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52 - Warum hatten wir keine Band? Eine HerStory des Punk: Livepodcast mit Diviam Hoffmann

Von Musik umgeben, aber nie auf die Idee gekommen, mal selber welche zu machen? Vielleicht sogar Krach zu machen, Regeln zu brechen? Der Punk ist bekannt dafür und ich stelle mir das sehr befreiend vor. Denn erlebt hab ich's nicht!

Die Bands in meiner Schule: Jungs. Die Bands meiner CD's: Männer. Warum? Darüber spreche ich mit Musikjournalistin Diviam Hoffmann live vor Publikum.

Wir setzen der Geschichte eine HerStory entgegen und stellen dufte Punk-Bands abseits der männlich dominierten Erzählung vor.

Malaria!, The Slits, Bikini Kill, ESG oder Candelilla zeigen: Punk ist nicht nur eine Musikrichtung, sondern eine Haltung: roh, unfertig, widerspenstig und mit ordentlich Wumms!

Wer jetzt keine Band gründet, kann sich zumindest was von dieser Attitüde mitnehmen, oder?

52 - Warum hatten wir keine Band? Eine HerStory des Punk: Livepodcast mit Diviam HoffmannLaura Vorsatz
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Aus urheberrechtlichen Gründen ist die Musik im Podcast nicht enthalten. Alle besprochenen Songs findest du hier:


Playlist auf Deezer / Apple Music / Youtube Music / Spotify

Playlist auf TIDAL


...oder halt auf Platte:

THE SLITS: Typical Girls (1979)

MALARIA!: Kaltes Klares Wasser (1983)

ESG: DANCE (1983)

Bikini Kill: Rebel Girl (1993)

Ebony Bones: No Black in the Union Jack (2018)

Candelilla: 32 (2017)


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Shownotes:

Diviam Hoffmann

WDR 3 open Ex&Pop

bei ByteFM


B-Movie (Trailer auf YouTube)


Grenzgänger Podcast


Einfach machen! She-Punks von 1977 bis heute


Vivien Goldman: Die Rache der She-Punks


Feminismus mit Vorsatz: Popfeminismus - Na wenn Beyoncé das sagt...


1000Dank an Diviam Hoffmann, die Kulturfabrik Moabit und das tolle Publikum!


Sounds von slip.stream

Coverdesign: Svenja Limke

Titelmusik: Louis Schwadron

Transkript

Die Folge als Text!

Bitte beachte: Das Transkript wurde automatisch mit Auphonic erstellt und ist nicht perfekt.

[0:00] Dieser Podcast wurde live vor Publikum in der Kulturfabrik Moabit aufgenommen. Es geht um die Hörstory des Punk, aber aus urheberrechtlichen Gründen musste die Musik rausgeschnitten werden. Du findest aber alle Songs in einer Playlist in den Shownotes. Viel Spaß bei Warum hatten wir eigentlich keine Band? Mit Diviam Hoffmann und mir, Laura. Speaker0: [0:23] Ah, ja, it's on, nice. Speaker3: [0:26] Es freut mich unwahrscheinlich, euch hier alle zu sehen, zu unserer hoffentlich bald wiederkehrenden und jetzt verstetigten Veranstaltung Kufa Kill. Denn wir wollen hier in der Kultur Fabrik Moabit queeren und feministischen Stimmen viel mehr den Raum eröffnen und vor allem in den Zeiten von sterbenden Kulturräumen uns vereinen. Wir sind wirklich hier richtig viele ehrenamtliche Menschen. Ich will das nur wehnen, dass ich sozusagen in Vertretung von unglaublich vielen tollen Menschen hier stehe. Und mich einfach übelst freue, dass wir heute hier uns versammeln. Und umso mehr freut es mich, dass heute Laura und Divium hier sind. Denn die KUFA kann auf eine Geschichte zurückgucken des Punks und von besetzten Häusern in den 80ern. Und freue mich, dass dies hier heute nochmal aufgenommen wird. Speaker0: [1:17] Genau, ich bin auch ein bisschen aufgeregt. Ich freue mich einfach total, dass jetzt losgeht hier. Speaker3: [1:20] Genau, ich übergebe das Mic an Laura. Speaker0: [1:23] Dankeschön. Und schon ab. Das ist Feminismus mit Vorsatz, der Podcast rund um feministische Perspektiven mit mir, Laura und heute auch Diviam. Hallo, danke an die Kufa für die Einladung. Schön, dass wir bei Kufa Kill dabei sein können. Das ist tatsächlich der erste Live-Podcast im Rahmen von Feminismus mit Vorsatz. Also wir versuchen so zu wirken, als wüssten wir, was wir tun. Speaker0: [2:08] Und Feminismus mit Vorsatz gibt es tatsächlich schon seit 2019. Also 51 Folgen kann man bereits hören. Es ging so ein bisschen los als Dokumentation von meiner eigenen feministischen Reise. Speaker0: [2:20] Ich war am Anfang selber noch so ein bisschen, Feminismus, ist das cool, ist das nicht cool? Diese Frage konnte ich mir dann so in 14, 15, 16 Folgen auch irgendwann beantworten, da ich so war, ja doch, ich glaube, ich bin dabei und hatte dann auch so ein bisschen das Gefühl, okay, ich glaube, wenn man den Podcast dann hört, man hat dann irgendwann verstanden, okay, was ist vielleicht auch intersektionaler Feminismus? Man hat so ein bisschen die feministische Brille dann aufgesetzt und kann durch diese feministische Brille eben auch nochmal ganz neu auf verschiedenste Themen schauen. Und heute nehmen wir uns den Punk zu Leibe und haben so ein bisschen unsere Hauptfrage, warum hatten wir eigentlich keine Band? Deswegen fange ich jetzt erstmal so ein bisschen mit meiner musikalischen Wertung an, um so ein bisschen reinzukommen. Also ich hatte tatsächlich in der Schule, war ich sogar im musikalischen Zweig. Also ich habe irgendwie Klavier gelernt, ich habe Blockflöte gelernt, Geige und es war aber alles so ein bisschen, also es gab auch Noten da drauf und so. Also es war schon irgendwie ein bisschen drillig so und es gab Chor und hm, aber man könnte schon irgendwie meinen, ich hatte auf jeden Fall Zugang zu Instrumenten und irgendwie zu, wie so Musik funktioniert. Und meine ersten Maxi-CDs waren immerhin von Destiny's Child und Atomic Kitten, also immerhin schon mal Frauen. Speaker0: [3:44] Und trotzdem wäre ich nie auf die Idee gekommen, selber Musik zu machen, mich selber auf die Bühne zu stellen, selber eine Band zu gründen. Never ever. Tatsächlich, also ich habe da einen Chor gesungen, ich singe auch jetzt wieder im Chor, zusammen mit anderen Leuten geht das schon, aber eben selber was zu machen, also da bin ich jetzt auch immer noch so ein bisschen so Diviam. Erstmal, genau, stelle ich dich auch noch vor, du bist Musikjournalistin, deswegen perfekter Match für diese Frage. Du bist bei Byte.fm öfter zu hören als Moderation und hast auch eine eigene Sendung beim WDR, Ex und Pop heißt die. Und ja, also wir haben uns ja jetzt schon viel zu diesem Thema unterhalten. Ich weiß, dass du auch von Anfang an viel von Musik umgeben warst, aber eben auch nie diese Bandsache gestartet hast oder überhaupt auf die Idee gekommen bist. Hol uns mal so ein bisschen ab, wie deine musikalische Wertung so war. Speaker1: [4:42] Ja, es war eigentlich ähnlich bei mir. Ich hatte immer den Musikzugang so als Konsumentin und eher so den Nerdzugang. Den habe ich mir dann so erarbeitet. Ich hatte auch erste Maxi-CDs und mein erst selber gekauftes Album war von Tic-Tac-Toe. Ist sehr gut gealtert, würde ich sagen. Oder immer wieder kann das neu altern und neue Relevanz bekommen, finde ich. Ja, wir haben ja auch im Vorfeld darüber geredet, wen haben wir gehört und was hat das mit uns gemacht. Und dabei festgestellt, es waren halt eigentlich weniger Musikerinnen als vielmehr Musiker. Speaker1: [5:19] Und bei mir ging das los, dass ich so über meine Eltern eigentlich gar nicht so ein universes Bild von Musik bekommen habe, aber dass es halt tatsächlich eher Männer waren. Und das hat man auch nicht so in Frage gestellt, damals als Kind. Und es war weniger klassische Musik als halt irgendwie Reggae, Hip-Hop oder Pop. Und gerade im Reggae sind Musikerinnen sehr, sehr rar gesät. Sie gibt es natürlich, aber wenn man jetzt nicht spezielle Zugänge hat, dann sind es wenige Frauen, die da stattfinden. Dann, was habe ich dir erzählt? Habe ich Gangster-Rap gehört? War jetzt für Frauen auch nicht so die beste Umgebung. Und dann ging es irgendwie zurück zum Reggae und ich hatte schon auch Musikerinnen in meinen CD-Regalen, also Destiny's Child und Kelis war irgendwie ganz wichtig für mich, aber ich kann sie aufzählen. Es geht total einfach, sie zu nennen, während alle anderen Acts würden hier irgendwie meine Hände füllen. Und dann den Zugang zu anderen Musikrichtungen, wie zum Beispiel Punk, habe ich mir dann eher so im Nachhinein erarbeitet, auch dann auf professioneller Ebene. Speaker0: [6:27] Und gab es dann tatsächlich irgendwann den Moment, wo du dich gefragt hast, hä, warum habe ich eigentlich keine Band? Speaker1: [6:33] Ja, immer wieder gab es diesen Moment, dass ich irgendwie gemerkt habe, ich habe irgendwie Musikzeitschriften gekauft, ich gehe auf Konzerte, ich gebe all mein Geld für CDs aus. Ich habe schon so als Kind auf Ebay ganz viel so CDs geshoppt, alte. Und dann hat es aber super lang gedauert, bis ich gemerkt habe, ich könnte das auch machen. Und das war vor vielleicht zehn oder 15 Jahren, also da war ich so Mitte 20 in Berlin in der Kantine am Berghain. Da stand die Band Kandelilla auf der Bühne, die wir ganz zum Schluss auch kurz hören werden. Natürlich leider nicht live, aber immerhin mit einer kleinen Musik. Und da habe ich das erste Mal gedacht, ach guck mal, die sehen ja aus wie ich. Das hätte ich vielleicht auch mal machen können. Und habe mich irgendwie so schockverliebt in die Sängerin und Bassistin Mira Mann und dachte so, so möchte ich sein. Aber mit Mitte 20 ist man irgendwie aus diesem jugendlichen Leichtsinn, Wahnsinn, raus, das dann wirklich zu machen. Und was mir so ein Vorbild vielleicht gebracht hätte mit 15? Keine Ahnung. Speaker0: [7:36] Ja, genau, das ist der Knackpunkt. Also ich hoffe ja, es ist trotzdem nicht zu spät. Also vielleicht, genau, schauen wir mal mit der Bandgründung, aber zumindest mit der Haltung. Wir haben uns ja den Punk nicht umsonst rausgesucht. Ich habe in der Vorbereitung nochmal den Bee Movie zum Beispiel geschaut. Ich weiß nicht, ob ihr den gesehen habt. Lust and Sound über, also da geht es um so einen Briten vor allem, um seine Perspektive. Mark Reader heißt, der kommt aus Manchester nach West-Berlin und ist aber sogar auch in Ost-Berlin unterwegs. Also es ist tatsächlich mal nicht nur so, dass es immer nur um den Westen geht, sondern tatsächlich die DDR auch mal eine Rolle spielt und, Es kommen auch Frauen vor, aber halt so am Rande. Und genau, deswegen haben wir uns heute einfach mal vorgenommen, wir erzählen jetzt so ein bisschen die Hörstory. Dafür bist du natürlich die perfekte Expertin und wir machen das auch ganz brav chronologisch. Also wir fangen am Anfang an, der Punkgeschichte. Speaker1: [8:36] Ja, und zwar, ich glaube, muss man sich das so vorstellen, dass wir sind Mitte der 70er in London oder New York. Es gibt da zwei Szenen, die relativ parallel entstehen und es gab so Vorläuferbands, die halt irgendwie mit gängigen musikalischen Vorstellungen gebrochen haben und dann ist irgendwie Punk an diesen beiden Orten so explodiert, so wird das erzählt. Es ist natürlich auch eine Erzählung, das muss man dazu sagen. Es ist schwer, das natürlich jetzt so an einem Punkt festzumachen. So, das war der Geburtstermin von Punk und da wurde es dann geboren. Aber es ging vor allem darum, halt gegen irgendwas aufzubegehren, gegen das Establishment, gegen die Autoritäten, auch gegen die Konsumkultur und irgendwelche gesellschaftlichen Erwartungen an Musik. Musik, musikalisch war es sehr roh, es ging nicht unbedingt um Virtuosität, sondern darum halt sich selbst ausdrücken zu können und um so ein DIY, Speaker1: [9:36] also Do-It-Yourself Aspekt, wovon ja sicherlich alle schon gehört hat. Also die Vorstellung war, jeder, jede kann das machen und die Zugänge waren darum auch nicht so schwer, aber die Frage ist, haben es dann tatsächlich alle gemacht und wir können ja mal die erste Musik hören. Speaker2: [9:54] An dieser Stelle kommt jetzt Typical Girls von The Slits. In den Shownotes habe ich eine Playlist bei Deezer verlinkt, die du auch ganz easy bei Apple Music oder Spotify hören kannst. Und weil Tidal pro Stream am meisten an KünstlerInnen zahlt und Spotify am wenigsten, habe ich auch eine Playlist bei Tidal angelegt. Und sowieso findest du die einzelnen Songtitel auch in den Shownotes. Speaker1: [10:19] Das sind The Slits, Typical Girls. Ein Song vom Debütalbum Cut 1979 erschienen und es ist eine der ersten Bands des britischen Punk, die auch dann lange noch Musik gemacht haben. Ich möchte dir die Möglichkeit geben, eine Frage zu stellen. Speaker0: [10:39] Ich möchte vor allem nochmal kurz übersetzen, weil zumindest mir geht es immer so, dass ich irgendwie bei Songs wahrscheinlich generell, aber bei Punk-Songs nochmal mehr den Text immer so schwer verstehe. Also Typical Girls, das nimmt so ein bisschen auf die Schippe, was alles so typisch ist an Mädchen. Mädchen regen sich schnell auf, Mädchen können sich nicht beherrschen, Mädchen sind verwirrend, Mädchen, das merkt man ihnen immer an, die denken nicht klar, die sind unberechenbar, vorhersehbar, verfallen einem Zauber, kaufen sich Zeitschriften. Also irgendwie auch relativ random, was da so zusammengetragen ist. Das sind die Slits, noch nie vorher von gehört, ehrlich gesagt. Warum habe ich von The Clash gehört, aber nicht von The Slits? Speaker1: [11:22] Die nette Antwort wäre, glaube ich, dass The Clash Hits hatten und The Slits eben eher experimentell waren. Aber die ehrliche Antwort ist auch, The Clash waren Männer und The Slits hatten halt eben nicht so den Zugang zu diesen auch männlich dominierten Medienstrukturen. Speaker1: [11:39] Wo einfach eine Band wie The Clash mehr stattgefunden hat. Die hatten natürlich keine Hits einfach so aus dem Nichts, die wurden auch im Radio gespielt und das wurde eben wesentlich weniger. Und deswegen ist es heute, wenn man an Punk denkt, eher so eine Band, die dann in Fankreisen total wichtig und bekannt ist, aber eben im Mainstream nicht. Und es ist aber eine total spannende Band. Also die Sängerin Ari Up war eine Deutsche, die mit 14 angefangen hat, diese Band zu gründen. Die ist mit ihrer Mutter aus Deutschland nach London gezogen und hat halt diese Band gegründet. Und die anderen waren halt irgendwie 17, 18 und haben auch mit Bands wie The Clash in so Hausprojekten zusammengewohnt. Also da gibt es ganz starke Verflechtungen und auch Unterstützung gegenseitige. Also das beschreibt zum Beispiel, ich war ja auch nicht dabei, aber Viv Olbertyn in ihrem Buch, die war die Gitarristin von The Slits, wie sie halt eben dann von den Punk-Jungs halt irgendwie Gitarre spielen, sich so ein bisschen abgeguckt hat. Dann haben die halt so ein bisschen zusammen geübt. Das heißt jetzt nicht, dass sie irgendwer da was beigebracht hat oder sie das unbedingt nachgemacht hat, aber die hatten schon auch die männlichen Punk-Bands dann so als Vorbilder, aber haben halt auch mit vielen Sachen gebrochen, wie zum Beispiel mit diesem Thema, was jetzt in Typical Girls Speaker1: [12:59] Rollenverteilung, Erwartungen auch an Frauen ist. Und es ist auch, aber auch die anderen Themen, die auf dem Album stattfinden, irgendwie Ladendiebstahl und solche Sachen, waren jetzt auch nicht so im Mainstream sehr verbreitet. Speaker0: [13:11] Der Punk hat es dann auch geschafft, rüber zu schwappen nach West-Berlin. Ich habe vorhin schon den B-Movie angesprochen. Neulich ist auch der Grenzgänger-Podcast rausgekommen. Das ist eigentlich die ähnliche Geschichte um Mark Reader drumherum, nur nochmal so ein bisschen, also in 13 Folgen erzählt. Also man kann ja wirklich tief eintauchen. Aber wie gesagt, auch da fehlt so ein bisschen diese Erzählung, die wir jetzt hier eben nochmal so auf den Tisch bringen. Denn in West-Berlin haben wir uns vor allem Mania D. Beziehungsweise Malaria rausgesucht und wollen die euch nochmal genauer vorstellen. Speaker1: [13:44] Ja, dazu muss man auch sagen, wir spielen jetzt hier glaube ich fünf Songs kurz an, aber es gibt natürlich wahnsinnig viele Songs und Bands und es war quasi schon fast ein Ding der Unmöglichkeit zu sagen, okay, das sind jetzt diese fünf Meilensteine auf der Reise des Punk, die wir jetzt hier irgendwie mitbringen können. Also es ist ein sehr subjektiver kleiner Zugang. Wir haben es versucht, ein bisschen divers zu gestalten, aber ihr werdet sehen. Speaker1: [14:10] Genau, Malaria, Mania D. sind entstanden auch Anfang der 80er in Berlin. Gudrun Gut ist eine wichtige Figur in dem Kontext. Die kam aus Niedersachsen, weil da einfach gähnende Langeweile für sie war. Und dann ist sie in Berlin angekommen, hatte hier einen kleinen Klamotten- und Kunstladen, hat Kunst studiert ab Mitte der 70er und dann hat sie angefangen, Musik zu machen. Und wie das genau war, das habe ich sie vor gut zehn Jahren mal in einem Interview gefragt. Speaker3: [14:41] Hat wohl schon mit Punk zu tun, dass man dann irgendwie so plötzlich den Mut hatte, einfach so was Neues zu machen, weil die Musik, die um einen rum war, auch nicht mit einem kommuniziert hat. Also das, was im Radio gespielt hat, war totale Langeweile. Und dann war ich in London, habe diese punkte Sache gesehen und das hat mich sofort angesprochen, Weil ich auch eher schüchtern war und nicht so richtig wusste, was ich eigentlich mit mir machen sollte. Und da habe ich mich so neu erfunden fast. Plötzlich habe ich gedacht, ja, wir machen jetzt eine Band, dann hatte ich erst so eine Mädchenband, habe ich Bass gespielt und... Aber die sind nie aufgetreten und dann haben wir uns zusammengetan mit Testbild und dann war es Dina Testbild. Da habe ich noch Bass und Psylophon gespielt. Nicht Psylophon, so dieses kleine Psylophon. Und dann hat mich Beate gefragt, ob ich nicht bei Mania D. mitmachen will. Und dann wollte ich unbedingt Schlagzeug spielen, weil ich ein großer Neu-Fan war, weil das anders war als das, was es sonst gab. Tja, so war das, dann macht man das einfach. Speaker1: [15:47] Das macht man dann einfach, das ist ja auch echt eine punkige Attitüde, ne? Absolut. Keinen Zweifel daran zu haben, ob man das eigentlich kann? Speaker3: [15:55] Nee, darum ging es ja auch, man sollte es möglichst nicht können, weil man da irgendwie das Neue schöpft man aus dem Nicht-Können, das war so eine komische Idee. Speaker1: [16:03] Ja, Gudrun Gut hat sich dann nebenbei einen Kaffee gekocht. Deswegen war sie so ein bisschen abwesend immer mal wieder. Speaker0: [16:10] Ja, ich finde vor allem dieses Einfachmachen immer so. Speaker1: [16:13] Hä? Speaker0: [16:14] Aber gleichzeitig ist es halt auch voll befreiend, wenn sie dann so sagt, ja, man muss ja gar nichts können, das gehört ja zu dem ganzen Ding dazu. Und sie sagt, ach so, dann müsste ich ja jetzt wirklich gleich einfach machen. Speaker1: [16:25] Ja, vor und los spielen. Speaker0: [16:27] Ja, wo es ja, glaube ich, auch wirklich viel darum ging, die Instrumente oder das, was dann da so rum stand, zu nehmen und einfach mal auszuprobieren, was rauskommt. Und also in meiner musischen Schule ist man so natürlich nicht an seine Instrumente rangegangen, ne? Speaker1: [16:41] Ja, das Experiment war da, glaube ich, und die Improvisation ganz wichtig. Und dann sind halt so Songs entstanden wie von Malaria, den wahrscheinlich auch einige kennen. Speaker2: [16:53] Hier kommt kaltes, klares Wasser von Malaria und während du schon mal die passende Vinyl raussuchst oder die Playlist aus den Shownotes abspeicherst, wollte ich noch auf die anderen wichtigen Links in den Shownotes hinweisen, denn dieser Podcast finanziert sich hauptsächlich über seine HörerInnen und in den Shownotes findest du auch meine IBAN für Direktüberweisungen oder Daueraufträge, als auch die Links zu PayPal und Substack. Mach sehr gern mit, damit die feministische Reise weitergehen kann. Danke. Speaker1: [17:24] Wer den Song jetzt kennt, aber denkt, der klingt irgendwie komisch, da gab es einen sehr chart erfolgigen Remix Anfang der 90er von Chicks on Speed, der dann, oder war es gar nicht Anfang der 90er, in den 90ern irgendwann, von Chicks on Speed, der den so ein bisschen danciger noch gemacht hat. Aber ansonsten hat man das schon gehört, dass das hier sehr düster klingt. Ich finde, man hört in diesem Sound von Malaria so ganz doll dieses graue BRD, diese Westberliner Beton, diese Mauerstadt und auch, dass da dann irgendwie zehn Jahre später sowas wie Techno drauf gedeihen konnte. Voll. Speaker0: [18:06] Ich hatte jetzt am Montag nochmal das Vergnügen, im kleinsten Kino Berlins, glaube ich, im Lichtblickkino Skipunks zu gucken. Also es heißt einfach machen, dieser Film, auch wieder dieses einfach machen Skipunks von 1977 bis heute. Da hat Malaria auf jeden Fall auch eine ziemlich große Rolle gespielt in diesem Film oder in dieser Doku und da habe ich halt auch nochmal gemerkt, hä, es ist auf jeden Fall total möglich, super viel über Frauen, über Flinter-Bands, über Queers zu erzählen. Warum war das zum Beispiel bei diesem B-Movie so nicht möglich? Also eine Parität wäre auf jeden Fall drin gewesen. Das Material ist da. Es gibt auch bis heute noch Punkgrößen irgendwie. Vor allem in der Schweiz war das dann eine Band, die auch heute mit über 70 noch auftreten. Das war halt so richtig sweet. Speaker0: [18:53] Und genau, wir wollen, also ich weiß nicht, wollen wir noch so ein bisschen bei Malaria bleiben? Speaker1: [18:58] Ja, gerne. Also, ja. Dieser Begriff She-Punks, den hat, glaube ich, Vivian Goldman sich ausgedacht vor ein paar Jahren. 2019 war das, glaube ich, The Revenge of the She-Punks. Da erzählt sie nochmal die Geschichte des Punk. Das, was wir hier machen, ausführlich in diesem Buch nach. In der Bibel. Das ist ja ein bisschen meine Bibel, genau, wo man halt über diese Bands halt ganz viel lesen kann, aber eben auch über Bands, die danach gekommen sind, weil Punk dann nicht beim Punk blieb und so versteht auch Evian Goldman das, dass eben die Punks nicht nur diese Punkmusikrichtungen aus den 70ern waren oder wie sie dann ja auch später weitergeschrieben wurde, sondern sich dann quasi musikalisch weiterentwickelt hat. Speaker0: [19:41] Ja, also es lohnt sich auf jeden Fall total, sich nochmal mit den Jinchi-Punks vor allem da auch in West-Berlin auseinanderzusetzen. Für mich war vor allem diese Doku, also weil da irgendwie, also du hattest es vorhin schon erwähnt, dass Punk ja eben auch Reaktion auf diese Nachkriegsgeneration war. Also gut tun gut war da eben auch nochmal gut ins Licht gesetzt, wo sie eben so meinte, ja, es war einfach alles so ordentlich und diese Langeweile und so weiter. Und irgendwie konnte ich auch zum ersten Mal nachvollziehen, warum die Nachkriegsgeneration so drauf war. Ich meine, wenn man sowas Schreckliches erlebt hat und das dann rum ist, ist man danach einfach so, okay, es soll jetzt einfach alles in Ordnung sein, ich möchte kein Chaos mehr, es soll einfach alles schön sein, aber wenn dann die Generation kommt, die das eben nicht erlebt hat, ist es natürlich so mega beengt und West-Berlin muss einfach so ein crazy Ort gewesen sein. Also es hieß dann auch so, da waren halt super viele junge Leute und die mussten sich ja auch gegenseitig entertainen. Also man hatte da auch nicht so viel anderes zu tun, so kam das so ein bisschen rüber, als dann halt so, ja okay, alle hatten dann da irgendwie ihre Läden, es gab ja auch super viel Raum und Platz, wo man einfach sein konnte, es hat alles nichts gekostet. Mir drängte sich wirklich auch zum Teil die Frage, was habt denn ihr da die ganze Zeit gemacht? Speaker0: [21:00] Gelebt. Ja, das ist dann so das Ergebnis. Also ja, crazy Zeit auf jeden Fall, die mir durch diese Doku vor allem irgendwie noch mal näher gebracht wurde. Aber ja, wir reden so viel von den Punks oder den She-Punks, was ja irgendwie auch nochmal so ein bisschen in dieser Binarität verharrt, aus der wir ja irgendwie auch mal so ein bisschen rauskommen wollen und jetzt, um mal nicht nur bei der weiblichen Dimension zu bleiben und so ein bisschen, intersektionaler zu denken, hast du uns noch eine weitere Band mitgebracht. Wir gehen über den Teich. Anfang der 80er, 1983 sind wir jetzt. Speaker2: [21:38] Und hier kommt Dance von ESG. Speaker1: [21:41] Ja, ESG, eine meiner absoluten Lieblingsbands. ESG steht für Emerald, Sapphire and Gold. Also zwei Edelsteine und Gold, das wollten sie, glaube ich, auf dem Plattenmarkt erreichen. Ich glaube, das ist weit davon entfernt geblieben. Eine Band, die in der Bronx in New York sich gegründet hat und zwar in den Housings. Das ist quasi der soziale Wohnungsbau, wo viele Gebäude verfallen sind und tatsächlich ist die Gründungsgeschichte, der Mythos dieser Band so ein bisschen, dass die Mutter dieser drei Schwestern, Renee, Valerie und Marie Scroggins, wollte, dass die Mutter, dass die Kinder halt von der Straße wegbleiben. Dann hat sie ihnen Instrumente geschenkt und dann haben sie halt diesen Sound entworfen. Also unglaublich eigentlich. Und dann haben sie auch ganz viel von dem Sound mit aufgenommen, der sonst noch in diesen Hausprojekten zu hören war. Da waren viele Familien aus Lateinamerika, aus Puerto Rico und haben das verknüpft mit diesen Punk-Ideen und dann auch mit der Disco-Kultur, die parallel entstanden ist. Und Punk und Disco haben so ganz viel gemeinsam, dieses Aufbegehren gegen das Establishment, gegen kulturelle Normen, das wollte Disco auch. Speaker1: [22:54] Wobei Punk dann eher so ein bisschen aus der Jugendkultur und Arbeiterklasse kam und Disco ja vor allem eine schwule, schwarze, lateinamerikanische Bewegung war, um da Freiheit, auch eine antirassistische Freiheit zu finden, eine antihomophobe Freiheit zu finden und da Räume eröffnen wollte. Und bei ESG geht das sehr schön Hand in Hand. Und... Speaker0: [23:18] Ich weiß nicht, inwiefern sich ESG positioniert hat, ob sie tatsächlich auch von sich aus politisch sind oder ob das dann einfach nur durch ihre Existenz politisch war. Speaker1: [23:28] Ich glaube, weit davon entfernt, dieses Wort Feminismus zu verwenden. Also das war jetzt 83, glaube ich, das Stück, das wir gehört haben und da war Feminismus, glaube ich, noch ein Begriff, der total in die Akademik gehört hat. Und dass das von diesem Sockel runtergehoben wurde, das war dann erst Anfang der 90er mit unserem nächsten, da kannst du vielleicht mal den O-Ton spielen. All girls to the front. I'm not kidding. All girls to the front. All girls to the front. All girls to the front. Go back. Back. Man versteht kein Wort. Aber wisst ihr, wer es war? Reinrufen, bitte. Speaker1: [24:14] Kathleen Henner, Bikini Kill. Wir sind bei den Riot Girls Anfang der 90er. Sie sagt, all girls to the front. Und guys, for once in your life, be cool and stay back. Back. Weg. Ich liebe diesen O-Ton. Speaker0: [24:30] Ich wäre auch sehr gern dabei gewesen. Speaker1: [24:32] Ja, genau. Also Kathleen Henner hat mit ihrer Band Bikini Kill da auch Konzerte gespielt, wo dann offenbar auch ein sehr männliches Publikum da war, was sich vielleicht nicht so verhalten hat, wie sie sich das gewünscht hatte in ihrem Publikum und hat auch gesagt so, jetzt reicht es aber mal, jetzt könnt ihr euch bitte mal nach hinten stellen. Und es musste ein wunderschönes Moshpit gewesen sein dann vorne. Speaker0: [24:53] Aber die haben sich, glaube ich, auch alle an der Uni kennengelernt, oder? Genau. Also da war das akademische, feministische auch von vornherein mit da, weil das war mir eben bei der Doku über die Skipunks aufgefallen, dass eben auch gut tun gut oder zumindest um Malaria hieß es dann immer so, nee, also wir sind doch nicht politisch, wir machen keine Politik, ich mach halt einfach nur, ich mach worauf ich Bock hab. Und ich finde das halt immer sehr, sehr interessant, wenn Leute dann behaupten, dass das ja gar nicht politisch wäre, was sie machen, so als könnte man sich dann individuell dagegen wehren, dass das dann ja politisch werden könnte, weil natürlich haben sie gegen Rollenbilder verstoßen sozusagen und dann ist es politisch, kann man leider als Individuum gar nicht so viel gegen machen. Speaker1: [25:36] Nee, es ist definitiv implizit auch feministisch gewesen, wenn sich einfach Räume aufgeschlossen haben für Frauen, die vorher denen verschlossen waren. Aber das Nihilistische, das Punk hat es halt auch so ein bisschen... Vermieden quasi einen Stempel auf irgendwas drauf zu drücken. Also das oder so Ideale, die waren, also es ging sehr viel auch um Ablehnung von Dingen, die da waren. Und dann nicht nur, dass Feminismus irgendwie einen verstaubten, bürgerlichen, akademischen Ruf hatte, sondern einfach alle Stempel wurden abgelehnt. Speaker0: [26:06] Und gerade da war ja Alice Schwarzer dann ziemlich groß. Dann war eben auch so diese Gleichung, Feminismus ist gleich Alice Schwarzer. Das ging dann irgendwie auch nicht. Ich hatte noch so das Gefühl, ich meine, es war ja auch immer so ein Streben nach Freiheit und ich stelle mir dann immer vor, ich bin in West-Berlin und sehe ja, die ganzen Männer sind ja irgendwie frei, dann tue ich jetzt einfach so, als wäre ich ein Typ. Also das war zumindest in der Juku auch kurz so Thema, dass man dann halt einfach auch so unterwegs war und so. Aber ich weiß nicht, habe ich zumindest persönlich auch schon oft festgestellt, dass das irgendwie auch nicht die Lösung ist, so zu tun. Speaker1: [26:45] Nee, aber als Einstieg ist es vielleicht ein Weg. Speaker0: [26:49] Ja, make it till you make it. Speaker1: [26:50] Genau. Und es ist ja auch dann kein Wunder, dass dann Leute wie Gudrun Gut, obwohl sie irgendwie männliche Vorbilder hatten, hat sie ja gesagt, das ist irgendwie das Schlagzeug von Mittagspause und so weiter, dass trotzdem sich diese Musikerinnen mit anderen Frauen zusammengeschlossen haben. Weil sie sicherlich auch die Erfahrung gemacht haben, dass Künstlertypen nicht immer die angenehmsten sind, die man so in seinem Umfeld hat. Und dass dann, wenn man als reine Flintergruppe dann schon irgendwie noch mehr sich ausdrücken kann und mehr Freiheiten noch hat. Speaker0: [27:23] Ja, auf jeden Fall. Speaker1: [27:25] Und Right Girl, Bikini Kill ist eine der Bands, die immer wieder genannt wird, aber es ist natürlich nicht die einzige, aber eine der frühen. Und Carrie Brownstein von Sletta Kinney hat es mal so schön gesagt, dass Bikini Kill ganz viel dafür getan haben oder Right Girl insgesamt, Feminismus zu entmystifizieren und zum Teil der Popkultur auch zu machen und damit ja auch... Dann wiederum Grundsteine gelegt haben für das, wo wir eigentlich dann heute stehen, wenn eine Beyoncé sich Feminist auf ihre große Bühnenleinwand projizieren lässt. Speaker0: [27:59] Dann lass mal kurz reinhören, oder? Speaker2: [28:02] Hier hören wir Rebel Girl von Bikini Kill. Speaker2: [28:06] Um die ging es übrigens auch schon mal in meiner achten Folge damals. Natürlich auch um Beyoncé, klar. Vielleicht hast du ja Lust nochmal reinzuhören. Speaker1: [28:16] Rebel Girl auch einfach ein Liebeslied an eine Frau. Also auch nicht so das häufigste Thema Anfang der 90er in der Musik. Speaker0: [28:24] Ja, hat mich auch überrascht. Also wirklich so anbetend von wegen, sie ist in der Nachbarschaft, sie ist einfach die heißeste. Ich will ihr Best Friend sein, aber später wird auch geküsst. Also das ist dann schon relativ eindeutig, in welche Richtung das geht. Genau, aber die waren auf jeden Fall explizit feministisch. Trotzdem, ja, von den Riot Girls habe ich nichts mitbekommen, auch nicht von Bikini Kill, von Nirvana schon. Man könnte ja sagen, okay, Anfang der 90er, da habe ich halt auch noch andere Musik gehört, Kindermusik zum Beispiel. Aber also Nirvana war mir ja dann auch irgendwann Begriff. Speaker1: [29:02] Aber später wahrscheinlich, 94 hast du auch noch keinen Nirvana gehört. Speaker0: [29:05] Nee, 94 nicht. Nee, also die Trauer habe ich dann erst später noch aufkommen lassen um Kurt Cobain. Ja, als meine Schwester geboren wurde, ist er von uns gegangen. Aber Kathleen Henner habe ich ja trotzdem, also das war dann, als ich mich mit dem Podcast irgendwie mit Feminismus beschäftigt habe, da ist sie mir dann begegnet, aber mit Kurt zusammen ist sie nicht um die Ecke gekommen, obwohl sie es hätte machen können, weil die waren befreundet. Speaker1: [29:29] Ja, ohne Bikini Kill kein Smells Like Teen Spirit, weil das hat Kathleen Henner an die Wand seiner Bude geschrieben. Speaker0: [29:37] Weil der danach riecht? Nee. Oder was? Speaker1: [29:39] Toby Vale, die, es ist ein Deo, genau. Teen Spirit war ein sehr bekanntes Deo und so hat ein anderes Bandmitglied von Bikini Kill gerochen und Kurt Cobain hat die gedatet. Das ist aber die Randnotiz. Trivia. Speaker0: [29:53] Aber das ist doch interessant, wie das funktioniert, zumindest bei mir. Ich war direkt, ach, die kannte Kurt Cobain. Ach, dann ist es krass. Speaker1: [30:01] Nein, Kurt Cobain kannte sie. Speaker0: [30:02] Dann ist es krass. Es ist krass, dass er sie kann. Oder was? Speaker1: [30:11] Machen wir einen Zeitsprung? Speaker0: [30:13] Wir machen einen Zeitsprung. Und ich finde den auch ganz gut gewählt. Es geht tatsächlich um 15 Jahre. Und wenn ich eben so zurückschaue, dann waren das für mich eben auch 15 ziemlich unfeministische Jahre. Also wie gesagt, Rebel Girl, Bikini Kill habe ich sowieso nicht mitbekommen. Und dann war ja viel so dieses, hey, als Mädchen kannst du sowieso alles schaffen. Was? Es gibt doch gar keine Ungerechtigkeiten. Mach doch einfach. Ach, und wenn du es nicht machst, dann muss es irgendwie an Deal liegen. Speaker0: [30:41] Also dann ist es nicht so ganz. Und deswegen, genau, lass mal in 2018 direkt landen. Speaker1: [30:48] Dann war 25, ja. Speaker0: [30:51] Oh, 25, oh, verrechnet. Speaker1: [30:54] Naja. Speaker2: [30:55] Und hier hören wir No Black in the Union Jack von Eboni Bones. Speaker1: [31:00] No Black in the Union Jack. Der Union Jack ist die Flagge Großbritanniens. Und das ist ganz klar, wo auch dieser Song verortet ist. Also es begann mit so einem Sample von einer Rede von so einem super rassistischen Politiker, der irgendwie Angst hatte, dass die schwarzen Menschen in Großbritannien irgendwann the whip hand, also die peitschen Hand über die weißen haben werden. Speaker1: [31:25] Und ging dann weiter über den Brexit auch, dass Großbritannien sich aus der EU gevotet hat. Und da spannt Ebony Bones, so heißt die Künstlerin, halt diese Kontinuitäten und singt halt No Black and the Union Jack, das halt kein Platz für schwarze Menschen in der großbritannischen, in der britischen Mehrheitsgesellschaft hat. Speaker0: [31:48] Ja, also ein Part ist ja tatsächlich auch dieses, ja sorry, du hast zwar eine Ausbildung, aber wir scheißen auf deine Qualifikation, du flutest die Nation mit dieser Einwanderung, geh doch zur Tankstelle und hol dir da einen Job. Also so dieses abwertende und ja, also offensichtlich sehr politische im Songtext. Also wir bleiben auf jeden Fall im politischen. Speaker1: [32:14] Genau und so politisch war der Ursprungspunk überhaupt nicht. Also viele Bands haben das abgelehnt, nicht nur den Stempel feministisch zu sein, sondern auch politisch zu sein, obwohl sie es, wie du gesagt hast, selbstverständlich waren. Und so eine Künstlerin wie Ebony Bones, die diesen Song 2018 veröffentlicht hat, ist natürlich wahnsinnig politisch und scheut weder vor dem Wort politisch noch vor feministisch zurück. Für sie ist es ganz zentral, das auch so zu benennen und bringt somit natürlich viel mehr Theorie und Explizität in diese Musik mit rein. Und warum wir sie aber auch ausgewählt haben, war, weil sie halt tatsächlich total die Punk-Haltung hat in ihrer Biografie. Können wir mal den O-Ton hören? Speaker0: [33:00] Meine erste collaborator, who was Rat Scabies from The Damned. Speaker1: [33:04] Who named me Ebony Bones and was my first drummer, Speaker0: [33:08] He had a real kind of DIY punk ethic. Speaker1: [33:10] And he taught me, Speaker0: [33:12] Just do it yourself. Speaker1: [33:13] You learn by doing. I was always very nervous about it because I think you can't be what you don't see. And I never saw any female producers Und in fact, Speaker0: [33:22] There were lots. There was Kate Bush, Missy Elliott, Linda Perry. And I always noticed that they weren't celebrated in. Speaker1: [33:30] The same way that male Speaker0: [33:31] Producers were celebrated or respected. Speaker1: [33:34] And I had a problem with that. Ja, und sie erzählt ihr, dass ihr erster Drummer auch einer aus dieser Ur-Punk-Bands war, Red Scabies von The Damned. Und dass er sie so ein bisschen auf den Trichter gebracht hat, mach es halt einfach. You learn by doing und da geht es insbesondere um die Produktion der Musik, weil da immer noch sehr viel Power und Mitbestimmung liegt, wie ein Song am Ende aussieht, während das halt teilweise noch wahnsinnig männlich besetzt ist. Also als sie das erzählt hat, 2018 waren, glaube ich, Produzentinnen lagen bei 5% auf dem weiten Markt. Speaker0: [34:16] Ja, also zieht sich so durch. Immerhin Ebony Bones war dann am Start, aber so richtig, also ich höre jetzt ehrlich gesagt auch zum ersten Mal so von ihr. Speaker1: [34:26] Ja, es ist sehr schade, dass sie auch leider nicht mehr so aktiv ist. Sie hat dann auch aus diesem Punk-Spirit heraus irgendwie nochmal weitergedacht. Sie hat ihr eigenes Label gegründet, sie hat irgendwie angefangen, andere zu produzieren. Auf ihrem nächsten Album hat sie mit klassischen Orchestern zusammengearbeitet und eben nicht aus großen europäischen Hauptstädten, sondern aus Peking zum Beispiel. Und da auch nochmal das Thema Klassik irgendwie anders gedacht und das mit Clubmusik auch noch zusammengebracht und gleichzeitig diese britische Musiktradition weiterverarbeitet. Speaker0: [34:58] Und möglich macht es dann eben diese Punk-Haltung. Ich glaube, das ist für mich so das Anliegen des Abends, dass wir uns das vielleicht so ein bisschen mitnehmen. Speaker0: [35:06] Dieses einfach machen, nicht so viele Fragen stellen. Punk auch als Überlebensstrategie in schwierigen Zeiten. Also es soll jetzt nicht nur darum gehen, irgendwie eine Band zu gründen, sondern wirklich auch sich diese Einstellung vielleicht so ein bisschen zurückzuholen, soweit es eben geht. Speaker1: [35:23] Einfach mal machen und nicht so lange drüber nachdenken. Ja, ja. Speaker0: [35:27] Punk ist für mich über all die Jahre irgendwie viel weniger ein Genre oder Musikrichtung geblieben, als viel mehr eine Haltung oder ein Interesse oder so. Wenn ich von Punk spreche, geht es mir, glaube ich, ja, mehr um dieses Versessene auf das Rohe, Schmucklose, dieses Verliebte ins Kaputte, ins Unfertige, ins, ja, eigentlich würde ich sagen ins Kaputte. Und das eben gerade zu begreifen als etwas extrem Produktives und Einschlussfähiges und eben ein Element, über das man sich auf so herrliche, liebevolle, zarte, Speaker0: [36:10] schöne Art und Weise verbinden kann. Speaker1: [36:13] Ja, wer spricht hier? Das war Mira Mann, eine Münchner Musikerin, man hat es ein bisschen gehört, eben von der ganz tollen Punkband Kandelilla, die auch wirklich jetzt Punkmusik machen und nicht so wie um die Ecke gedacht mit Ebony Bones, die ich im Jahr 2025 gefragt habe, wie sich das für sie angefühlt hat, eben auf der Bühne zu stehen und wie sie darauf gekommen ist, denn einfach mal zu machen und Musik zu spielen. Und die haben tatsächlich mit ihren Instrumenten einfach mal Krach gemacht im Probenraum und wurden da ganz stark von Miramanns Mutter unterstützt, die gesagt hat, hier Kinder, Instrumente, Raum, los. Speaker0: [36:54] Und macht kaputt, was euch kaputt macht. Vielleicht können wir uns das so ein bisschen mitnehmen, denn das ist tatsächlich auch schon das Ende von diesem Live-Podcast. Ich wusste auch nicht, ob ich das machen kann, diesen Live-Podcast. Ich wusste nicht, ob ich es kann. Ich habe es jetzt einfach mal gemacht. Es hat sich eigentlich ganz gut angefühlt. Ja, vielleicht findet ihr für euch ja auch einen Kanal, irgendwas neu auszuprobieren, von dem ihr noch nicht wisst, ob ihr es könnt. Und ja, danke nochmal an dich, Diviam vor allem, an die Kulturfabrik für die Einladung. Und ja, zum Schluss nochmal Musik. Zum Schluss nochmal Musik. Speaker1: [37:38] Dankeschön. Speaker2: [37:44] Ja, damit sich der Kreis schließt, hören wir hier die Band, die Diviam zum ersten Mal auf die Idee brachte, dass sie auch eine Band haben könnte. Candelilla mit dem Song 32 ist natürlich auch auf der Playlist. Ich hoffe, du konntest ein bisschen was von der Stimmung mitnehmen. Dabei sein ist natürlich immer besser. Mal sehen, ob ich das nochmal mache. 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