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54 - Streiken als Feminist*in – vom (gescheiterten) Versuch, mal alles sein zu lassen

Am 9. März hat ein breiteres Bündnis namens enough! den globalen Frauen*Generalstreik ausgerufen. Frauen und nonbinäre Personen sollten einen Tag nach dem internationalen Frauentag alles sein lassen: Keine Lohnarbeit, keine Carearbeit, nix - Generalstreik eben. Ganz schön groß gedacht. Und gleichzeitig hören jetzt viele bestimmt zum ersten Mal davon: Diiie durchschlagende Kraft kommt wohl noch.


Trotzdem habe ich den 9. März zum Anlass genommen, das mit dem Streiken mal zu üben. Hab ich ja noch nie gemacht! Dazu gibt's Sprachnachrichten aus der Community und ein kleines Audio-Tagebuch von mir, das die Höhen und Tiefen unserer Streik-Karrieren dokumentiert.

54 - Streiken als Feminist*in – vom (gescheiterten) Versuch, mal alles sein zu lassenLaura Vorsatz
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Transkript

Die Folge als Text!

Bitte beachte: Das Transkript wurde automatisch mit Auphonic erstellt und ist nicht perfekt.

[0:21]Das ist Feminismus mit Vorsatz, der Podcast rund um feministische Perspektiven mit mir, Laura.

[0:27]

Feminismus im Streik

[0:27]Am 9. März hat ein breiteres Bündnis namens INAF, also genug, den globalen Frauensternchen-Generalstreik ausgerufen. Frauen und nonbinäre Personen sollten einen Tag nach dem Internationalen Frauentag alles stehen und liegen lassen. Keine Lohnarbeit, keine Kehrarbeit, nix, Generalstreik eben. Ganz schön groß gedacht. Und gleichzeitig hören jetzt viele bestimmt zum ersten Mal davon. Also die durchschlagende Kraft kommt wohl noch. Trotzdem habe ich den 9. März mal zum Anlass genommen, das mit dem Streiken zu üben. Habe ich ja noch nie gemacht. Und anders als sonst gibt es diesmal nicht nur Sprachnachrichten aus der Community, sondern auch ein kleines Audiotagebuch von mir, das die Höhen und Tiefen meiner Streikkarriere dokumentiert. Im Februar war der Streiktag noch weit weg. Also wenn ich an den globalen Streik am 9. März denke und was ich da machen könnte, dann setzt mich das ehrlich gesagt so ein bisschen unter Druck.

[1:29]Stresst  mich so ein bisschen, weil das irgendwie so alte Ängste hervorholt von  ich möchte ein besonders guter Feministin sein und ich möchte auch  besonders gut streiken und ich weiß aber gar nicht, was das überhaupt  bedeutet. Streiken heißt in diesem Fall zumindest nicht, dass ich bei  einer Gewerkschaft anrufe und die nach Warnwesten und ein bisschen Geld  frage und ob sie nicht mal mit meinem Chef reden können, weil die  Arbeitsbedingungen so schlecht sind. Wenn Flinter streiken wollen, wird  es kompliziert. Denn anders als bei einem klassischen Arbeitskampf geht  es nicht nur um bessere Löhne oder kürzere Arbeitszeiten. Es geht auch  um unbezahlte Arbeit, um Care-Arbeit, um emotionale Arbeit. An wen wende  ich mich da? Mr. Patriarchat? Dazu kommt, politische Streiks sind in  Deutschland rechtlich umstritten. Das heißt, viele mussten erstmal  überlegen, wie kann ich streiken, ohne direkt ins Risiko zu gehen. Das  sagt ihr. Also ich denke schon, dass es halt wirklich gar nicht so  einfach ist, an dem Montag zu sagen, hey, ich gehe meinem Job nicht  nach, weil halt die meisten Menschen fast alle wahrscheinlich angewiesen  sind auf das Gehalt, was sie bekommen bei ihrem Job und es halt bei  vielen Menschen wahrscheinlich auch sehr, sehr viel schwieriger ist, an  dem Tag zu streiken als bei mir. Die Arbeitszeit ist eben auch vor dem  Hintergrund, dass ich Mutter bin.

[2:55]Eine Zeit, die auch wichtig für mich ist und die mich in Teilen auch erfüllt.

[3:00]Insofern  bin ich auch ambivalent, weil ich denke, möglicherweise staut sich dann  wieder was an, an Arbeit oder Druck, wodurch der Rest der Woche  vielleicht auch wieder stressig wird.

[3:12]Als  Selbstständige gibt es ja da irgendwie wenig Grundlagen und man ist da  wenig abgesichert. Und ich zu meinem Teil bin sogar in einer anderen  Stadt, wo ich eben als Selbstständige am Theater arbeite und da auch  einen wichtigen Termin habe, ganz täglich, den ich nicht skippen kann.  Das geht einfach nicht. Aber lustigerweise findet auch im Theater dort  in Halle eine Strike-Lounge statt. Was natürlich sehr cool ist, weil  dann kann ich da immer mal rüber gehen und Präsenz zeigen. Zum globalen  Flinterstreik habe ich mir einen Urlaubstag gegönnt und werde in Berlin  am Brandenburger Tor sein und dann noch gucken, mit welchen Leuten ich  mich so verbünden kann und was ich dann noch so den Tag über mache. Aber  auf jeden Fall irgendwas Schönes und wenn ich dann nach Hause komme,  werde ich einfach nichts an Kehrarbeit machen. Ich werde mich den ganzen  Tag um nichts kümmern, außer um mich und Seilschaften. Was in diesen  Sprachis steckt, ist also weniger ein klarer Streik als ein Austesten  von Spielräumen. Urlaub nehmen, Termine verschieben, sich austauschen,  um Erlaubnis bitten, zwischendurch Präsenz zeigen. oder in den kleinen  Momenten versuchen, möglichst viel liegen zu lassen.

[4:34]Das  hat den Grund, dass es anders als bei klassischen Arbeitskämpfen keine  rechtliche Absicherung gibt. Und viel zu oft niemanden, der deine Arbeit  machen kann, wenn du sie sein lässt. Geschützt ist vor allem der  tarifliche Arbeitskampf. Und nicht einfach jede politische  Arbeitsniederlegung. Es müssen Arbeitgebende adressiert werden mit  Forderungen, die die auch umsetzen können. Patriarchat abschaffen gehört  da eher nicht dazu. Ein feministischer Streik passt da also nicht so  richtig rein. Wir lavieren da also in einer Grauzone herum, vielleicht  weniger in einem klassischen Streik, sondern mehr so im zivilen  Ungehorsam. Dabei können wir selbst entscheiden, wie weit wir gehen. Das  waren eure Ideen. Ich habe eine sechs Monate alte Tochter zu Hause.  Habe ich meinem Partner schon gesagt, du bist dran.

[5:25]Musst  du mal schauen, wie du das mit der Arbeit machst. dass klar, ich werde  entweder Milch abpumpen oder zwischendurch stillen und dafür sorgen,  dass sie auch was zu essen hat. Was den Teil der Carework betrifft, ja,  da bin ich eben auch wieder abhängig von einem Mann, nämlich von meinem  Partner und Vater meines Kindes.

[5:47]Der  ja auch einen Job hat und der eigentlich auch streiken müsste, damit er  sich dann um unser Kind kümmert nachmittags, wovon ich aktuell gerade  nicht ausgehe. Was ich auf jeden Fall machen will, ist mich vor allen  Dingen auch so ein bisschen mit so emotionaler Arbeit an diesem Tag  zurückhalten. Das ist auch so ein Thema, weil ich auch gerne, und das  mache ich auch wirklich oft gerne, aber es ist natürlich trotzdem auch  Arbeit und anstrengend, für Leute da zu sein und zuzuhören. Und weil ich  davon auch manchmal ein bisschen voll bin, habe ich mir gedacht, dass  ich zumindest am Montag mal ganz bewusst mich auf mich konzentriere.  Leider können nicht alle streiken und sich überlegen, in welcher  Intensität sie das tun wollen.

[6:33]Ich  werde das tun, was ich jeden Tag tue, nämlich mein schwer chronisch  erkranktes Kind pflegen. Vielleicht werde ich mir auf die Schulter  klopfen für das, was ich jeden Tag leiste. In den Streik kann ich nicht  gehen, denn wenn ich nicht die Tätigkeiten hier machen würde, dann würde  mein Kind verhungern, verdursten, keine Medikamente mehr erhalten. Es  würde gar nichts mehr gehen. Und eben das ist ja das Problem. Ich darf  nicht ausfallen. Ich darf nicht einen Tag selber krank werden, denn es  gibt keine Person, es gibt keine Institution, die diese Tätigkeit  übernehmen kann.

[7:19]

Stellschrauben des Wandels

[7:20]Welche  Stellschrauben kann es noch geben? Meine Schwester hatte noch eine  Sache gesagt, das fand ich eine schöne Idee. Sie meinte halt, dass sie  den ganzen Tag nichts kaufen wird, weil die Idee dahinter ist, wenn  quasi Frauen nichts kaufen, gezeigt wird, wie groß die Kaufkraft  sozusagen der Frauen ist und dass man die halt auch für den Kapitalismus  braucht. Für mich war der Streik der perfekte Anlass, mich in  Grübeleien zu verheddern. Aber okay, ich habe versucht, einen Plan zu  fassen. Ich habe halt ein sehr ausgeprägtes Verantwortungsgefühl und  gerade der Montag, also an dem der 9. März dann wäre, ist halt mein  Kita-Tag sozusagen. Also da bringe ich mein Kind morgens in die Kita und  hole sie auch nachmittags wieder ab.

[8:04]Und  ja, irgendwie ergibt das dann so ein bisschen so ein Error in meinem  Kopf, also wie ich diesen Tag irgendwie anders gestalten könnte, Weil  ich halt direkt dann solche Bilder im Kopf habe, wie von der Doku über  die isländischen Frauen, die dann, ich glaube, irgendwann in den 70ern  diesen freien Tag veranstaltet haben. Bis zum 6. April kannst du es dir  in der ARD-Mediathek bildlich reinziehen. Es ist wirklich toll, 90  Prozent der Frauen in Island legten 1975 einen Tag lang alles nieder und  versammelten sich. Eine Frau berichtet zum Beispiel, wie es an diesem  Tag des Öfteren nach verbranntem Fleisch roch, weil die Väter  versuchten, ihren Kids was warm zu machen. Riecht sie heute verbranntes  Fleisch, muss sie an diesen glorreichen Tag denken. Der Lila-Podcast hat  zur Vorbereitung auf den Streiktag Nasen und Ohren in den isländischen  Streik und in den Roman von Mareike Fallwickel und alle so still  gesteckt. Die Streikform im Buch, alle Frauen legen sich hin, auf den  Boden. Ja, in den Shownotes findest du also den Link zur Island-Doku,  die lila-Podcast-Folge und natürlich den Roman.

[9:18]

Feministische Streiks weltweit

[9:19]In  einem weiteren tollen Podcast namens Justitias Töchter war mal Teresa  Czenker zu Gast, die sich als Juristin dafür einsetzt, dass das  Grundrecht auf Streik anders ausgelegt wird. Also, dass politische  Streiks in Deutschland viel denkbarer werden. Im Podcast blickt Teresa  Czenker darüber hinaus in die Welt und berichtet von feministischen  Streiks da draußen. Danke an Justitias Töchter, dass ich das hier kurz  abspielen darf. Die Frauenstreiks, vor allen Dingen im Süd- und  Mittelamerika, die waren ja vor allen Dingen darauf gerichtet, die  unhaltbaren Zustände bezüglich patriarchaler Gewalt zu beenden. Also  diese ganze Nie ohne Menos Bewegung war ja vor allen Dingen gegen die  gewaltvollen Verhältnisse, in denen Frauen dort leben müssen, gerichtet.  Und gleichzeitig waren sie auch so erfolgreich und auch so wirkmächtig,  weil es halt Streiks im wahrsten Sinne des Wortes waren. Es waren halt  nicht nur Proteste, sondern dort haben auch Kooperationen mit  Arbeiterinnen stattgefunden. Also dort haben Frauen wirklich ihre Arbeit  niedergelegt, ökonomisch Druck ausgeübt, teilweise das ganze Land  lahmgelegt. Spanien war auch ein sehr gutes Beispiel, wo 2018 wirklich  fünf Millionen Frauen gestreikt haben und ja, dort ganze Infrastrukturen  zum Zusammenbrechen gebracht haben und gezeigt haben, wie eigentlich  gar nichts läuft ohne Frauen, wenn sie nicht diese ganze Arbeit leisten,  sei es jetzt bezahlt oder unbezahlt, als Care-Arbeit zu Hause.

[10:47]Und  in Deutschland gibt es auch eine Frauenstreikgeschichte, die jetzt über  die aktuellen Bewegungen hinausreicht. Also es gab 1994 den ersten  Frauenstreik, zu dem bundesweit aufgerufen wurde. Dort ging es vor allen  Dingen darum, dass die Frauenbewegung befürchtete, dass es zu einem  Rollback kommt. Also vor allen Dingen auch Frauen aus der DDR sahen,  dass das Abtreibungsrecht verschärft wurde, dass viele  gleichstellungspolitische Errungenschaften auch wieder zurückgenommen  wurden. Und dort gab es wirklich eine eigentlich sehr bewegende  Kooperation auch dann zwischen den Frauenbündnissen aus Ost und West und  die dann gemeinsam zum Frauenstreik aufgerufen haben, um so einen  Rollback, so einen Abbau von Grundrechten und Sozialleistungen zu  verhindern. Und dort haben tatsächlich mehr als eine Million Frauen in  Deutschland dann daran teilgenommen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat  sich eher zurückgehalten. Er hat selbst nicht und die ganzen  Einzelgewerkschaften, die er dann selbst zum Streik aufrufen können,  haben sich nicht aktiv beteiligt.

[11:49]Dieser  Streik von 1994 hat jetzt keine gerichtlichen Auseinandersetzungen  zufolge gehabt, aber, wenn man so will, auch keine sonderlich sichtbaren  Erfolge feiern können. Erst 2018 ist dann wieder so ein Streikbündnis  zum feministischen Streik entstanden. Seitdem wird jedes Jahr jetzt dazu  aufgerufen. Aber genau, de facto wurde eigentlich noch nicht  feministisch gestreikt, wenn man so will, Weil es eher Demonstrationen  waren. Dort bislang zumindest mir nicht bekannt ist, dass dort  massenhaft wirklich Arbeitsverträge gebrochen wurden, also klassisch  Streikarbeit geleistet wurde. Also Justitias Töchter, hör mal rein.

[12:30]Okay,  ich denke, es ist mittlerweile verständlich geworden, warum der  Streikaufruf von ENAV zum 9. März so offen formuliert war. Von wegen,  mach es genau da, wo du jetzt bist, so wie du es möglich machen kannst.  Neben den verschiedensten Lebensrealitäten können so wahrscheinlich auch  viele unterschiedliche feministische Denkweisen angesprochen werden.  Und gleichzeitig überfordert mich so viel Offenheit auch. Das Bild und  das Gefühl dazu bleibt irgendwie unklar. Und ich versuche weiter, dieses  Bild scharf zu stellen. Also wenn es jetzt um die Aufgaben geht, die  ich immer noch unfair verteilt finde, bei uns in der Partnerschaft, dann  ist es wahrscheinlich, dass ich doch einfach mehr aufräume, mehr im  Haushalt organisiere und auch mehr plane, mehr in die Zukunft denke,  mehr den Blick fürs große Ganze habe und dass das vielleicht einfach mal  was ist, was ich an diesem Tag komplett weglassen könnte.

[13:25]Und  alles, was mein Kind anbetrifft, ist ja beim globalen Streik, lassen  die ja eben extra die Freiheit, das auch so für sich zu gestalten, wie  man das möchte. Deswegen wäre jetzt mein Mittelweg wahrscheinlich, die  grobe Aufteilung des Tages so zu lassen, wie sie ist. Anfang März hatte  ich dann langsam Hummeln im Hintern, meine Pläne zu konkretisieren, aber  der Error im Kopf wollte sich noch nicht so richtig auflösen. Also ich  mache mir weiterhin Gedanken, was ich am Montag machen möchte und hatte  zum Beispiel so ein feministisches Impro-Theater abends gesehen. Jetzt  ist mir aber aufgefallen, dass das vermutlich mit einem Partner, der mit  Krücken läuft und einem kleinen Kind vermutlich nicht so geht. Deswegen  wird es wahrscheinlich auf die Zeit, wo mein Kind in der Kita ist,  begrenzt sein, dass ich streike. Also ich werde versuchen, keine  Lohnarbeit zu machen. Ich werde versuchen und ich glaube, das wird fast  das Schwierigste, nichts für die Familie oder den Haushalt zu  organisieren, zu planen, einzukaufen, wie auch immer oder hier mal  schnell noch was wegzuräumen, weil das ist irgendwie sehr automatisiert  in mir drin, das einfach mal schnell zu machen.

[14:44]Und  da brauche ich auf jeden Fall Disziplin oder halt einen Plan, was ich  in diesen Stunden außer Haus mache. Das wäre wahrscheinlich das  Einfachste. Also ich werde mir auf jeden Fall das Programm von ENAF 2026  nochmal genauer anschauen und hoffe, dass ich da einfach eine  Veranstaltung finde, auf die ich Bock habe. Am 8. März, gerne auch  feministischer Kampftag genannt, war ich natürlich ready or not. Ja, 8.  März und ich bin natürlich krank aufgewacht.

[15:19]Also  heute nichts mit Demo. Meine Schwester ist zum Glück da und kann mein  Kind beschäftigen, weil mein Partner ist ja auch beeinträchtigt und geht  auf Krücken. Und so ist halt einfach alles auf super Sparflamme  gestellt und mein Körper hat einfach vor mir entschieden zu streiken.  Und on a funny note, also funny, mein Partner wird am Montag operiert  und in den Unterlagen steht tatsächlich, dass er dann im Laufe des Tages  nicht kochen darf. Also er hat es mit sehr validen Gründen geschafft,  sich da aus einer möglichen Pflicht zu entziehen.

[16:09]

Emotionale Arbeit und Streik

[16:10]Ja,  ich merke schon, dass ich traurig bin. Ich wäre gerne zu der  Flinter-Demo gegangen. Ich finde es einmal im Jahr immer richtig schön,  unter weitestgehend weiblich gelesenen Personen auf der Straße zu sein.  Meine Schwester wäre ja auch dabei gewesen, mein Kind. Es wäre schon  irgendwie, glaube ich, ganz näherend gewesen. Ja, ich habe meinem Körper  gut zugeredet, dass wir ja eh streiken wollten und dass er das jetzt  nicht auf diese Art und Weise angehen muss. Und schon war da auch der 9.  März. Okay, 9. März, Streiktag. Direkt erstmal eine Nachricht aus der  Kita, dass die Erzieherin alleine mit den Kleinen ist und dass alle, die  nicht arbeiten müssen, doch bitte die Kinder zu Hause lassen dürfen.  Das ist die Frage. Ich muss ja nicht arbeiten, ich streike ja heute.

[17:04]Aber  wie viel Sinn macht es jetzt, sein Kind zu einer überforderten  weiblichen Erzieherin zu bringen, damit man selber streiken kann.  Übrigens hänge ich gerade Wäsche auf. Das hätte man eigentlich auch mal  streiken können. Habe ich einfach völlig vergessen. Ein bisschen später,  mein Kind ist übrigens zu Hause geblieben und vergnügt sich gerade mit  unserer Mitbewohnerin bzw. Ihrer Patentante. So, nachdem ich ein paar  E-Mails abgearbeitet habe, weiß nicht, wie das schon wieder passiert  ist, ist mir eingefallen, dass es ja diese Idee gab, eine  Abwesenheitsnotiz zu machen im E-Mail-Postfach. Das habe ich jetzt  gemacht. Alle, die mir heute noch schreiben, kriegen direkt eine  Antwort. Heute ist Streiktag und heute wird hier nicht geantwortet. und  mehr Infos unter dieser Homepage und Events. Vielleicht findet er ja  noch was für heute. So, jetzt schaue ich da nicht mehr rein. Okay? Also  spätestens hier merke ich, Streiken will wirklich geübt sein. Solange  ich zu Hause bin, muss ich mir gefühlt ständig auf die Finger hauen, um  nicht doch noch irgendwas zu erledigen. Also raus. So, es ist kurz vor  elf. Wir haben es jetzt tatsächlich losgeschafft. Ich und das Kind.

[18:21]Weil  das hat ja jetzt auch einen Willen, wie dieser Tag gestaltet wird. Und  mein erster Vorschlag, Blumen basteln zu gehen, da mit dem Fahrrad  hinzufahren, war keine Konkurrenz zu mit der Patentante durch den Flur  rennen. Deswegen eben jetzt erst um elf los zu Über den Tellerrand. Über  den Tellerrand bringt sonst Menschen aus aller Welt über gemeinsames  Kochen und Essen zusammen. Am 9. März öffneten sich die Türen für Frauen  und nonbinäre Personen. Zum Austauschen, Chillen und natürlich Essen.  Am Anfang waren nur wenige Leute da, was ehrlich gesagt ganz gut war,  weil es für mich dann einfacher war, ins Gespräch zu kommen. Ich war  auch erst mal die Einzige mit Kind, aber es gab ein bisschen Spielzeug,  deswegen war das schon okay. Und viele, die ich gefragt habe, wie sie  ihren Streik heute möglich machen, sind einfach selbstständig oder  studieren. Das heißt, sie verschieben ihre Arbeit einfach auf einen  anderen Tag. Selbstständige verdienen an dem Tag dann einfach nichts.  Und andere haben flexible Arbeitszeiten, was im Grunde auch bedeutet,  dass die Arbeit später erledigt wird.

[19:29]Eine  Person hat erzählt, dass sie sich krank gemeldet hat. Die hat dann auch  gleich angeboten, das Gruppenfoto zu machen, um selbst nicht drauf zu  sein. Man weiß ja nie. Das waren so die Strategien. Währenddessen  standen die Männer von über den Tellerrand in der Küche und haben eine  Linsen-Kokossuppe gekocht. Es war also wohlig nährend und das Schönste  war, dass ich einfach nur hingehen musste, herzlich begrüßt wurde und  existieren durfte. Initiiert hatte das Ganze vor allem Katrin, die bei  über den Tellerrand viel Projektarbeit macht. Sie hatte sich auch noch  eine kleine Aktion überlegt. Genug gelächelt, inspiriert von einer  anderen Aktion aus Italien. Die Aktion Genug gelächelt ist eigentlich  aus einer Idee aus den 70er Jahren schon. Da gab es in Italien  Kassiererinnen, die sich zusammengetan haben, um mehr Lohn zu  erstreiken, indem sie einen ganzen Tag nicht lächeln. Und das ist ihm  tatsächlich gelungen, also weil das so unerträglich war, dass eine  Kassiererin eben nicht wie gewohnt immer People-Pleasing macht und  lächelt und einen schönen Tag wünscht.

[20:33]Und  daraus sind halt ganz viele auch Folgeaktionen entstanden und derzeit  eben auch in Berlin. Ey, und es ist gar nicht so einfach, fotografiert  zu werden und nicht automatisch zu lächeln. Also meine Mundwinkel waren  wirklich so unkontrolliert am Hüpfen und ich musste mich wirklich  konzentrieren. Natürlich wollte ich auch wissen, was sich Katrin ganz  persönlich für diesen Tag vorgenommen hat. Also tatsächlich habe ich mir  vorgenommen, heute dieses ständige Verfügbarsein zu bestreiken.

[21:02]Und  ja, es läuft mittelprächtig tatsächlich, weil ich bin auch immer wieder  so versucht, von den vielen Kontakten und Möglichkeiten und meiner  Umgebung, dass ich dann doch anspringe und eben dazu neige, doch sehr,  sehr viel und immer aktiv zu sein. Aber das werde ich gleich jetzt mal  umsetzen wieder, mich mal ein bisschen in der Ecke verziehen, ein  bisschen zu chillen mit ein paar Kissen und einfach nur zu schauen, zu  genießen. Mittlerweile war auch eine Freundin dazugekommen, wiederum mit  einer anderen Perspektive. Ich bin in der Elternzeit und mein Mann  arbeitet wieder, daher kann ich es nicht wirklich streiken. Ich hatte  mir vorgenommen, keine Flaschen zu spülen, also für Babymilch. Hat  leider nicht geklappt, weil ich unterwegs sein musste mit dem Kind und  dann brauchte ich halt saubere Flaschen. Dann gucken wir mal, gestern  hat es mit dem Baby auf der Demo ganz gut geklappt, am 8. März Demo.  Deshalb denke ich, gehen wir jetzt zum Brandenburger Tor und gucken, ob  es babyfreundlich ist. Also Wunsch und Wirklichkeit liegen an so einem  Streiktag oft ähnlich weit auseinander wie an jedem anderen Tag auch.  Mir hat es deshalb voll geholfen, dass es auf der ENAF-Seite  Veranstaltungen gab, aus denen ich mir welche raussuchen konnte. Und  jetzt, nachdem wir eher in diesem geschützten Raum bei über den  Tellerrand waren, wollten wir dahin, wo der Streik sichtbar wird. Am  Brandenburger Tor.

[22:26]Und  sie noch irgendwann gesagt hat, sie ist nie genug. Und dann ist mir  erst aufgefallen, wie wir dieses Lach weiter interpretieren können, dass  es ja heute nicht nur darum geht zu sagen, wir haben genug, sondern  auch wir sind. Es wurde sogar geschrien, das war toll.

[22:57]

Der Streiktag in der Praxis

[22:58]Also  da waren durchaus mehrere hundert Leute, auch wenn ich mir mehr erhofft  hätte. Es gab ein Programm, es konnten Schilder gebastelt werden, die  Stimmung war gut. Aber mit Kind und Baby war es uns dann doch schnell zu  laut, ein bisschen zu voll, ein bisschen zu unentspannt. Deswegen haben  wir uns auf Kurzpräsenzzeigen beschränkt und die Stimmung in unseren  revolutionären Zellen nach Hause getragen. Okay, 20.30 Uhr. Mein Kind  liegt im Bett. Und es ist der erste Moment, wo ich wieder für mich bin  und was aufnehmen kann.

[23:37]Zwischendurch  kam dann die Nachricht, dass ein Kita-Platz für mein Kind frei geworden  ist, auf den ich scharf war. Und dass ich dann nochmal zurückrufen soll  und einen Termin vereinbaren soll. Und das musste dann natürlich auch  noch erledigt werden. Und dann war ich auch noch einkaufen. Also das hat  nicht so ganz funktioniert mit dem Nicht-Konsumieren. Aber abgesehen  davon ging der Tag dann doch sehr schnell rum und hat mich auf jeden  Fall beschwingt. Und es war einfach schon schön, auch wenn ich so ein  bisschen über meine Kräfte hinausgegangen bin. Ich bin vielleicht doch  ein bisschen erkälteter, als ich mir das zugestehen möchte. Aber jetzt  werde ich versuchen, mich auszuruhen. und noch so ein bisschen  reflektieren, wie ich das das nächste Mal angehen möchte, diesen Streik.  Zwischen Kita-Platz, Einkauf und Care-Arbeit war jedenfalls ziemlich  klar, dass Streiken nicht einfach passiert, sondern eben wirklich geübt  sein will. Und kaum sinnierte ich über meine zukünftigen Strategien,  ploppte da auch schon die erste Sprachnachricht auf. Wie ist es  gelaufen? Hallo, es ist halb zwölf Montagabend. Es hat nichts geklappt  von dem, was ich eigentlich mir für diesen Tag vorgestellt habe.

[24:55]Es  war irgendwie ein ziemlich stressiger Arbeitstag mit einem Termin nach  dem anderen. Hab dann sogar in der Pause, war ich noch einkaufen und  keine emotionale Arbeit mehr am Abend zu leisten. Hat auch nicht  funktioniert. Im Gegenteil, es war irgendwie auch dann noch ein sehr  auffühlender und anstrengender Abend. Also ich berichte hier von der  vollen Palette des Scheiterns. Mein Streiktag lief leider nicht so gut.  Mein Vorhaben, ganz viele Care und emotionale Arbeit an dem Tag nicht zu  machen, hat funktioniert, aber hat zu so viel Irritation und weirden  Momenten in meinem Alltag geführt, dass das zum Teil sehr schwer  auszuhalten war.

[25:47]Und  mein Besuch auf der Demo, zu der ich meine zweijährige Tochter  mitgenommen habe, war dann auch viel zu viel für sie und ich bin nach  anderthalb Minuten wieder gegangen. Ich sehe trotzdem sehr viel  Positives an dem Tag, weil das Ausprobieren, bestimmte Dinge, die mir  sonst für selbstverständlich vorkommen, einfach mal zu lassen, hat mir  ehrlich gesagt sogar ein bisschen Spaß gemacht. Es war so, ja, auch  irgendwie witzig für mich zu sehen, was passiert, wenn ich bestimmte  Dinge einfach nicht tue. Vieles klang erst mal nach Scheitern oder  zumindest nach ziemlich viel Reibung und gleichzeitig gab es aber auch  diese Erfahrung von, ey, da bewegt sich was.

[26:32]Ich  hatte schon so ein bisschen ein schlechtes Gewissen, dass ich nicht zur  Arbeit gegangen bin und dass ich mich krank gemeldet habe, obwohl ich  ja eigentlich nicht krank bin. Es war dann trotzdem insgesamt ein mega  guter Tag und ich bin echt froh darüber, dass ich es gemacht habe. Ich  bin dann zur Kundgebung bei mir in der Stadt gegangen. Also es gab so  eine Veranstaltung, die war auch wirklich richtig gut besucht. Also das  war schon eine Veranstaltung, die mir sehr viel Mut gemacht hat. Was den  Care-Work-Teil meiner Arbeit betrifft, habe ich mit meinem Partner  besprochen, dass er unser Kind betreut, außerplanmäßig. Und ich habe  mich mit meiner Freundin Lisa getroffen und wir haben Weißfeinschorle  getrunken und Pizza gegessen und uns ganz viel über unser Leben  ausgetauscht. Was sehr schön war, vielleicht jetzt nicht so solidarisch  kämpferisch, aber es hat mir und meiner Seele gut getan. Und ich dachte,  das ist vielleicht jetzt gerade die Priorität. Also mein Streiktag war  richtig schön, nachdem ich am Sonntag erstmal mit meinem Sohn darüber  gesprochen habe, dass ich am nächsten Tag streiken werde und  dementsprechend auch nicht sein Schulbrot und seine Trinkflasche  vorbereiten werde am Montag.

[27:45]Konnte  ich ausschlafen, er hat das alles alleine gemacht, konnte das auch  nachvollziehen und wir sind da halt auch lange ins Gespräch gegangen und  das war auch echt schön, dadurch hat er auch wieder nochmal mehr  verstanden. Es gab also mitnichten nur Frust. Es wurde aufgetankt an  Mut, Seelenheil und Verständnis füreinander. Auch der eigene  Konsumstreik wurde ausgewertet.

[28:07]Ich  hatte dann am Montagmorgen nichts zu essen dabei. Und da ich ja auch  alleine lebe und deswegen niemanden habe, der mir was zu essen macht,  habe ich mir dann dort in der Cafeteria ein belegtes Brötchen gekauft.  Und das fand ich eigentlich auch interessant, weil das ist ja auch ein  Teil der Zukehrarbeit gehört. Heißt, wenn ich niemanden habe, die für  mich macht, unbezahlt, gehe ich halt in die Cafeteria und kaufe mir ein  Brötchen. Also ich bezahle jemand anderen dafür. Manchmal waren die  Grenzen zwischen Lohnarbeit und Streik fließend. Der 9.3. war wirklich  sehr erbaulich. Weil es ja eben diese Streik-Lounge in Halle am Theater  gab, wo sich Frauen versammeln konnten, einfach ganz ungezwungen, um  miteinander da abzuhängen. Also man konnte Spiele spielen oder in Bücher  reingucken. Also es gab ein bisschen Literatur anzuschauen und eine  Pinnwand für Gedanken und so weiter. Aber natürlich war das meiste, was  im Raum passiert ist, waren Gespräche in der Gruppe, die sehr gut getan  haben, weil man natürlich irgendwie immer denkt, ah ja, das geht ja  schon irgendwie und bin bestimmt die Einzige, die das Problem hat oder  so. Und natürlich stellt sich raus, tada, wir sitzen alle im gleichen  Boot. Während diese Grenzen bei anderen steinhart blieben. Ja, bei mir  lief es tatsächlich auf einen Nichtstreiktag hinaus. Wie gesagt, kann  man.

[29:33]In  der Pflege von Angehörigen, in der Fürsorge und schwer streiken.  Deshalb noch ein Gedanke zum 8. März. Ich habe mich allerdings dabei  ertappt, mich an dem Tag zu fragen, wie viele wohl heute irgendwie eine  Nachricht anlässlich des Internationalen Frauentags schicken werden. Und  war dann doch enttäuscht, dass es nur zwei Personen waren. Ich finde es  wirklich schade, dass nicht noch mehr Menschen diesen Tag genutzt  haben, um sich bei mir oder bei anderen zu melden und ihren Respekt  vielleicht auch auszudrücken darüber, dass man so viel leistet jeden  Tag. Das trifft das Problem doch im Mark. Denn wie schwierig ist es  wirklich, Anerkennung zu bekommen, ohne erst streiken zu müssen? Viele  Menschen machen und tun ohne Unterlass und es verkommt zur  Selbstverständlichkeit. Und haben Menschen die Möglichkeit auszubrechen,  kommt der nächste Knaller. Ich fand es irgendwie interessant, dass ich  immer gefragt wurde, wo ich meine Tochter gelassen habe, als ich jetzt  zum Beispiel auf dem Streik war. Ich frage mich, ob mein Mann, wenn der  alleine unterwegs ist, das auch gefragt wird.

[30:44]Ich  finde es jetzt natürlich auch sehr, sehr schade, dass ich halt nur  krank geschrieben war und dass ich es halt nicht Streik nennen konnte.  Also wir könnten ja wirklich das Land lahmlegen, wenn wir alle die  Arbeit niederlegen. Das könnten wir. Nächstes Jahr dann? Was müsste  passieren, damit der Streik mehr Schlagkraft bekommt? Ihr seht das so.  Angelegt war das ja halt dezentral, weshalb das halt auch, glaube ich,  dadurch nicht so groß wirkte. Also als ich am Brandenburger Tor war,  waren schon recht viele da, aber es war halt auch kurz nach Eröffnung.

[31:22]Letztendlich  finde ich, dass es halt nicht so viel mediale Präsenz gab, weder im  Vorhinein noch im Nachhinein. Und auch wenn ich das halt irgendwie  anderen Leuten erzählt habe von vorhinein, also es wusste so gut wie  niemand darüber Bescheid, dass dieser Tag überhaupt da sein wird. Es  müsste mehr Werbung geben. In Island wurde ja das frühzeitig beschlossen  und dann wurde ja ganz, ganz viel im ganzen Land darüber geredet,  sodass jede Frau das eigentlich mitbekommen hat. Es wurde im Fernsehen  erwähnt, es wurde im Radio erwähnt, ich weiß nicht, ob auch in der  Zeitung. Damit der Streik in Zukunft größer werden kann, müsste meiner  Meinung nach noch mehr Aufklärung darüber passieren. Außerdem wäre  natürlich genial, wenn es einen gewerkschaftlichen Rückhalt zum Streiken  gäbe. Auch dafür wurde ja, glaube ich, gekämpft. Das hat aber einfach  nicht geklappt. Vielleicht war dieses Jahr schon so ein bisschen für  einige Personen ein Testlauf Und möglicherweise sind einige Personen im  kommenden Jahr schon ein bisschen erprobter darin und vielleicht geht  auch vieles einfach, wenn wir besser miteinander vernetzt sind und das  typische Bildetbanden, das ist immer noch einfach super relevant.

[32:47]

Streik als Übung für Veränderung

[32:48]Vielleicht  ist Streik also nicht nur ein politisches Werkzeug, sondern auch eine  Übung darin, sich vorzustellen, dass die Dinge anders laufen könnten und  es hier und da auszuprobieren. Mit jedem Mal wird es gewöhnlicher und  wir werden mutiger. Es beginnt mit diesem Gedankenspiel. Wie wäre das,  wenn ich es jetzt einfach mal bleiben lasse?

[33:13]Gemerkt,  wie krass viel bei mir auf Autopilot passiert. Also dieses Ganze mal  eben aufräumen, mal eben organisieren und plötzlich bin ich wieder voll  drin, obwohl ich eigentlich was ganz anderes machen wollte. Mir ist  aufgefallen, dass ich mir nie bewusst vornehme, einen ganzen Tag lang  keine Haushalts- und kein Orga-Kram zu tun. Also ich nehme mir ja frei  von Lohnarbeit und ich nehme mir auch mein Kind frei, aber so richtig  frei von Haushalt und Mental Load, das wäre was, das ich öfter üben  könnte. So zum Sonntag. Einfach mal sagen, nee, heute wird hier mal  nichts erledigt. Ja, und was ich da für mich auf jeden Fall mitnehme,  ist, ich kann da durchaus noch mehr Verantwortung abgeben. Aber ich muss  das früher vorbereiten. Vorher klar machen, an dem Tag bin ich nicht  verfügbar. Und ganz ehrlich, also diese Vorstellung, ich merke das  richtig körperlich, ich fühle mich wie auf Eiern, als würde mir langsam  und sicher der Boden unter den Füßen weggezogen werden. Also an so einem  normalen Wochentag einfach zu gehen Und nicht für mein Kind da zu sein,  nicht aus Selfcare, sondern aus einer politischen Motivation heraus,  das fällt mir einfach richtig schwer. Aber genau, meistens, wenn sich  das so anfühlt, ist das dann schon so der Hinweis auf, ah, da könnte man  wirklich über sich hinaus wachsen.

[34:35]

Zukunft des feministischen Streiks

[34:35]Kollektiv  wünsche ich mir einfach, dass dieses Streikvorhaben nicht wieder  verschwindet, sondern dass es sich etabliert. Ob es jetzt wieder der 8.  März wird oder beim 9. Bleibt, ist eigentlich egal, Hauptsache es  passiert wieder. Und politisch wäre es natürlich wichtig, dass diese  Diskussion ums Streikrecht wieder größer wird. Also es war für mich  ehrlich gesagt mindblowing zu erfahren, dass politische Streiks in  Deutschland nur sehr eingeschränkt möglich sind, weil also wenn ich eine  Beschwerde habe, dann doch eine politische, da muss irgendwie was  passieren, zum Beispiel indem Menschen wie Teresa Tchenka, die ja viel  darüber nachdenkt, wie dieses Streikrecht anders ausgelegt werden kann,  mehr Aufmerksamkeit bekommen. Ja, und bis dahin können wir schon mal  anfangen, uns vorzubereiten. Also zu überlegen, nächstes Jahr ist wieder  dieser Streik. Was heißt das konkret für mich? Mit wem muss ich vorher  sprechen? Und wer muss noch von diesem Streik erfahren? Vielleicht ruft  INAV wieder einen Streik auf. Der Link zum Newsletter ist in den  Shownotes. Vielleicht aktivieren sich feministische Streikbündnisse  nochmal neu. Oder etwas ganz anderes entsteht. Am besten mit dir. In  diesem Sinne, ich verbleibe.

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