Medienbib

Hier poste ich fortlaufend kleine Empfehlungen aus der Welt der feministischen Medien.

Das Allermeiste wurde als Quelle für den Podcast "Feminismus mit Vorsatz" genutzt.

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Bücher

 

Stand up!

von Julia Korbik

Meiner Ansicht nach die beste Feminismus-für-alle-Bibel zum immer wieder Nachlesen und Durchblättern und Neues entdecken. Es gibt ne Menge zu lernen und gleichzeitig ist das Buch einfach! Nur! Schön! Perfekt für den ersten Überblick zum Thema Feminismus. Deshalb hab ich das Buch schon in der 2. Podcastfolge wärmstens empfohlen.

#Einstiegsdroge #Sachbuch

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100 seiten feminismus

von barbara streidl

Dieses Buch versucht auf 100 Seiten zu bündeln, was seit Jahrhunderten so vor sich geht: Geschichtliches wird von Kästen unterbrochen, in denen Mediales empfohlen wird - insofern lässt sich genauso gut reinblättern wie drin verschwinden. Eignet sich auch gut als Begleitlektüre für den Lila Podcast!

Dort ist auch Kathrin Rönicke zu hören, die ein 100-Seiten-Reclam-Heftchen zum Thema Emanzipation geschrieben hat.

#Einstiegsdroge #Sachbuch

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Der ursprung der liebe

von liv Strömquist

Geburtstagsgeschenke machen war im Jahr 2018 sehr einfach. Der Ursprung der Liebe hier, der Ursprung der Liebe da - ich arm, der Avant-Verlag ein bisschen unärmer, die Beschenkten glücklich: Wie gut ist bitte diese Graphic Novel? Haben Liv Strömquist und ich wirklich denselben Humor oder passiert das nur in meinem Kopf? So oder so, ich zerkekse mich regelmäßig über ihre trockenen Kommentare und ihrem Mut, vor Kitsch und Kritzelei nicht zurückzuschrecken. Das Beste: Mensch wird auch noch schlau. Zu lernen gab's zum Beispiel, woher Jungfräulichkeit als Ware eigentlich herkommt, was an Monogamie fragwürdig ist, warum es Whitney so lange mit Bobby ausgehalten hat und überhaupt, was eben diese Liebe ist. Oder zumindest, was sie damalsdamals, damals und heute sein könnte.

#Beziehungsformen #Graphicnovel

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Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche

von Reni Eddo-Lodge

Reni Eddo-Lodge schrieb sich mit ihrem Buch an die vorderste Front der Antirassismus-Literatur. Die „Feminismusfrage“ bekam trotzdem ein ganzes Kapitel. Denn auch sie hatte oft den Eindruck, dass Feminismus farbenblind ist und Hautfarbe einfach nicht so viel Sendezeit bekommt wie Girlpower. Andererseits schreibt sie davon, dass Feminismus ihre erste große Liebe war. Sie sagt, dass ihre feministische Denkweise der Ursprung ihrer antirassistischen Denkweise war und gleichzeitig ein gutes Werkzeug, um ihr Selbstwertgefühl zu entwickeln. So überschneiden sich Bewegungen und gehören zusammen. Ein offenbarendes Buch, das ich z. B. in der 6. Folge zu "Wir leben in einer Welt, widdewidde wie sie dem Manne gefällt" zitiere.

#antirassismus #sachbuch

Warum ich nicht länger mit Weißen über H

Kleine Geschichte des Feminismus im euro-amerikanischen Kontext von Patu & Antje Schrupp

Geschichtliche Fakten in Bildern - das trifft meinen Geschmack schonmal ganz gut. Auch wenn es ästhetisch nicht ganz mein Fall ist (bisschen viel Schrift pro Bild und die Typographie ist so eine komische Kursiv-Schrift von der Stange), überzeugt der Inhalt auf ganzer Linie. Es werden jede Menge wichtige Feminist*innen genannt und ein guter Überblick im euro-amerikanischen Kontext geboten. Ich blättere immer mal wieder rein, um mich zu erinnern und zu orientieren.

#einstiegsdroge #comic

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Untenrum Frei

von Margarete stokowski

Das Buch hab ich mal kurz weg gelegt, um zu atmen und dann gings auch schon wieder weiter. Hammer. Ähnlich wie im Podcast werden wissenschaftliche Fakten mit zum Teil Autobiografischem von Margarete Stokowski verwoben. Also entweder du findest dich darin wieder oder lernst was Neues: So oder so eine Win-Win-Situation. Und weil ich ihre Ausführungen zu dem Feminismus-Label auch nicht hätte besser sagen können, ist die 8. Podcastfolge gespickt mit Stokowski-Zitaten.

#Einstiegsdroge

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We should all be feminists von

Chimamanda Ngozi Adichie

Mittlerweile zweimal gehört, hat Chimamanda Ngozi Adichie hier ein klares Manifest geschrieben, das eigentlich in allen Lebenslagen wiederholt gelesen oder gehört werden kann: Wenn mensch einen Einstieg sucht, wenn mensch sich gerade wieder mal nicht mehr so sicher ist, warum mensch sich das Leben mit der Feminismus-Brille eigentlich so schwer macht oder eben, wenn mensch gerade voll im Flow ist und Lust auf motivierendes feministisches Futter hat. In meiner 8. Podcastfolge zu Popfeminismus kommt „We should all be feminists“ natürlich zur Sprache, schließlich sprach Chimamanda Ngozi Adichie mehrere Zeilen davon in Beyoncés Hit „Flawless“ ein, während diese sich vor einem riesigen FEMINIST-Schriftzug einen abdänzte.

#Einstiegsdroge #Essay

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Ich fühl's nicht

von liv strömquist

Im März 2020 erschienen, stellte diese Graphic Novel für mich einen wahren Anker in der Corona-Zeit dar. Es geht um: LOVE. Na gut, erstmal gehts um NO LOVE - Strömquist geht nämlich der Frage nach, wie es sein kann, dass Leonardo di Caprio in regelmäßigen Abständen neue, aber austauschbare Freundinnen hat und da offensichtlich nie so tiefe Gefühle entstehen, als dass mensch einfach mal zusammen bleiben wöllte - er fühlt’s einfach nicht! 

Soziologin Eva Illouz steuert seeehr viel Inhalt bei, denn sie ist Expertin in Fragen zur Liebe im Kapitalismus. 

Ich habe gelernt, dass vor 200 Jahren die Frauen die Rolle der Kühlen übernahmen, während sich die Männer zum vor Emotionen triefenden Affen gemacht haben, um ihre Angebetete rumzukriegen. Wo sich heute so manche Frauen tummeln, um in jedem Komma einer Whatsapp-Nachricht eines Mannes die Verheißung auf Hochzeit und Kinder herauslesen zu wollen, wären es damals also eher die Typen gewesen, die sich solchen Anstrengungen unterworfen hätten. Warum? eine große Familie war Zeichen ihrer Potenz. Heute genießen auch Männer ohne große Nachkommenschaft Ansehen. Also wozu der ganze Aufwand. Leider bedeutet diese Unabhängigkeit, Flexibilität und Bindungsfreiheit: NO LOVE. Für Liebe braucht es Selbsthingabe. Dazu müssen wir auch das Risiko eingehen können, Leid zu erfahren. 

In Strömquists schwarz-weiß-Kritzelfiguren, Zeitungsauschnitten und witzigen Randbemerkungen gehe ich sowieso in LOVE auf und am Ende war ich überzeugt, der Liebe wieder mehr Platz einzuräumen. Denn irgendwie, und das finde ich so schön, ist sie mit das antikapitalistischste was wir machen können: Love, love, love…

#Liebe #Graphicnovel

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Netzfeminismus

von Annekathrin Kohout

Nachdem ich auf der Lesung von Annekathrin Kohout und Kathrin Weßling in der Kindl Brauerei war (Sophia Zessnik berichtete für die taz), landete das Buch auf meinem Geburtstagstisch. Es ist klein und fein und leicht zu lesen. Im Buch werden zwei Netzfeminismen unterschieden: Zum einen der schriftliche, intellektuelle Feminismus, der #aufschrei oder #metoo hervorgebracht hat und zum anderen der visuelle Netzfeminismus, der zum Beispiel Bilder wie die einiger aufgeschnittener Früchte hervorbrachte, die aussehen wie Vulven. Annekathrin Kohout geht es um letztere: Sie macht einen ausgedehnten Ausflug in digitale Bildkulturen, bespricht Male Gaze, Femvertising oder Popfeminismus. Deshalb eigenete sich das Buch auch als Grundlage für meine 8. Podcastfolge zu „Popfeminismus - Na wenn Beyoncé das sagt…“.

#netzfeminismus #sachbuch

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Alte weiße Männer

von Sophie Passmann

Zugegeben, ich habs „nur“ gehört (das ging auf Spotify). Was Spaß macht, denn Sophie Passmann höchstpersönlich liest. Ich hab ein bisschen was gelernt, am meisten aber über weitere eh schon berühmte Männer unserer Gesellschaft. Und das hätte ich persönlich nun eigentlich nicht gebraucht. Ich verstehe das Buch eher als Versöhnungsangebot zwischen Feminist*innen und den, die bisher noch nicht so viel von Feminismen halten - darunter sind sicherlich auch einige von diesen sogenannten „alten weißen Männern“. Mein Gefühl war, dass das Buch deshalb einfach nicht wirklich für mich - die sich ja schon Feministin nennt - geschrieben ist. Ich kann mir aber vorstellen, dass es ein gutes Geschenk für Leute ist, denen mensch einen sanften Einstieg in die Materie geben möchte. Nicht gleich nur noch mit all diesen wütenden Frauen, sondern eben gemütlich mit ein paar Männern 😉

#einstiegsdroge #sachbuch

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fortsetzung folgt...

Podcasts

 

Tupodcast - Gespräche unter Schwestern*

mit Tupoka Ogette

Tupoka Ogette hat nicht nur das sehr empfehleneswerte Buch „Exit Racism“ geschrieben, sondern produziert monatlich auch noch ihren „Tupodcast“. Dort unterhält sie sich mit Schwestern, also ihr bekannte, schwarze Frauen. Darunter sind prominentere Stimmen wie Grünen-Abgeordnete Aminata Touré oder Autorin und Podcasterin Alice Hasters, aber auch Frauen aus Tupokas engstem Umkreis, wie die noch sehr junge Josephine Nangolo. Es macht Spaß, den Gesprächen zuzuhören und aus den Perspektiven der Frauen zu lernen. Du kennst Tupoka aus meiner 6.Podcastfolge zu „Wir leben in einer Welt, widdewidde wie sie dem Manne gefällt“, in der ich einen O-Ton aus ihrem Podcast nutzen durfte.

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Feuer & Brot

Mit Maxi & Alice

Zwei Freundinnen - Alice und Maxi - denen ich sehr gern zuhöre, denn meiner Meinung nach handelt es sich hier immerhin um einen der best-recherchiertesten „Laber-Podcasts“, den ich so kenne. Gleich mehrere Aha-Erlebnisse bescherte mir die 30. Folge "In sechs Phasen zum Feminismus - Equality für Einsteiger*innen“. Mein Podcast-Aufbau ist von diesen Phasen inspiriert, z. B. wenn es in Folge 1 um Schlüsselerlebnisse, in Folge 4 um Cool Girls und in Folge 5 um die eigene Politisierung geht. Feuer & Brot gibt es ab und zu auch live zu erleben. Ich hatte in Berlin die Ehre und kann es nur empfehlen :)

Deutschlandfunk3000

mit Eva Schulz

Deutschlandfunk3000 hat sich ja zunächst uneingeschränkt relevante Themen geschnappt, um sie in knackig-informativen Videos auf Facebook und Instagram zu besprechen. Sehr viel regelmäßiger höre ich jedoch in den Deutschland3000 Podcast rein - ein Talkformat von Eva Schulz mit jeweils einem Gast oder einer Gästin. Eva Schulz ist dabei zu meinem Vorbild avanciert, was ihre Art udn Weise, Interviews zu führen und Fragen zu stellen anbetrifft. Richtig richtig schön. Besonders gut habt mir natürlich ihre bohrende „Aber warum nennst du dich denn dann nicht Feministin?“-Frage an Collien Ulmen-Fernandes in dieser Folge gefallen - und dass Margarete Stokowski auf eben diesen Ausschnitt in dieser Folge reagieren konnte. Netterweise durfte ich für meine 8. Podcastfolge - in der ich ein bisschen forsche, wer sich in der Öffentlichkeit Feminist*in nennt und wer nicht und warum - eben diesen Ausschnitt verwenden.

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Darf sie das? Podcast

mit Nicole Schöndorfer

Nicole Schöndorfer ist eine der bekanntesten feministischen Stimmen Österreichs. Für meine ersten Gehversuche in Feminismen hat der Podcast nicht gepasst - ich war völlig überrumpelt von den ganzen neuen Einblicken und der Wucht, mit der Nicole Schöndorfer über Themen wie Gewalt, Abtreibung oder Feminismus im Bett redet. Ein paar Wochen oder Monate? später hörte ich nochmal rein und konnte plötzlich total viel damit anfangen. Die Folgen sind sehr gut recherchiert, Nicole Schöndorfer macht klare Ansagen und ich lerne jedes Mal was neues. Ist halt kein Wohlfühl-Feminismus, ne ;)

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Gute Leute mit Sophie Passmann

Sophie Passmann ist, vermute ich, eine der bekanntesten Feministinnen in Deutschland - deshalb kann ich mich bei ihrem Talkformat „Gute Leute“ meist auf kritische Nachfragen verlassen. Gerne auch aus der feministischen Perspektive. So zum Beispiel in der Folge mit Mindfulness-Coach Laura Malina Seiler, die höflich vor dem Feministin-Label zurück tapst. Doch anstatt sie weiter zu kritisieren, entscheidet sich Sophie Passmann für ein „Schade, wir hätten dich gebraucht“ und bleibt solidarisch. Diesen Umgang mochte ich sehr. In meiner 7. Podcastfolge zum Thema „Bildet Banden!“ erwähne ich die Folge mit Anika Decker - dort erzählt die Drehbuchautorin nämlich von ihrer Bande aus Autor*innen. Zusammen stellen sie sich gegen die systemische Ungleichbehandlung von Drehbuchautor*innen. 

fortsetzung folgt...

Filme & Serien

 

Girls - Serie mit Lena Dunham

Ich bin was „Girls“ angeht eine ziemliche Spätzünderin, kann mir aber vorstellen, dass die Serie für Menschen Anfang ihrer Zwanziger ziemlich aufbauend wirken kann. Zu sehen, dass die eigenen Probleme tatsächlich im Fernsehen (oder wo auch immer) stattfinden können und Unsicherheiten bei niemandem in diesem Alter Randerscheinungen sind - irgendwie gut zu wissen, dass mensch nicht allein damit ist. Verquere Beziehungen, ob zwischen Liebenden oder Befreundeten, erste berufliche Gehversuche, schlechter Sex, Neurosen, Schönheitsideale die unter Druck setzen und die erste eigene Bude - damit befüllte Lena Dunham immerhin 6 Staffeln. Mich catcht es irgendwie nicht mehr so, was ich gern aufs Erwachsensein schieben würde, sicher bin ich mir da aber nicht.

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Female Pleasure

Ein großartiger Film. Kann aber auch sein, dass mein Kinobesuch damit zusammenhängt - der war zusammen mit sieben weiteren Frauen, wir in einer Reihe, gebannt vor der Leinwand sitzend und danach angefixt von den Kämpfen der portraitieren Frauen in Diskutier- und Feierlaune in irgendeiner verrauchten Berliner Eckkneipe. Ok, das Ende war nicht meins. Danach einen ganzen Film zu bewerten, ist aber nicht mein Stil: Denn die Geschichten der fünf religiösen Frauen werden sehr eindrücklich und spannend erzählt. Es geht um Female Genital Cutting (darauf gehe ich ganz kurz in Podcastfolge 8 ein), Deborah Feldmanns Flucht aus einer ultraothodoxen jüdischen Glaubensgemeinschaft in Williamsburg, New York (dazu gibt es auch das Buch und die Miniserie „Unorthodox“), sexuelle Aufklärung in Indien, sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche und die japanische Künstlerin Rokudenashiko, die 2014 ernsthaft verhaftet wurde, nachdem sie einen kleinen Ausflug in einem Boot in Form einer Vulva unternommen hatte.

Fleabag

Meine absolute Lieblingsserie der letzten Zeit. Gespickt vom feministischen Überanspruch, der einfach nicht zu erreichen ist und dem sarkastischem Umgang mit dem Leben, das einen manchmal einfach f***t, führt Fleabag (Phoebe Waller-Bridge) durch die Höhen und Tiefen ihres Alltags. Richtig schlecht hätte dieses „zwischendurch aus der Szene rausgehen und zum Publikum sprechen“ werden können (ich habe gehört viele kennen dieses Stilmittel von „House of Cards“) - ist es aber nicht! Tatsächlich habe ich darüber eine tiefgreifende parasoziale Verbindung mit Fleabag aufgenommen und bekam ordentlichen Trennungsschmerz, als sie sich in der letzten Szene nochmal umdrehte, um sich von mir (ok, dem Publikum) zu verabschieden. Ich habe mich super oft in ihr wiedergefunden, LIEBE ihre komplett verquere Beziehung zu ihrer Schwester und lobe mir diesen wunderbar ironischen Humor im Rahmen einen Meerschweinchen-Cafés.

Die göttliche ordnung

Ich hatte den Film ewig auf meiner must-seen-Liste, aber trotzdem keinen Bock. Corona machts möglich und mittlerweile weiß ich gar nicht mehr, was mein Problem war. Denn der Spielfilm vermittelt wirklich gut, wie es mancherorts in der Schweiz der 70er noch so zuging: Im Grunde wie in den 50ern Deutschlands. Nur immer noch ohne Frauenwahlrecht. Arbeiten ohne Erlaubnis des Ehemanns ging nicht, Socken waschen und Kartoffeln schälen zählten zu den aufregendsten Tätigkeiten einer Schweizer Hausfrau auf dem Dorf. Nora (Marie Leuenberger) ist eine von diesen Hausfrauen: Verheiratet mit einem Schreiner, zwei kleine Söhne, mürrischer Schwiegervater, dem regelmäßig Bier gereicht werden darf. Die nahende Abstimmung zum Frauenwahlrecht politisiert sie zunehmend. Ich fands total schön zuzusehen, durch welche Phasen Nora ging: Die ersten Schlüsselmomente, eine schlaflose Nacht in der alles Feministische gelesen wurde, was Nora in die Finger bekam, die erste Verbündung mit Gleichgesinnten, die erste Demo, das erste Podium, der erste Streik. Und: Das erste Mal Wählen.

RBG - ein leben für die gerechtigkeit

Bisschen komisch ist es ja schon, dass mir Ruth Bader Ginsburg bis zu der Doku unbekannt war. Immerhin ist sie eine der wenigen Frauen, die jemals im Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten saß - und das, nachdem sie so ziemlich als einzige Frau in den 50ern Jura studierte und danach 0,0 Jobangebote bekam. Die Geschichte ihrer Karriere ist also wirklich beeindruckend, zumal sie sich, und das ist ja eigentlich der Punkt, oft sehr erfolgreich für Gender Equality eingesetzt hat. Ich hätte erwartet, dass die Doku vor Lobhudelei strotzt, für meinen Geschmack war das aber angemessen und hier und da kamen auch noch ein paar Infos durch. Außerdem muss sich RBG das Lob auch stets mit ihrem caring husband teilen - ohne den wäre das schließlich alles nicht möglich gewesen. Ja, ER steht in der Küche, Wahnsinn! Ob bei einer Doku über einen Anwalt die Unterstützung der Ehefrau auch so betont worden wäre? Well...

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Suffragetten - Taten statt Worte

Kein Film, der mir auf ewig im Gedächtnis bleiben wird, aber ein sehr guter Einblick in den Kampf ums Wahlrecht im Vereinigten Königreich der 1910er Jahre. Am Beispiel der Wäscherin Maud Watts wird gezeigt, wie sie über eine Kollegin mit der Suffragettenbewegung in Berührung kommt und sich immer mehr engagiert: Dabei setzt sie mehr oder weniger unbewusst ihr Leben aufs Spiel - Job, Familie - alles stellt sich in Frage. Sie ist es auch, die Emily Davison zum Epsom Derby (Pferderennen) begleitet, um dort mit einem Transparent auf die Forderungen der Suffragetten aufmerksam machen zu wollen - als den Frauen der Weg versperrt wird, läuft Emily mit den Transparent auf die Rennbahn und wird vom Pferd des Königs tödlich verletzt (dazu gibt es auch historische Aufnahmen auf Youtube) - erst durch diesen Märtyrertod erhält die Bewegung die notwendige Aufmerksamkeit und 1918 das Frauenwahlrecht (für Frauen über 30).

the handmaid's tale

Von vielen hochgelobt, setzte ich mich samstagnachts auch mal an die erste Folge der Dystopie von Margaret Atwood. Großer Fehler. Ich fands unfassbar gruselig und viel zu real und schlafen war danach eher schwierig. Vielleicht später nochmal. Denn filmisch ist das Ganze ein wahrer Genuss und Elisabeth Moss spielt einfach richtig richtig gut. Ich würde aber empfehlen, sich einigermaßen stabil zu fühlen, um sich die Serie anzuschauen. Denn was zunächst komplett übertrieben scheint - ein totalitärer, von religiösen Fundamentalisten regierter Staat, der mit Hilfe eines Kastensystems Frauen zu Menschen zweiter Klasse degradiert oder als reine Geburtsmaschinen installiert - ist bereits existent. Nicht zu 100%, klar, aber in Teilen: Manche Rechte verherrlichen noch heute die Sklaverei, Frauenemanzipation wird vielerorts entweder zurückgedrängt oder hat bisher kaum stattgefunden, Umweltzerstörung und atomare Bedrohung sind real. Wer mit solchen dystopischen und zum Teil auch sehr gewaltvollen Bildern klarkommt, hat vermutlich ne gute Serien-Reise vor sich.

fortsetzung folgt...