streiktag noch weit weg. Also wenn ich an den globalen Streik am 9. März denke und was ich da machen könnte, dann setzt mich das ehrlich gesagt so ein bisschen unter Druck.
[1:29]Stresst mich so ein bisschen, weil das irgendwie so alte Ängste hervorholt von ich möchte ein besonders guter Feministin sein und ich möchte auch besonders gut streiken und ich weiß aber gar nicht, was das überhaupt bedeutet. Streiken heißt in diesem Fall zumindest nicht, dass ich bei einer Gewerkschaft anrufe und die nach Warnwesten und ein bisschen Geld frage und ob sie nicht mal mit meinem Chef reden können, weil die Arbeitsbedingungen so schlecht sind. Wenn Flinter streiken wollen, wird es kompliziert. Denn anders als bei einem klassischen Arbeitskampf geht es nicht nur um bessere Löhne oder kürzere Arbeitszeiten. Es geht auch um unbezahlte Arbeit, um Care-Arbeit, um emotionale Arbeit. An wen wende ich mich da? Mr. Patriarchat? Dazu kommt, politische Streiks sind in Deutschland rechtlich umstritten. Das heißt, viele mussten erstmal überlegen, wie kann ich streiken, ohne direkt ins Risiko zu gehen. Das sagt ihr. Also ich denke schon, dass es halt wirklich gar nicht so einfach ist, an dem Montag zu sagen, hey, ich gehe meinem Job nicht nach, weil halt die meisten Menschen fast alle wahrscheinlich angewiesen sind auf das Gehalt, was sie bekommen bei ihrem Job und es halt bei vielen Menschen wahrscheinlich auch sehr, sehr viel schwieriger ist, an dem Tag zu streiken als bei mir. Die Arbeitszeit ist eben auch vor dem Hintergrund, dass ich Mutter bin.
[2:55]Eine Zeit, die auch wichtig für mich ist und die mich in Teilen auch erfüllt.
[3:00]Insofern bin ich auch ambivalent, weil ich denke, möglicherweise staut sich dann wieder was an, an Arbeit oder Druck, wodurch der Rest der Woche vielleicht auch wieder stressig wird.
[3:12]Als Selbstständige gibt es ja da irgendwie wenig Grundlagen und man ist da wenig abgesichert. Und ich zu meinem Teil bin sogar in einer anderen Stadt, wo ich eben als Selbstständige am Theater arbeite und da auch einen wichtigen Termin habe, ganz täglich, den ich nicht skippen kann. Das geht einfach nicht. Aber lustigerweise findet auch im Theater dort in Halle eine Strike-Lounge statt. Was natürlich sehr cool ist, weil dann kann ich da immer mal rüber gehen und Präsenz zeigen. Zum globalen Flinterstreik habe ich mir einen Urlaubstag gegönnt und werde in Berlin am Brandenburger Tor sein und dann noch gucken, mit welchen Leuten ich mich so verbünden kann und was ich dann noch so den Tag über mache. Aber auf jeden Fall irgendwas Schönes und wenn ich dann nach Hause komme, werde ich einfach nichts an Kehrarbeit machen. Ich werde mich den ganzen Tag um nichts kümmern, außer um mich und Seilschaften. Was in diesen Sprachis steckt, ist also weniger ein klarer Streik als ein Austesten von Spielräumen. Urlaub nehmen, Termine verschieben, sich austauschen, um Erlaubnis bitten, zwischendurch Präsenz zeigen. oder in den kleinen Momenten versuchen, möglichst viel liegen zu lassen.
[4:34]Das hat den Grund, dass es anders als bei klassischen Arbeitskämpfen keine rechtliche Absicherung gibt. Und viel zu oft niemanden, der deine Arbeit machen kann, wenn du sie sein lässt. Geschützt ist vor allem der tarifliche Arbeitskampf. Und nicht einfach jede politische Arbeitsniederlegung. Es müssen Arbeitgebende adressiert werden mit Forderungen, die die auch umsetzen können. Patriarchat abschaffen gehört da eher nicht dazu. Ein feministischer Streik passt da also nicht so richtig rein. Wir lavieren da also in einer Grauzone herum, vielleicht weniger in einem klassischen Streik, sondern mehr so im zivilen Ungehorsam. Dabei können wir selbst entscheiden, wie weit wir gehen. Das waren eure Ideen. Ich habe eine sechs Monate alte Tochter zu Hause. Habe ich meinem Partner schon gesagt, du bist dran.
[5:25]Musst du mal schauen, wie du das mit der Arbeit machst. dass klar, ich werde entweder Milch abpumpen oder zwischendurch stillen und dafür sorgen, dass sie auch was zu essen hat. Was den Teil der Carework betrifft, ja, da bin ich eben auch wieder abhängig von einem Mann, nämlich von meinem Partner und Vater meines Kindes.
[5:47]Der ja auch einen Job hat und der eigentlich auch streiken müsste, damit er sich dann um unser Kind kümmert nachmittags, wovon ich aktuell gerade nicht ausgehe. Was ich auf jeden Fall machen will, ist mich vor allen Dingen auch so ein bisschen mit so emotionaler Arbeit an diesem Tag zurückhalten. Das ist auch so ein Thema, weil ich auch gerne, und das mache ich auch wirklich oft gerne, aber es ist natürlich trotzdem auch Arbeit und anstrengend, für Leute da zu sein und zuzuhören. Und weil ich davon auch manchmal ein bisschen voll bin, habe ich mir gedacht, dass ich zumindest am Montag mal ganz bewusst mich auf mich konzentriere. Leider können nicht alle streiken und sich überlegen, in welcher Intensität sie das tun wollen.
[6:33]Ich werde das tun, was ich jeden Tag tue, nämlich mein schwer chronisch erkranktes Kind pflegen. Vielleicht werde ich mir auf die Schulter klopfen für das, was ich jeden Tag leiste. In den Streik kann ich nicht gehen, denn wenn ich nicht die Tätigkeiten hier machen würde, dann würde mein Kind verhungern, verdursten, keine Medikamente mehr erhalten. Es würde gar nichts mehr gehen. Und eben das ist ja das Problem. Ich darf nicht ausfallen. Ich darf nicht einen Tag selber krank werden, denn es gibt keine Person, es gibt keine Institution, die diese Tätigkeit übernehmen kann.
[7:19]
Stellschrauben des Wandels
[7:20]Welche Stellschrauben kann es noch geben? Meine Schwester hatte noch eine Sache gesagt, das fand ich eine schöne Idee. Sie meinte halt, dass sie den ganzen Tag nichts kaufen wird, weil die Idee dahinter ist, wenn quasi Frauen nichts kaufen, gezeigt wird, wie groß die Kaufkraft sozusagen der Frauen ist und dass man die halt auch für den Kapitalismus braucht. Für mich war der Streik der perfekte Anlass, mich in Grübeleien zu verheddern. Aber okay, ich habe versucht, einen Plan zu fassen. Ich habe halt ein sehr ausgeprägtes Verantwortungsgefühl und gerade der Montag, also an dem der 9. März dann wäre, ist halt mein Kita-Tag sozusagen. Also da bringe ich mein Kind morgens in die Kita und hole sie auch nachmittags wieder ab.
[8:04]Und ja, irgendwie ergibt das dann so ein bisschen so ein Error in meinem Kopf, also wie ich diesen Tag irgendwie anders gestalten könnte, Weil ich halt direkt dann solche Bilder im Kopf habe, wie von der Doku über die isländischen Frauen, die dann, ich glaube, irgendwann in den 70ern diesen freien Tag veranstaltet haben. Bis zum 6. April kannst du es dir in der ARD-Mediathek bildlich reinziehen. Es ist wirklich toll, 90 Prozent der Frauen in Island legten 1975 einen Tag lang alles nieder und versammelten sich. Eine Frau berichtet zum Beispiel, wie es an diesem Tag des Öfteren nach verbranntem Fleisch roch, weil die Väter versuchten, ihren Kids was warm zu machen. Riecht sie heute verbranntes Fleisch, muss sie an diesen glorreichen Tag denken. Der Lila-Podcast hat zur Vorbereitung auf den Streiktag Nasen und Ohren in den isländischen Streik und in den Roman von Mareike Fallwickel und alle so still gesteckt. Die Streikform im Buch, alle Frauen legen sich hin, auf den Boden. Ja, in den Shownotes findest du also den Link zur Island-Doku, die lila-Podcast-Folge und natürlich den Roman.
[9:18]
Feministische Streiks weltweit
[9:19]In einem weiteren tollen Podcast namens Justitias Töchter war mal Teresa Czenker zu Gast, die sich als Juristin dafür einsetzt, dass das Grundrecht auf Streik anders ausgelegt wird. Also, dass politische Streiks in Deutschland viel denkbarer werden. Im Podcast blickt Teresa Czenker darüber hinaus in die Welt und berichtet von feministischen Streiks da draußen. Danke an Justitias Töchter, dass ich das hier kurz abspielen darf. Die Frauenstreiks, vor allen Dingen im Süd- und Mittelamerika, die waren ja vor allen Dingen darauf gerichtet, die unhaltbaren Zustände bezüglich patriarchaler Gewalt zu beenden. Also diese ganze Nie ohne Menos Bewegung war ja vor allen Dingen gegen die gewaltvollen Verhältnisse, in denen Frauen dort leben müssen, gerichtet. Und gleichzeitig waren sie auch so erfolgreich und auch so wirkmächtig, weil es halt Streiks im wahrsten Sinne des Wortes waren. Es waren halt nicht nur Proteste, sondern dort haben auch Kooperationen mit Arbeiterinnen stattgefunden. Also dort haben Frauen wirklich ihre Arbeit niedergelegt, ökonomisch Druck ausgeübt, teilweise das ganze Land lahmgelegt. Spanien war auch ein sehr gutes Beispiel, wo 2018 wirklich fünf Millionen Frauen gestreikt haben und ja, dort ganze Infrastrukturen zum Zusammenbrechen gebracht haben und gezeigt haben, wie eigentlich gar nichts läuft ohne Frauen, wenn sie nicht diese ganze Arbeit leisten, sei es jetzt bezahlt oder unbezahlt, als Care-Arbeit zu Hause.
[10:47]Und in Deutschland gibt es auch eine Frauenstreikgeschichte, die jetzt über die aktuellen Bewegungen hinausreicht. Also es gab 1994 den ersten Frauenstreik, zu dem bundesweit aufgerufen wurde. Dort ging es vor allen Dingen darum, dass die Frauenbewegung befürchtete, dass es zu einem Rollback kommt. Also vor allen Dingen auch Frauen aus der DDR sahen, dass das Abtreibungsrecht verschärft wurde, dass viele gleichstellungspolitische Errungenschaften auch wieder zurückgenommen wurden. Und dort gab es wirklich eine eigentlich sehr bewegende Kooperation auch dann zwischen den Frauenbündnissen aus Ost und West und die dann gemeinsam zum Frauenstreik aufgerufen haben, um so einen Rollback, so einen Abbau von Grundrechten und Sozialleistungen zu verhindern. Und dort haben tatsächlich mehr als eine Million Frauen in Deutschland dann daran teilgenommen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat sich eher zurückgehalten. Er hat selbst nicht und die ganzen Einzelgewerkschaften, die er dann selbst zum Streik aufrufen können, haben sich nicht aktiv beteiligt.
[11:49]Dieser Streik von 1994 hat jetzt keine gerichtlichen Auseinandersetzungen zufolge gehabt, aber, wenn man so will, auch keine sonderlich sichtbaren Erfolge feiern können. Erst 2018 ist dann wieder so ein Streikbündnis zum feministischen Streik entstanden. Seitdem wird jedes Jahr jetzt dazu aufgerufen. Aber genau, de facto wurde eigentlich noch nicht feministisch gestreikt, wenn man so will, Weil es eher Demonstrationen waren. Dort bislang zumindest mir nicht bekannt ist, dass dort massenhaft wirklich Arbeitsverträge gebrochen wurden, also klassisch Streikarbeit geleistet wurde. Also Justitias Töchter, hör mal rein.
[12:30]Okay, ich denke, es ist mittlerweile verständlich geworden, warum der Streikaufruf von ENAV zum 9. März so offen formuliert war. Von wegen, mach es genau da, wo du jetzt bist, so wie du es möglich machen kannst. Neben den verschiedensten Lebensrealitäten können so wahrscheinlich auch viele unterschiedliche feministische Denkweisen angesprochen werden. Und gleichzeitig überfordert mich so viel Offenheit auch. Das Bild und das Gefühl dazu bleibt irgendwie unklar. Und ich versuche weiter, dieses Bild scharf zu stellen. Also wenn es jetzt um die Aufgaben geht, die ich immer noch unfair verteilt finde, bei uns in der Partnerschaft, dann ist es wahrscheinlich, dass ich doch einfach mehr aufräume, mehr im Haushalt organisiere und auch mehr plane, mehr in die Zukunft denke, mehr den Blick fürs große Ganze habe und dass das vielleicht einfach mal was ist, was ich an diesem Tag komplett weglassen könnte.
[13:25]Und alles, was mein Kind anbetrifft, ist ja beim globalen Streik, lassen die ja eben extra die Freiheit, das auch so für sich zu gestalten, wie man das möchte. Deswegen wäre jetzt mein Mittelweg wahrscheinlich, die grobe Aufteilung des Tages so zu lassen, wie sie ist. Anfang März hatte ich dann langsam Hummeln im Hintern, meine Pläne zu konkretisieren, aber der Error im Kopf wollte sich noch nicht so richtig auflösen. Also ich mache mir weiterhin Gedanken, was ich am Montag machen möchte und hatte zum Beispiel so ein feministisches Impro-Theater abends gesehen. Jetzt ist mir aber aufgefallen, dass das vermutlich mit einem Partner, der mit Krücken läuft und einem kleinen Kind vermutlich nicht so geht. Deswegen wird es wahrscheinlich auf die Zeit, wo mein Kind in der Kita ist, begrenzt sein, dass ich streike. Also ich werde versuchen, keine Lohnarbeit zu machen. Ich werde versuchen und ich glaube, das wird fast das Schwierigste, nichts für die Familie oder den Haushalt zu organisieren, zu planen, einzukaufen, wie auch immer oder hier mal schnell noch was wegzuräumen, weil das ist irgendwie sehr automatisiert in mir drin, das einfach mal schnell zu machen.
[14:44]Und da brauche ich auf jeden Fall Disziplin oder halt einen Plan, was ich in diesen Stunden außer Haus mache. Das wäre wahrscheinlich das Einfachste. Also ich werde mir auf jeden Fall das Programm von ENAF 2026 nochmal genauer anschauen und hoffe, dass ich da einfach eine Veranstaltung finde, auf die ich Bock habe. Am 8. März, gerne auch feministischer Kampftag genannt, war ich natürlich ready or not. Ja, 8. März und ich bin natürlich krank aufgewacht.
[15:19]Also heute nichts mit Demo. Meine Schwester ist zum Glück da und kann mein Kind beschäftigen, weil mein Partner ist ja auch beeinträchtigt und geht auf Krücken. Und so ist halt einfach alles auf super Sparflamme gestellt und mein Körper hat einfach vor mir entschieden zu streiken. Und on a funny note, also funny, mein Partner wird am Montag operiert und in den Unterlagen steht tatsächlich, dass er dann im Laufe des Tages nicht kochen darf. Also er hat es mit sehr validen Gründen geschafft, sich da aus einer möglichen Pflicht zu entziehen.
[16:09]
Emotionale Arbeit und Streik
[16:10]Ja, ich merke schon, dass ich traurig bin. Ich wäre gerne zu der Flinter-Demo gegangen. Ich finde es einmal im Jahr immer richtig schön, unter weitestgehend weiblich gelesenen Personen auf der Straße zu sein. Meine Schwester wäre ja auch dabei gewesen, mein Kind. Es wäre schon irgendwie, glaube ich, ganz näherend gewesen. Ja, ich habe meinem Körper gut zugeredet, dass wir ja eh streiken wollten und dass er das jetzt nicht auf diese Art und Weise angehen muss. Und schon war da auch der 9. März. Okay, 9. März, Streiktag. Direkt erstmal eine Nachricht aus der Kita, dass die Erzieherin alleine mit den Kleinen ist und dass alle, die nicht arbeiten müssen, doch bitte die Kinder zu Hause lassen dürfen. Das ist die Frage. Ich muss ja nicht arbeiten, ich streike ja heute.
[17:04]Aber wie viel Sinn macht es jetzt, sein Kind zu einer überforderten weiblichen Erzieherin zu bringen, damit man selber streiken kann. Übrigens hänge ich gerade Wäsche auf. Das hätte man eigentlich auch mal streiken können. Habe ich einfach völlig vergessen. Ein bisschen später, mein Kind ist übrigens zu Hause geblieben und vergnügt sich gerade mit unserer Mitbewohnerin bzw. Ihrer Patentante. So, nachdem ich ein paar E-Mails abgearbeitet habe, weiß nicht, wie das schon wieder passiert ist, ist mir eingefallen, dass es ja diese Idee gab, eine Abwesenheitsnotiz zu machen im E-Mail-Postfach. Das habe ich jetzt gemacht. Alle, die mir heute noch schreiben, kriegen direkt eine Antwort. Heute ist Streiktag und heute wird hier nicht geantwortet. und mehr Infos unter dieser Homepage und Events. Vielleicht findet er ja noch was für heute. So, jetzt schaue ich da nicht mehr rein. Okay? Also spätestens hier merke ich, Streiken will wirklich geübt sein. Solange ich zu Hause bin, muss ich mir gefühlt ständig auf die Finger hauen, um nicht doch noch irgendwas zu erledigen. Also raus. So, es ist kurz vor elf. Wir haben es jetzt tatsächlich losgeschafft. Ich und das Kind.
[18:21]Weil das hat ja jetzt auch einen Willen, wie dieser Tag gestaltet wird. Und mein erster Vorschlag, Blumen basteln zu gehen, da mit dem Fahrrad hinzufahren, war keine Konkurrenz zu mit der Patentante durch den Flur rennen. Deswegen eben jetzt erst um elf los zu Über den Tellerrand. Über den Tellerrand bringt sonst Menschen aus aller Welt über gemeinsames Kochen und Essen zusammen. Am 9. März öffneten sich die Türen für Frauen und nonbinäre Personen. Zum Austauschen, Chillen und natürlich Essen. Am Anfang waren nur wenige Leute da, was ehrlich gesagt ganz gut war, weil es für mich dann einfacher war, ins Gespräch zu kommen. Ich war auch erst mal die Einzige mit Kind, aber es gab ein bisschen Spielzeug, deswegen war das schon okay. Und viele, die ich gefragt habe, wie sie ihren Streik heute möglich machen, sind einfach selbstständig oder studieren. Das heißt, sie verschieben ihre Arbeit einfach auf einen anderen Tag. Selbstständige verdienen an dem Tag dann einfach nichts. Und andere haben flexible Arbeitszeiten, was im Grunde auch bedeutet, dass die Arbeit später erledigt wird.
[19:29]Eine Person hat erzählt, dass sie sich krank gemeldet hat. Die hat dann auch gleich angeboten, das Gruppenfoto zu machen, um selbst nicht drauf zu sein. Man weiß ja nie. Das waren so die Strategien. Währenddessen standen die Männer von über den Tellerrand in der Küche und haben eine Linsen-Kokossuppe gekocht. Es war also wohlig nährend und das Schönste war, dass ich einfach nur hingehen musste, herzlich begrüßt wurde und existieren durfte. Initiiert hatte das Ganze vor allem Katrin, die bei über den Tellerrand viel Projektarbeit macht. Sie hatte sich auch noch eine kleine Aktion überlegt. Genug gelächelt, inspiriert von einer anderen Aktion aus Italien. Die Aktion Genug gelächelt ist eigentlich aus einer Idee aus den 70er Jahren schon. Da gab es in Italien Kassiererinnen, die sich zusammengetan haben, um mehr Lohn zu erstreiken, indem sie einen ganzen Tag nicht lächeln. Und das ist ihm tatsächlich gelungen, also weil das so unerträglich war, dass eine Kassiererin eben nicht wie gewohnt immer People-Pleasing macht und lächelt und einen schönen Tag wünscht.
[20:33]Und daraus sind halt ganz viele auch Folgeaktionen entstanden und derzeit eben auch in Berlin. Ey, und es ist gar nicht so einfach, fotografiert zu werden und nicht automatisch zu lächeln. Also meine Mundwinkel waren wirklich so unkontrolliert am Hüpfen und ich musste mich wirklich konzentrieren. Natürlich wollte ich auch wissen, was sich Katrin ganz persönlich für diesen Tag vorgenommen hat. Also tatsächlich habe ich mir vorgenommen, heute dieses ständige Verfügbarsein zu bestreiken.
[21:02]Und ja, es läuft mittelprächtig tatsächlich, weil ich bin auch immer wieder so versucht, von den vielen Kontakten und Möglichkeiten und meiner Umgebung, dass ich dann doch anspringe und eben dazu neige, doch sehr, sehr viel und immer aktiv zu sein. Aber das werde ich gleich jetzt mal umsetzen wieder, mich mal ein bisschen in der Ecke verziehen, ein bisschen zu chillen mit ein paar Kissen und einfach nur zu schauen, zu genießen. Mittlerweile war auch eine Freundin dazugekommen, wiederum mit einer anderen Perspektive. Ich bin in der Elternzeit und mein Mann arbeitet wieder, daher kann ich es nicht wirklich streiken. Ich hatte mir vorgenommen, keine Flaschen zu spülen, also für Babymilch. Hat leider nicht geklappt, weil ich unterwegs sein musste mit dem Kind und dann brauchte ich halt saubere Flaschen. Dann gucken wir mal, gestern hat es mit dem Baby auf der Demo ganz gut geklappt, am 8. März Demo. Deshalb denke ich, gehen wir jetzt zum Brandenburger Tor und gucken, ob es babyfreundlich ist. Also Wunsch und Wirklichkeit liegen an so einem Streiktag oft ähnlich weit auseinander wie an jedem anderen Tag auch. Mir hat es deshalb voll geholfen, dass es auf der ENAF-Seite Veranstaltungen gab, aus denen ich mir welche raussuchen konnte. Und jetzt, nachdem wir eher in diesem geschützten Raum bei über den Tellerrand waren, wollten wir dahin, wo der Streik sichtbar wird. Am Brandenburger Tor.
[22:26]Und sie noch irgendwann gesagt hat, sie ist nie genug. Und dann ist mir erst aufgefallen, wie wir dieses Lach weiter interpretieren können, dass es ja heute nicht nur darum geht zu sagen, wir haben genug, sondern auch wir sind. Es wurde sogar geschrien, das war toll.
[22:57]
Der Streiktag in der Praxis
[22:58]Also da waren durchaus mehrere hundert Leute, auch wenn ich mir mehr erhofft hätte. Es gab ein Programm, es konnten Schilder gebastelt werden, die Stimmung war gut. Aber mit Kind und Baby war es uns dann doch schnell zu laut, ein bisschen zu voll, ein bisschen zu unentspannt. Deswegen haben wir uns auf Kurzpräsenzzeigen beschränkt und die Stimmung in unseren revolutionären Zellen nach Hause getragen. Okay, 20.30 Uhr. Mein Kind liegt im Bett. Und es ist der erste Moment, wo ich wieder für mich bin und was aufnehmen kann.
[23:37]Zwischendurch kam dann die Nachricht, dass ein Kita-Platz für mein Kind frei geworden ist, auf den ich scharf war. Und dass ich dann nochmal zurückrufen soll und einen Termin vereinbaren soll. Und das musste dann natürlich auch noch erledigt werden. Und dann war ich auch noch einkaufen. Also das hat nicht so ganz funktioniert mit dem Nicht-Konsumieren. Aber abgesehen davon ging der Tag dann doch sehr schnell rum und hat mich auf jeden Fall beschwingt. Und es war einfach schon schön, auch wenn ich so ein bisschen über meine Kräfte hinausgegangen bin. Ich bin vielleicht doch ein bisschen erkälteter, als ich mir das zugestehen möchte. Aber jetzt werde ich versuchen, mich auszuruhen. und noch so ein bisschen reflektieren, wie ich das das nächste Mal angehen möchte, diesen Streik. Zwischen Kita-Platz, Einkauf und Care-Arbeit war jedenfalls ziemlich klar, dass Streiken nicht einfach passiert, sondern eben wirklich geübt sein will. Und kaum sinnierte ich über meine zukünftigen Strategien, ploppte da auch schon die erste Sprachnachricht auf. Wie ist es gelaufen? Hallo, es ist halb zwölf Montagabend. Es hat nichts geklappt von dem, was ich eigentlich mir für diesen Tag vorgestellt habe.
[24:55]Es war irgendwie ein ziemlich stressiger Arbeitstag mit einem Termin nach dem anderen. Hab dann sogar in der Pause, war ich noch einkaufen und keine emotionale Arbeit mehr am Abend zu leisten. Hat auch nicht funktioniert. Im Gegenteil, es war irgendwie auch dann noch ein sehr auffühlender und anstrengender Abend. Also ich berichte hier von der vollen Palette des Scheiterns. Mein Streiktag lief leider nicht so gut. Mein Vorhaben, ganz viele Care und emotionale Arbeit an dem Tag nicht zu machen, hat funktioniert, aber hat zu so viel Irritation und weirden Momenten in meinem Alltag geführt, dass das zum Teil sehr schwer auszuhalten war.
[25:47]Und mein Besuch auf der Demo, zu der ich meine zweijährige Tochter mitgenommen habe, war dann auch viel zu viel für sie und ich bin nach anderthalb Minuten wieder gegangen. Ich sehe trotzdem sehr viel Positives an dem Tag, weil das Ausprobieren, bestimmte Dinge, die mir sonst für selbstverständlich vorkommen, einfach mal zu lassen, hat mir ehrlich gesagt sogar ein bisschen Spaß gemacht. Es war so, ja, auch irgendwie witzig für mich zu sehen, was passiert, wenn ich bestimmte Dinge einfach nicht tue. Vieles klang erst mal nach Scheitern oder zumindest nach ziemlich viel Reibung und gleichzeitig gab es aber auch diese Erfahrung von, ey, da bewegt sich was.
[26:32]Ich hatte schon so ein bisschen ein schlechtes Gewissen, dass ich nicht zur Arbeit gegangen bin und dass ich mich krank gemeldet habe, obwohl ich ja eigentlich nicht krank bin. Es war dann trotzdem insgesamt ein mega guter Tag und ich bin echt froh darüber, dass ich es gemacht habe. Ich bin dann zur Kundgebung bei mir in der Stadt gegangen. Also es gab so eine Veranstaltung, die war auch wirklich richtig gut besucht. Also das war schon eine Veranstaltung, die mir sehr viel Mut gemacht hat. Was den Care-Work-Teil meiner Arbeit betrifft, habe ich mit meinem Partner besprochen, dass er unser Kind betreut, außerplanmäßig. Und ich habe mich mit meiner Freundin Lisa getroffen und wir haben Weißfeinschorle getrunken und Pizza gegessen und uns ganz viel über unser Leben ausgetauscht. Was sehr schön war, vielleicht jetzt nicht so solidarisch kämpferisch, aber es hat mir und meiner Seele gut getan. Und ich dachte, das ist vielleicht jetzt gerade die Priorität. Also mein Streiktag war richtig schön, nachdem ich am Sonntag erstmal mit meinem Sohn darüber gesprochen habe, dass ich am nächsten Tag streiken werde und dementsprechend auch nicht sein Schulbrot und seine Trinkflasche vorbereiten werde am Montag.
[27:45]Konnte ich ausschlafen, er hat das alles alleine gemacht, konnte das auch nachvollziehen und wir sind da halt auch lange ins Gespräch gegangen und das war auch echt schön, dadurch hat er auch wieder nochmal mehr verstanden. Es gab also mitnichten nur Frust. Es wurde aufgetankt an Mut, Seelenheil und Verständnis füreinander. Auch der eigene Konsumstreik wurde ausgewertet.
[28:07]Ich hatte dann am Montagmorgen nichts zu essen dabei. Und da ich ja auch alleine lebe und deswegen niemanden habe, der mir was zu essen macht, habe ich mir dann dort in der Cafeteria ein belegtes Brötchen gekauft. Und das fand ich eigentlich auch interessant, weil das ist ja auch ein Teil der Zukehrarbeit gehört. Heißt, wenn ich niemanden habe, die für mich macht, unbezahlt, gehe ich halt in die Cafeteria und kaufe mir ein Brötchen. Also ich bezahle jemand anderen dafür. Manchmal waren die Grenzen zwischen Lohnarbeit und Streik fließend. Der 9.3. war wirklich sehr erbaulich. Weil es ja eben diese Streik-Lounge in Halle am Theater gab, wo sich Frauen versammeln konnten, einfach ganz ungezwungen, um miteinander da abzuhängen. Also man konnte Spiele spielen oder in Bücher reingucken. Also es gab ein bisschen Literatur anzuschauen und eine Pinnwand für Gedanken und so weiter. Aber natürlich war das meiste, was im Raum passiert ist, waren Gespräche in der Gruppe, die sehr gut getan haben, weil man natürlich irgendwie immer denkt, ah ja, das geht ja schon irgendwie und bin bestimmt die Einzige, die das Problem hat oder so. Und natürlich stellt sich raus, tada, wir sitzen alle im gleichen Boot. Während diese Grenzen bei anderen steinhart blieben. Ja, bei mir lief es tatsächlich auf einen Nichtstreiktag hinaus. Wie gesagt, kann man.
[29:33]In der Pflege von Angehörigen, in der Fürsorge und schwer streiken. Deshalb noch ein Gedanke zum 8. März. Ich habe mich allerdings dabei ertappt, mich an dem Tag zu fragen, wie viele wohl heute irgendwie eine Nachricht anlässlich des Internationalen Frauentags schicken werden. Und war dann doch enttäuscht, dass es nur zwei Personen waren. Ich finde es wirklich schade, dass nicht noch mehr Menschen diesen Tag genutzt haben, um sich bei mir oder bei anderen zu melden und ihren Respekt vielleicht auch auszudrücken darüber, dass man so viel leistet jeden Tag. Das trifft das Problem doch im Mark. Denn wie schwierig ist es wirklich, Anerkennung zu bekommen, ohne erst streiken zu müssen? Viele Menschen machen und tun ohne Unterlass und es verkommt zur Selbstverständlichkeit. Und haben Menschen die Möglichkeit auszubrechen, kommt der nächste Knaller. Ich fand es irgendwie interessant, dass ich immer gefragt wurde, wo ich meine Tochter gelassen habe, als ich jetzt zum Beispiel auf dem Streik war. Ich frage mich, ob mein Mann, wenn der alleine unterwegs ist, das auch gefragt wird.
[30:44]Ich finde es jetzt natürlich auch sehr, sehr schade, dass ich halt nur krank geschrieben war und dass ich es halt nicht Streik nennen konnte. Also wir könnten ja wirklich das Land lahmlegen, wenn wir alle die Arbeit niederlegen. Das könnten wir. Nächstes Jahr dann? Was müsste passieren, damit der Streik mehr Schlagkraft bekommt? Ihr seht das so. Angelegt war das ja halt dezentral, weshalb das halt auch, glaube ich, dadurch nicht so groß wirkte. Also als ich am Brandenburger Tor war, waren schon recht viele da, aber es war halt auch kurz nach Eröffnung.
[31:22]Letztendlich finde ich, dass es halt nicht so viel mediale Präsenz gab, weder im Vorhinein noch im Nachhinein. Und auch wenn ich das halt irgendwie anderen Leuten erzählt habe von vorhinein, also es wusste so gut wie niemand darüber Bescheid, dass dieser Tag überhaupt da sein wird. Es müsste mehr Werbung geben. In Island wurde ja das frühzeitig beschlossen und dann wurde ja ganz, ganz viel im ganzen Land darüber geredet, sodass jede Frau das eigentlich mitbekommen hat. Es wurde im Fernsehen erwähnt, es wurde im Radio erwähnt, ich weiß nicht, ob auch in der Zeitung. Damit der Streik in Zukunft größer werden kann, müsste meiner Meinung nach noch mehr Aufklärung darüber passieren. Außerdem wäre natürlich genial, wenn es einen gewerkschaftlichen Rückhalt zum Streiken gäbe. Auch dafür wurde ja, glaube ich, gekämpft. Das hat aber einfach nicht geklappt. Vielleicht war dieses Jahr schon so ein bisschen für einige Personen ein Testlauf Und möglicherweise sind einige Personen im kommenden Jahr schon ein bisschen erprobter darin und vielleicht geht auch vieles einfach, wenn wir besser miteinander vernetzt sind und das typische Bildetbanden, das ist immer noch einfach super relevant.
[32:47]
Streik als Übung für Veränderung
[32:48]Vielleicht ist Streik also nicht nur ein politisches Werkzeug, sondern auch eine Übung darin, sich vorzustellen, dass die Dinge anders laufen könnten und es hier und da auszuprobieren. Mit jedem Mal wird es gewöhnlicher und wir werden mutiger. Es beginnt mit diesem Gedankenspiel. Wie wäre das, wenn ich es jetzt einfach mal bleiben lasse?
[33:13]Gemerkt, wie krass viel bei mir auf Autopilot passiert. Also dieses Ganze mal eben aufräumen, mal eben organisieren und plötzlich bin ich wieder voll drin, obwohl ich eigentlich was ganz anderes machen wollte. Mir ist aufgefallen, dass ich mir nie bewusst vornehme, einen ganzen Tag lang keine Haushalts- und kein Orga-Kram zu tun. Also ich nehme mir ja frei von Lohnarbeit und ich nehme mir auch mein Kind frei, aber so richtig frei von Haushalt und Mental Load, das wäre was, das ich öfter üben könnte. So zum Sonntag. Einfach mal sagen, nee, heute wird hier mal nichts erledigt. Ja, und was ich da für mich auf jeden Fall mitnehme, ist, ich kann da durchaus noch mehr Verantwortung abgeben. Aber ich muss das früher vorbereiten. Vorher klar machen, an dem Tag bin ich nicht verfügbar. Und ganz ehrlich, also diese Vorstellung, ich merke das richtig körperlich, ich fühle mich wie auf Eiern, als würde mir langsam und sicher der Boden unter den Füßen weggezogen werden. Also an so einem normalen Wochentag einfach zu gehen Und nicht für mein Kind da zu sein, nicht aus Selfcare, sondern aus einer politischen Motivation heraus, das fällt mir einfach richtig schwer. Aber genau, meistens, wenn sich das so anfühlt, ist das dann schon so der Hinweis auf, ah, da könnte man wirklich über sich hinaus wachsen.
[34:35]
Zukunft des feministischen Streiks
[34:35]Kollektiv wünsche ich mir einfach, dass dieses Streikvorhaben nicht wieder verschwindet, sondern dass es sich etabliert. Ob es jetzt wieder der 8. März wird oder beim 9. Bleibt, ist eigentlich egal, Hauptsache es passiert wieder. Und politisch wäre es natürlich wichtig, dass diese Diskussion ums Streikrecht wieder größer wird. Also es war für mich ehrlich gesagt mindblowing zu erfahren, dass politische Streiks in Deutschland nur sehr eingeschränkt möglich sind, weil also wenn ich eine Beschwerde habe, dann doch eine politische, da muss irgendwie was passieren, zum Beispiel indem Menschen wie Teresa Tchenka, die ja viel darüber nachdenkt, wie dieses Streikrecht anders ausgelegt werden kann, mehr Aufmerksamkeit bekommen. Ja, und bis dahin können wir schon mal anfangen, uns vorzubereiten. Also zu überlegen, nächstes Jahr ist wieder dieser Streik. Was heißt das konkret für mich? Mit wem muss ich vorher sprechen? Und wer muss noch von diesem Streik erfahren? Vielleicht ruft INAV wieder einen Streik auf. Der Link zum Newsletter ist in den Shownotes. Vielleicht aktivieren sich feministische Streikbündnisse nochmal neu. Oder etwas ganz anderes entsteht. Am besten mit dir. In diesem Sinne, ich verbleibe.