Folge 53 - Legaler Stress zum Nachmachen – Aktionskunst mit Cesy Leonard (Radikale Töchter)
In dieser Folge gibt’s kleine und große Aktionen, die du allein oder gemeinsam umsetzen kannst, um rauszukommen aus diesem Gefühl „alle anderen sind zu groß und mächtig und ich bin klitzeklein“. Oder einfach, um politischer Ernsthaftigkeit mit Humor zu begegnen: Weil du es kannst! Und weil es die Kunstfreiheit gibt – was ziemlich praktisch sein kann.
Ich spreche mit der Aktionskünstlerin Cesy Leonard, Mitgründerin der Radikalen Töchter, über Aktionskunst als feministische Praxis: über legale Stressmethoden, Ideen zum Nachmachen, Humor als Überlebensstrategie und wie Wut uns zu dem Thema bringt, das wir bearbeiten wollen. Wir teilen unzählige inspirierende Aktionen, reden aber auch darüber, warum standhaft bleiben manchmal schon genug sein kann.
Eine Folge für alle, die Bock haben, sich einzumischen - auf die kreative Art.
Werbepartner dieser Folge ist die Rosa-Luxemburg-Stiftung. Zur Lesung von Sibel Schick am 24.2. 19 Uhr gehts hier: https://www.rosalux.de/linksbuendig
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Shownotes zur Podcastfolge:
Radikale Töchter: Offene Workshoptermine
Telegramgruppe Radikale Töchter
Cesy Leonard: MACHEN MACHT MUT - Gegen die Gleichgültigkeit (auf buch7)
>Kostenfreie Lesung am 29.1. 18 Uhr in Berlin
Folge 45: Lea Bonasera im Interview (ehemals "Die letzte Generation")
Aktionen von EXIT Deutschland
https://www.exit-deutschland.de/meldungen/wunsiedel-macht-aus-nazimarsch-spendenlauf
https://www.exit-deutschland.de/projekte/?c=trojaner-t-shirt
Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein (auf buch7)
Correctiv: Beispiel für die Beantwortung einer "Kleinen Anfrage"
taz: Hedwig Richter über "Reformen statt Revolutionen"
Folge 28 und 29 übers widerständig bleiben
https://www.feminismusmitvorsatz.de/28-selfcare
https://www.feminismusmitvorsatz.de/29-collective-care
1000Dank an Cesy Leonard, Josephin Haardt, die Radikalen Töchter, alle Sprachnachrichtler*innen und den Zitateinleser Lasse!
Musik von slip.stream
Coverdesign: Svenja Limke
Titelmusik: Louis Schwadron
Transkript
Die Folge als Text!
Bitte beachte: Das Transkript wurde automatisch mit Auphonic erstellt und ist nicht perfekt.
[0:00] Werbung! Am 24. Februar 19 Uhr ist es soweit. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung lädt zur Buchvorstellung von Siebel Schick in Berlin und per Livestream ein. Das neue Buch von Siebel Schick, Mein Körper, wessen Entscheidung, passt nämlich perfekt in die Veranstaltungsreihe Linksbündig der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Dort können sich linke AutorInnen unzeitgemäße Gedanken machen. Speaker2: [0:24] Unzeitgemäß, das gefällt mir besonders. Denn in mein Körper, wessen Entscheidung geht Sibel Schick davon aus, dass Paragraf 218, der Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe stellt, früher oder später gestrichen wird und fragt sich, was danach käme. Und genau das liebe ich an Feminismen, dass meistens viel weiter gedacht wird, als irgendwelche Gendern-wir-jetzt-oder-nicht-Diskurse behaupten wollen. Wenn ich so reinlese, schreibt Sibel Schick sehr persönlich. Von ihren Gedanken rund ums Kinderkriegen bis zu dem Schwangerschaftsabbruch, der ihr Leben gerettet hat. Aber natürlich ist ihre feministische Analyse rund um reproduktive Gerechtigkeit im Fokus. Ich ahne, dass das ein guter Abend wird mit ergiebigen Diskussionen und so einigen Aha-Momenten. Sei kostenfrei dabei am 24. Februar 19 Uhr in der Straße der Pariser Kommune 8 in Berlin oder im Livestream auf rosalux.de slash linksbündig. Den Link findest du auch nochmal in den Shownotes. Viel Spaß! Werbung Ende! Speaker2: [1:48] Das ist Feminismus mit Vorsatz, der Podcast rund um feministische Perspektiven mit mir, Laura. In dieser Folge geht es um kleine und große Aktionen, die du zusammen oder allein machen kannst, um raus aus, naja, so einem Gefühl von Ohnmacht aus diesem Alle anderen sind zu groß und mächtig und ich klitzeklein zu kommen. Oder einfach, um politischer Ernsthaftigkeit mit Humor zu begegnen. Einfach, weil du es kannst und weil es die Kunstfreiheit gibt und es ziemlich praktisch sein kann. Dafür habe ich ein längst überfälliges Interview mit der Aktionskünstlerin Ceci Leonard geführt. Sie hat 2019, als auch dieser Podcast das Licht der Welt erblickte, die radikalen Töchter gegründet. Seitdem gucken wir aufeinander, feiern uns gegenseitig ab und letztes Mal habe ich dann auch endlich mal an einem Workshop der radikalen Töchter teilgenommen. Ceci vermittelt dort mit ihren KollegInnen, wie das geht mit diesen Aktionen und dieser Kunst. Gleichzeitig schaffen sie damit Räume, in denen klar wird, wir sind viele. Also du guckst dich um und weißt einfach, die Leute hier sind korrekt. Allein das gibt schon richtig viel Kraft. Speaker2: [2:58] Check auf jeden Fall mal die Webseite der radikalen Töchter aus oder die Telegram-Gruppe, die ich in den Shownotes verlinkt habe. Außerdem hat Sessi ein tolles Büchlein namens Machen macht Mut gegen die Gleichgültigkeit geschrieben, Das ganz viel über ihre Motivation erzählt und einfach richtig Bock macht, sich einzumischen. Bis zum 20. Januar kannst du dich noch für ihre kostenfreie Lesung in Berlin am 29. Januar um 18 Uhr anmelden. Speaker2: [3:26] Ceci Leonard nennt sich Feministin in Progress und lebt in einer Patchwork-Familie mit drei Kindern. Vor den radikalen Töchtern hat sie Aktionskunst beim Zentrum für politische Schönheit gemacht, was zum Beispiel dafür bekannt ist, das Nachbargrundstück vom AfD-Vorsitzenden in Thüringen Björn Höcke mit einer Nachbildung des Holocaust-Mahnmals bestückt zu haben, nachdem Höcke das Original als ein Denkmal der Schande im Herzen Berlins bezeichnet hatte. Speaker2: [3:54] Aktionskunst bedient dabei gern ein patriarchales Helden-Narrativ, also da gibt es dann zwar eine Gruppe, aber eigentlich gibt es dann diesen meist männlichen Leiter der Gruppe, der als Genie inszeniert wird. Radikale Töchter macht's anders, feministisch. Es gibt keine eigenen Aktionen, sondern es werden so viele Menschen wie möglich befähigt, ihre Aktionen umzusetzen. Nun ist Sessi aber auch nicht mit einem politischen Über-Ich geboren. Speaker2: [4:21] In ihrem Buch bringt sie es mit Gedanken wie Ich? Politisch? Nee, Politik machen die anderen auf den Punkt. Wie kam es dann dazu, dass sie heute Aktionskünstlerin ist? Auf geht's! Speaker0: [4:34] Da fällt mir gleich was ein, was ganz lustig ist, was meine Tochter mal gesagt hat. Sie hat gesagt, meine Mama hat sich ihren Beruf selber erfunden. Speaker0: [4:44] Und ja, so sehe ich das eigentlich auch ein bisschen, dass ich das mir selber ausgesucht habe. Aktionskünstlerin ist ja nichts, was man in der Schule lernt. Oh, das ist ein Berufswunsch, der wird einem bei der Arbeitsagentur vorgeschlagen, sondern das sucht man sich. Bei mir hat das angefangen durch etwas, was man gar nicht Aktionskunst nennen würde, aber letztlich ist es Kunst und Aktion, nämlich Graffiti. Also ich wurde ja sozialisiert in Süddeutschland, in Stuttgart. Ich war unfassbar schlecht in der Schule, vor allem in Latein. Und dann habe ich einen tollen Latein-Nachhilfelehrer bekommen. Und in Latein habe ich trotzdem eine 5 gekriegt, aber er war Graffiti-Artist und hat mich mit 15, war das glaube ich, an Graffiti rangeführt und das war eigentlich dann meine Liebe. Also dieses nachts rausgehen auf die Straße, Styles malen, die ganze Kultur dahinter kennenlernen, was auch eine höchst politische Kultur ist, die Hip-Hop-Kultur. Total sexistisch, aber das habe ich damals irgendwie gar nicht so richtig mitgeschnitten. Aber das hat mich so krass gehuckt, dass ich dann bei Kunst geblieben bin und war dann im Theater, habe Schauspiel studiert. Und da war natürlich dann Christoph Schlingensief für mich ja eigentlich so der aktionskünstlerische Gott. Speaker2: [6:10] Okay, okay, wie war das nochmal mit der Heldengeschichte und dem einsamen Genie? Auch Aktionskünstler, Filme- und Theatermacher Christoph Schlingensief war natürlich umgeben von Menschen, die seine Aktionskunst erst möglich gemacht haben. Speaker0: [6:23] Das war wirklich seine Stücke, die außerhalb vom Theater stattgefunden haben, die eigentlich alle Regeln und Gesetze gesprengt haben, des guten Geschmackes auch, was man eigentlich machen darf, wie weit man gehen darf, wie man politisch sein darf. Das hat mich einfach unfassbar inspiriert, so dieses Dagegensein, dieses was ganz anders machen. Eine Aktion, die hat er in den 90ern gemacht, die habe ich dann später kennengelernt, die hieß Ausländer raus und die hat er zu den Wiener Festwochen damals gemacht in Wien und hat dieses System, wie Big Brother funktioniert, nachgespielt auf dem Hauptplatz in Wien, hat dafür eine Genehmigung gekriegt, hat einen Container hingebaut und da konnten Asylbewerber wie Big Brother rausgewählt werden. Und es hat so in seiner Art natürlich die ganze politische Perversion dieser Zeit wieder gespiegelt. Also gute Ausländer, schlechte Ausländer, wer darf bleiben, wer entscheidet, wer bleiben darf. Speaker0: [7:32] Und das so nachzuspielen, auch mit so einem popkulturellen Aspekt, mit so einem Sujet, sag ich mal, das wir damals alle kannten, weil wir das geguckt haben im Fernsehen, das ist halt total spannend. Und also das war eine Aktion, die fand ich auch deswegen so spannend, weil sie Linke wie Rechte gleichermaßen echauffiert hat. Und das habe ich schon immer geliebt. Also das Kunst, was so edgy hat, dass es uns wirklich so zum Nachdenken bringt, dass es uns nicht unbedingt gefällt, sondern dass wir denken, oh Mann, das ist wirklich eine Grenzüberschreitung und das hat er mit dieser Aktion auf jeden Fall geschafft. Speaker2: [8:12] Beim Thema Grenzen sprengen muss ich direkt an die Aktionen von Die Letzte Generation denken. In der Öffentlichkeit wurde da ja auch sehr viel geschimpft. In meinem Interview mit Lea Bonasera, die auch Mitglied von Die Letzte Generation war und gleichzeitig zum Thema Ziviler Ungehorsam promoviert, zeichnet sich ein viel differenzierteres Bild. Speaker2: [8:31] Folge 45 war das. Doch wie ordnet Sessi die Aktionen eigentlich ein? Speaker0: [8:36] Also ich finde, dass es auf jeden Fall gerechtfertigt ist, so zu protestieren und dass die Art und Weise, wie gegen die vorgegangen wurde, in der Drastik vor allem in Bayern einfach komplett über die Stränge geschlagen hat. Und wirklich, das sind ja so Fälle, die dann eigentlich verhandeln, wie weit darf Widerstand auch ziviler Ungehorsam in einer Demokratie gehen? Wie weit muss der gehen dürfen? Und da wurde in meinen Augen in einer Drastik dagegen vorgegangen, was nicht gerechtfertigt ist. Und das werden natürlich jetzt auch Gerichte verhandeln im Nachhinein. Gleichzeitig wäre es jetzt nicht meine Form von Protest gewesen. Auf gar keinen Fall. Also ich würde... Speaker1: [9:28] Fingst du jetzt an dieses Festkleben auf der Straße oder an die Farbbomben? Speaker0: [9:33] Ja, sehr gut, dass du es fragst. Für mich denke ich in erster Linie an das Festleben auf der Straße. Also ich glaube auch die Drastik des Vorgehens des Staates wurde sozusagen auch durch diese öffentliche Empörung dann auch, wie können die nur uns im Berufsverkehr daran hindern, an die Arbeit zu kommen. Das war glaube ich schon auch wahrscheinlich das, was so das Fass zum Übergelaufen gebracht hat. Nicht diese Farbbomben auf das Grundgesetz, auf diese Grundgesetztafel oder das Vorgehen in Museen. Speaker0: [10:07] Ja, ich finde es sehr interessant, weil die letzte Generation mit den VertreterInnen, mit denen wir geredet haben, die haben immer ganz klar gesagt, sie sind Aktivisti und keine KünstlerInnen. Und man hätte natürlich auch diese Performances auf der Straße auch als dezidiert künstlerische Aktion auswerten können und dann wäre es vielleicht auch unter die Kunstfreiheit gefallen und würde bei Gesetzen ganz anders verhandelt werden. Also ich glaube, das wäre total spannend gewesen, auch damit zu spielen. Aber die, mit denen wir gesprochen haben, denen war es sehr wichtig zu sagen, es ist Aktivismus, weil sie ein so wichtiges und ernstes Thema ansprechen. Und da sind wir, glaube ich, bei einem ganz wichtigen Punkt. Ich würde mich immer als Künstlerin begreifen, als Aktionskünstlerin. Und das heißt, man laviert so ein bisschen rum an dieser Grenze zwischen Realität und auch Fiktion, also mit fiktiven Elementen zu spielen und darin vielleicht so... Speaker0: [11:15] Um Fantasien zu wecken, Visionen von einer besseren Welt, von einer Hyperrealität, die es vielleicht mal geben könnte. Und ich würde auch sagen, was Aktionskunst von Aktivismus in erster Linie auch unterscheidet, ist, dass Aktionskunst zwar politisch ist, aber in den seltensten Fällen ein ganz klares Ziel verfolgt, wie ich möchte 10.000 Unterschriften oder die AfD soll aus dem Parlament raus, sondern sie regt wirklich eher auch zum Nachdenken und zum Handeln natürlich an, aber mit nicht so einer konkreten Forderung. Speaker1: [11:50] Und gab es andere Aktionen jetzt so in moderneren Zeiten, sage ich mal, abseits der letzten Generation, die du irgendwie spannend fandest? Speaker0: [12:00] Ja, total. Also bei radikale Töchter fangen wir in unseren Workshops ja immer damit an, dass wir ganz, ganz viel Aktionskunst aus der ganzen Welt mitbringen, um zu zeigen, das sind die Themen, die Menschen wütend machen, zu denen Menschen gearbeitet haben, ganz unterschiedlicher Art. Und das sind eher große Aktionen und das sind eher kleine Aktionen. Und ich muss an eine Aktion denken von einem Kollektiv aus Stuttgart, die hat über parkende Autos auf Fahrradwegen rote Teppiche drübergelegt, wo dann so ein Fahrradwegzeichen drauf war, beispielsweise. Finde ich super nice, es easy nachzumachen. Man kann ein Foto schießen, den Teppich wegnehmen und es dann im Internet verbreiten und gleich hast du so eine Resonanz, also die Aktion lebt dann digital weiter. Speaker0: [12:55] Das beispielsweise. Dann gab es eine Aktion in London, die hieß The Dad Shift. Da ging es darum, wie verteilen wir Care-Arbeit fairer. Und da wurden an alle Statuen, männliche Statuen, die es in London sehr, sehr viel gibt, dann wurden Babypuppen mit so Babytragen dran gemacht und dann auch fotografiert, ins Netz gestellt. Es sind eben so kleine, nice Aktionen, die man echt easy nachmachen kann, würde ich sagen. Davon lebt Aktionskunst auch, von dieser Reproduzierbarkeit und gleichzeitig, ja, macht es Spaß, bringt zum Schmunzeln und bedient sich so des öffentlichen Raumes. Und ich glaube, einer meiner absoluten Lieblingsaktionen auch ist, da gibt es auch ein sehr lustiges Video im Internet von Exit Deutschland über den unfreiwilligen Spendenlauf. Speaker2: [13:48] Oh ja, auch ich bin großer Fan. Sessi spricht hier einen Nazi-Aufmarsch im oberfränkischen Wunsiedel an, der von Exit Deutschland, dem Aussteigerprogramm für Nazis, auf den Kopf gestellt wurde. Für jeden gelaufenen Meter sammelten die Nazis Geld. Gegen sich. Bunte freundliche Plakate am Wegesrand motivierten zum Weitermachen und Meilensteine, zum Beispiel 5000 Euro nach der Hälfte der Strecke, strahlten feierlich vom Asphalt in die mürrisch reinblickenden Nazi-Gesichter. Speaker1: [14:20] Einerseits ist es natürlich irgendwie so, das sind dann halt sehr große Aktionen, sodass man dann irgendwie so ist so, ja okay, finde ich jetzt ein bisschen schwierig, da ähnliches zu finden, um das irgendwie nachzumachen. Aber trotzdem merke ich sofort, dass ich so total inspiriert bin und irgendwie so, dass so Regionen im Hirn aktiviert, die irgendwie so vor sich hin blitzen. Man irgendwie so das Gefühl hat, okay, aber wenn ich da in der Richtung bleibe, dann fällt mir bestimmt auch was ein, was ich irgendwie umsetzen könnte. Vielleicht kannst du mir nochmal so einen groben Überblick geben, was irgendwie so eine stufenweise Herangehensweise sein könnte, um so das eigene zu finden, was man umsetzen könnte. Speaker0: [15:06] Ja, das mache ich sehr gerne. Ich finde, du hast gerade schon was ganz Tolles gesagt, dieses kleine Blitzen im Kopf oder im Herzen und dieses auf Ideen kommen, auf die ich normalerweise nicht kommen würde. Ich würde schon sagen, dass das was sehr, sehr Zentrales ist, was auch mich immer noch so sehr daran begeistert, weil es eigentlich eine Haltung zum Leben beschreibt. Nämlich nicht in diese Glaubenssätze zu verfallen, es ist halt so, ich kann eh nichts ändern, das haben andere schon so gemacht. Sondern diese ganzen aktionskünstlerischen Beispiele und diese Menschen, die was neu und anders gemacht haben und die mutig waren, die sind dadurch einfach so Vorbilder und zeigen ganz gut auf, dass man das a-macht. Ja selber auch anders denken kann und sie machen so eine Lust darauf und ich glaube, es ist super essentiell, gerade in der heutigen Zeit, wo wir uns häufig so krass ohnmächtig fühlen, dass wir immer wieder von sowas gekitzelt werden, wie du es so schön gesagt hast, dass so diese Blitze reinkommen. Speaker2: [16:17] Dann serviere ich doch noch ein paar mehr Blitze. Zunächst eine weitere Aktion von Exit Deutschland, die auf einem Rechtsrock-Festival stattfand. Dort wurden T-Shirts mit Nazi-Logo verteilt, doch nach der ersten Wäsche verwandelte sich der Aufdruck und die Kontaktdaten von Exit Deutschland wurden sichtbar. Ist es nicht nice? Eine kleinere Aktion, die mir hier in meinem Kiez aufgefallen war, setzte Hundehaufen in den Mittelpunkt. Die wurden nämlich mal eine ganze Weile konsequent mit gelber Sprühkreide markiert und erregten so Aufsehen. Speaker0: [16:52] Hi, was mir im Alltag hilft, widerständig zu bleiben oder kleine Aktionen, die ich mache, ist manchmal einfach eine Straßenkreide mitnehmen und was auf die Straße schreiben. Sowas wie Free Palestine oder auch manchmal einfach nur Hab einen schönen Tag oder ein Herz malen oder Trans Lives Matter. Speaker1: [17:10] Hallo, hallo. Ich würde gerne Sprayn vorschlagen und zwar, weil es einfach sehr, sehr erreichbar ist für Menschen. Also die Materialkosten sind sehr niedrig und es ist, wenn du es halbwegs richtig anstellst, auch sehr schwer erwischt zu werden. Und ich denke, es ist halt wichtig, weil du deine Meinung öffentlich machst und sichtbar machst. Gerade mit Palästina und so fand ich das wichtig, dass ein paar Leute halt gesprayt haben, dass es ein Genozid ist und solche Sachen. Weil mir es halt in der Medienrepräsentation total gefehlt hat, dass es so klar beim Namen genannt wurde. Also ich bin in einem Verein ehrenamtlich aktiv und da haben wir ein Sexismus-Bingo vorbereitet. Vorbereitet und da haben wir in den Kästchen so typische Sexismus-Situationen, also Erfahrungen reingenommen, die wir wahrscheinlich alle irgendwie kennen. Also sowas wie, mir wurde gesagt, ich solle doch mal lieber lächeln und dann haben wir dieses Bingo in der Mittagspause, als alle essen waren, verteilt auf die Plätze aller Personen und als sie aus der Mittagspause wieder kamen, haben sie sich dann damit auseinandersetzen müssen. Speaker1: [18:20] Und es hat halt auch wirklich sehr gut geklappt. Natürlich könnte man sagen, okay, ich ignoriere diesen Zettel, der da vor mir liegt einfach, aber es haben wirklich sehr viele Leute sich mit ihren Erfahrungen mit Sexismus auseinander gesetzt, egal wie die geschlechtliche Identität war und es haben sich auch wirklich Leute drüber unterhalten und ich glaube, diese kleine Aktion hat wirklich dabei geholfen, noch mal mehr Sichtbarkeit für das Thema zu generieren und halt eben ein bisschen Diskussionen anzuregen. Speaker2: [18:51] Um Sexismus geht es auch bei den Guerilla Girls. Mit ihren Plakaten prangern sie an, wie wenige Künstlerinnen in Museen gezeigt werden. Sie fragen, müssen Frauen nackt sein, um ins MET-Museum zu kommen? Also ins Metropolitan Museum of Art in New York. Schließlich sind nackte gemalte Frauen übermäßig oft in Ausstellungen zu sehen, Speaker2: [19:11] nur dass die Schöpfer meistens männlich sind. Dass es viel anzuprangern gibt, wissen wir. Doch wie finde ich mein Projekt? Was Konkretes? Sessi Speaker0: [19:24] Genau, wie machen wir das? Also diese Beispiele sind ein ganz, ganz zentraler Teil davon. Und ein weiterer zentraler Teil ist zu fragen, was wäre es denn bei dir? Was macht dich wütend? Was möchtest du gerne verändern? Und das ist eigentlich eine Arbeit mit Gefühlen und es geht darum, erstmal diese Wut hochzuholen, mit der zu arbeiten und diese Wut dann nicht so stehen zu lassen als ein destruktives Gefühl. Man ist halt wütend, es bringt ja eh nichts, sondern diese Wut erstmal zu spüren. Es gibt ein gutes Gefühl dafür, was ist das Thema, für das ich bereit bin, jetzt auch was zu tun, Menschen anzurufen, eine Bande zu bilden und gleichzeitig, wie kann ich diese Wut in ein Thema umwandeln? Also wir nennen sie in ein Mutthema umwandeln. Also was ist es denn genau, was dich wütend macht? Speaker0: [20:23] Und dann haben wir einen Methoden-Kit entwickelt von zwölf Methoden der Aktionskunst. Die erste Methode heißt Think Big und Visionen, weil es auch darum geht, wir sagen immer, wenn man am Anfang nur an Flyer verteilen denkt, Speaker0: [20:40] dann wird am Schluss nur Flyer verteilen dabei rauskommen. Also es ist so wichtig, sich zu trauen, größer zu denken, wow, wie wäre es denn, ich würde mit einem Helikopter über Berlin fliegen und da Liebesbotschaften auf die Stadt runtersegeln lassen oder so. Das macht halt Spaß. Und die letzte Methode ist Humor, weil das ist absolut das, also Joy, Humor, was uns als Aktivisti am Laufen halten wird und uns weiterhin Spaß machen wird. Speaker1: [21:11] Dann lass das doch zusammen mal probieren. Also vielleicht können wir uns ja wirklich mal kurz Zeit nehmen zu überlegen, Was uns aktuell wütend macht. Ich weiß noch, im Workshop hatte ich, dass es einfach so viele Barrieren gibt, wenn man mit dem Kinderwagen unterwegs ist. Also dass mich das auf jeden Fall regelmäßig auf die Palme bringt, wenn dann wieder die Fahrstühle nicht gehen. Also gab es auch neulich wieder eine Situation, wo mir einfach instantly die Wuttränen gekommen sind, weil ich halt am Hauptbahnhof stand und weder der Fahrstuhl noch die Rolltreppe ging und ich halt komplett mit Kind- und Kinderwagen und Riesenrucksack da irgendwie stand. Und ja, es gab dann Leute, die es sofort gecheckt haben und mir geholfen haben, aber trotzdem kurz so dieses Ausgeliefertsein so krass zu spüren, das ist einfach heftig irgendwie. Mhm. Speaker0: [22:03] Ja, was ich an deinem Thema sehr mag, ist, dass es sehr konkret ist und alltagsnah. Und das ist zum Beispiel auch was, was wir immer wieder in den Workshops merken, was uns als Menschen vom Handeln abhält, ist, dass wir eben nicht an diese konkreten alltagsnahen Themen ran gehen, die natürlich eine viel größere systemische Komponente haben. Nämlich, wofür wird in der Stadt Planung Geld ausgegeben? An welche Personen wird gedacht? Wird an RollstuhlfahrerInnen gedacht? Wird an Menschen mit Kindern gedacht? Wird an Menschen mit Behinderung gedacht? Solche Thematiken, die stehen dahinter und trotzdem trifft es uns im Alltag. Und dazu kann man sehr, sehr gut Aktionen machen, weil sie sehr konkret sind. Deswegen finde ich es eigentlich ganz cool, dass wir dazu jetzt was arbeiten würden. Außerdem macht es mich auch oft liebend. Speaker1: [22:51] Ja, was war deine letzte Situation in der Hinsicht? Speaker0: [22:57] Also alleine schon, selbst wenn die Aufzüge funktionieren, am Alexanderplatz in Berlin brauche ich ungefähr 20 Minuten, um von der U2 oben zu den Einkaufszentren zu kommen, weil man ungefähr drei Aufzüge benutzen muss, die über drei verschiedene Etagen fahren, wo alle Menschen, die irgendwie eine Gehbehinderung haben, mit einem Kinderwagen unterwegs sind, auch einfach älter sind, die brauchen und man denkt sich so, also hätte ich jetzt einen Termin und müsste irgendwo pünktlich hin, das kann es man einfach vergessen. Und es wird einfach vorausgesetzt, dass Menschen, die im Rollstuhl sind, na die haben einfach Zeit. Das macht mich auch so sauer. unfassbar. Speaker1: [23:37] Das ist am Hauptbahnhof ganz genauso, dass wenn diese Fahrstühle wirklich in Zeitlinke fahren die da hoch und runter, wenn sie überhaupt ist. Und man steht da einfach und das Leben zieht einfach an einem vorbei. Die Lebenszeit ist einfach so, okay, ciao. Ja, was machen wir da? Speaker0: [23:57] Ja, also ich finde es sehr gut. Wir könnten ganz konkret als Beispiel nehmen, Berliner Hauptbahnhof, Aufzüge, das macht uns wütend. Speaker0: [24:09] So, und dann könnten wir jetzt mal anfangen, rumzudenken. Also es gibt die Methoden der Aktionskunst und die können einem einfach helfen, dazu anzufangen, eine Aktion zu planen. Und wir würden jetzt unsere Wut in eine Forderung umwandeln. Also was wäre unsere gemeinsame Forderung? Was wollten wir verändern? Speaker1: [24:28] Also die Forderung wäre ja, dass es weniger Barrieren gibt. Also dass man irgendwie schneller dort, egal ob man nun zwei gehende Beine hat oder nicht, von A nach B kommt. Speaker0: [24:40] Ja, also das heißt, es müsste eigentlich vielleicht sogar 20 Mal so viele Aufzüge gehen, die dreimal so schnell fahren zum Beispiel. Ja, ja. Okay, also wir können es ja erstmal so allgemein lassen. Der Berliner Hauptbahnhof muss barrierefrei sein. Das heißt, Menschen, die auf Aufzüge angewiesen sind, müssen genauso schnell ankommen können wie Menschen zu Fuß oder mit der Rolltreppe. Ja, super. Dann könnten wir jetzt anfangen, drüber nachzudenken. Wie könnte das denn aussehen? Also es gibt zum Beispiel auch unsere Methode, die heißt ÜbeltäterInnen und Verantwortliche. Und da fände ich es total toll. Und es gibt die Methode Faktencheck. Und da fände ich es total toll, dass wir mal gemeinsam anfangen würden zu recherchieren, wer hat eigentlich den Berliner Hauptbahnhof entworfen? Wer war das? Waren das vielleicht Männer ohne Behinderung? Ah, interessant. Und dass wir da mal uns so auf die Suche machen und vielleicht gucken, wo wir entwerfen, die gerade neue Bahnhöfe oder Situationen und wo könnten wir die vielleicht öffentlichkeitswirksam ansprechen und ein kleines Filmchen dazu machen. Dann vielleicht auch ein lustiges, humorvolles Filmchen, was es denn bedeutet, mit Sack und Pack am Berliner Hauptbahnhof zu versuchen, Zug nicht zu verpassen beispielsweise. Speaker0: [26:03] Das könnten wir machen. Wir könnten eine Kampagne machen, ein Netz dazu, vielleicht auch andere Bahnhöfe testen oder Bahnhofe raten. Wer hat die schnellsten Aufzüge, die uns am besten zum Platz bringen? Speaker1: [26:16] Ich muss da auch gerade an so einen Wettlauf, also als du so dieses schwer bepackt beschrieben hast, dass man es halt auch so komplett übertreibt, also wie so Performer einfach vor Ort schickt, die so wirklich komplett bepackt sind. Ich meine, es muss ja auch einfach nur so aussehen, aber dass es einfach Aufmerksamkeit erregt, wie die sich dann halt so mega langsam irgendwie die Treppen hochschleppen oder irgendwas, weil Genau, ich glaube, was ja auch irgendwie wichtig ist, ist, dass es eben die Leute auch erreicht, die nicht unbedingt betroffen sind, weil alle anderen, die mit Rollstuhl oder Kinderwagen oder wie auch immer unterwegs sind, die kennen ja das Problem. Die wissen ja, dass sie über eine halbe Stunde mehr einplanen müssen, aber so die Personen, die eben nicht betroffen sind, oder so dieses Kaugummi-artige Gefühl, wenn man das irgendwie nachstellen könnte, also dass die wie in so einem Gummi versuchen, also der irgendwo festgebunden ist oder so versuchen, irgendwo hinzugehen und es geht einfach nicht, weil einen halt irgendwas magisch zurückzieht. Sexistische Stadtplanung zum Beispiel. Speaker0: [27:29] Ja, also das gäbe sozusagen dann vielleicht so PerformerInnen, die so super kompliziert und langsam Treppen und Rolltreppen hoch und runter laufen und andere daran hindern, ihr schnelles Tempo weiter gehen zu können beispielsweise. Oder die Rolltreppen laufen umgekehrt plötzlich. Speaker1: [27:51] Das geht dann natürlich wieder so ein bisschen Richtung letzte Generation, Speaker1: [27:56] so Blockade von dem normalen Verkehr. Vielleicht könnte man es auch andersrum machen, dass PerformerInnen so ein bisschen übertrieben versuchen, Leuten zu helfen, die eigentlich gar keine Hilfe brauchen. Also so von wegen, geht's? Kann ich ihnen was tragen oder so extra unterstützen, obwohl man es eigentlich selber auch ganz gut hinbekommt und dadurch irgendwie so eine Störung entsteht? Weißt du, was ich meine? Kannst du es dir vorstellen? Speaker0: [28:24] Total, total. Du hast auch gerade was total Spannendes gemacht, was auch eine ganz wichtige Methodik von uns ist, worauf wir immer wieder hinweisen. Dass, wenn man in diesem Brainstorming-Modus ist, den wir jetzt gerade gemacht haben, dass wir im Ja-Aber-Modus sind. Also, dass wir uns nicht anfangen, in diesem ersten Teil zu zensieren, sondern dass wir eher sagen, ja, und dann könnten wir noch das und das machen. Und stell dir mal vor, es würden dann noch, ich weiß auch nicht, vielleicht doch irgendwie ein bisschen Gummi auf den Treppen sein oder so. Und das ist so wichtig, weil diese innere Kritikerin, die haben wir so hart trainiert, wir alle in unserem ganz normalen Leben ab der Schulzeit spätestens, dass wir eher trainieren müssen, in diesem fantastischen Jahr umzubleiben. Und da kann man sich auch dann so Timeframes setzen, dass man sagt, okay, wir machen jetzt 20 Minuten lang ja und. Und es fällt wirklich so vielen Leuten so hart schwer, das überhaupt zu machen. Und dann kann man sagen, okay, nach 20 Minuten haben wir genug gesammelt. Und dann können wir anfangen, die Kritikerin reinzuschicken und zu sagen, das ist eine saudumme Idee. Das wird niemals gehen, weil bla bla bla bla bla. Aber nicht schon am Anfang. Speaker1: [29:42] Ja, voll. Okay, das heißt, was haben wir jetzt? Wir haben zum einen so ein bisschen dieses Zurückhaltende, also dass im Grunde ja andere dann auch mal spüren, wie es den anderen geht, so ungefähr. Und andererseits dieses Unterstützende, obwohl die Leute es dann gar nicht bräuchten. Ich habe auch überlegt, es werden ja nicht alle Gefährte, die Rollen haben in Deutschland, diskriminiert. Autos zum Beispiel werden ja sehr, sehr stark bevorteilt und sehr hoch. Für die wird ja alles gemacht. Speaker1: [30:15] Für Autos werden Häuser weggerissen, damit tolle Autobahnen hinbaut werden können. Haben wir jetzt in Berlin auch gerade wieder gehabt, dass so ganze Clubkulturen gestorben sind, um eine Autobahn weiterzubauen. Speaker1: [30:30] Vielleicht könnte eine Aktion auch sein, dass man alles, was rollt, einfach irgendwie in so einen kleinen Sportwagen oder sowas verkleidet. Also an den Kinderwagen dann irgendwie links, rechts, vorne, hinten so eine Verkleidung anbringt oder so. Und was weiß ich, vielleicht in dem Hauptbahnhof auch so kleine Straßenteppiche. Du hattest ja vorhin mit den Fahrradteppichen, die dann einfach über Autos gelegt wurden, man so Straßenteppiche legen würde, dann wäre ja allen völlig klar, bahnefrei, kartoffelbrei, da müssen jetzt die Autos durch. Da kann man nicht lang gehen, das weiß man ja, dass es gefährlich ist, einfach auf der Straße rumzulaufen. Ja, wenn ich jetzt ein kleines Auto bin und der Meinung bin, dass ich jetzt im Hauptbahnhof hoch zur S-Bahn muss, dann würde mir wahrscheinlich extra noch so eine Kurve gebaut werden von Etage zu Etage, damit ich da schließlich langfahren kann. Speaker0: [31:27] Auf jeden Fall ein Parkhaus gäbe es, wo du dann direkt mit deinem privaten Aufzug in den Zug fahren könntest. Speaker1: [31:33] Ja, genau. Speaker0: [31:34] Ja, das finde ich, es erinnert mich auch an eine Aktion zum Stadtraum, wurde das immer wieder auch gemacht, dass man sich diese unfassbar sexistisch breiten Maße von SUVs genommen hat und die dann einfach nur so sich umrandet hatten, vier Personen, diese Maße und dann so auf Gehwegen rumgelaufen sind. Oder sich einfach auf Parkplätze gestellt, die einfach okkupiert in diesen Maßen und dann dort eine kleine Party gefeiert haben oder so. Also das ist immer wieder so nice, sich des Autos zu bedienen, was wirklich in unserer Gesellschaft einen Stellenwert hat. Das ist unfassbar. Ich habe noch gerade gedacht, unsere eine Methode ist auch Banden bilden und ich fände es mega interessant, vielleicht auch so zu überlegen, wie könnte unsere radikal subversive Bande aussehen, so ein Zusammenschluss zwischen älteren Personen mit Rollatoren, Menschen in Rollstühlen und Eltern mit Kinderwägen, die so total so eine Untergrundorganisation gegründet haben. Weil sowas finde ich persönlich immer nice. Das macht mir total viel Spaß. Welche Namen würde ich mir geben? Wie würden wir auftreten? sowas. Speaker1: [32:50] Das ist ja eh immer beeindruckend, wenn sich dann viele Leute zusammentun und einfach so als Wand irgendwie auf einen zukommen und selbst wenn es sehr langsam wäre, weil wir alle irgendwie so auf unseren Rollen und Gehhilfen und so weiter unterwegs sind, wäre es glaube ich schon ein ziemlich beeindruckendes Bild, wenn man so in den Hauptbahnhof reingeht und dann kommt man so die Wand auf einen zukommt. Speaker2: [33:18] Kurze Unterbrechung in eigener Sache, denn so eine kleine Welle der Unterstützung rollt auch immer mal auf mich zu. Manche von euch unterstützen den Podcast sogar schon seit Jahren. Wenn du dabei sein möchtest, findest du alle Infos in den Shownotes. Am meisten freue ich mich über Daueraufträge via Direktüberweisung. Doch auch das Weiterempfehlen ist super wichtig, denn je größer der Podcast wird, desto einfacher wird es, ihn über so einen tollen Werbespot zu Beginn zu finanzieren. Naja, natürlich wäre es auch schön, wenn die feministische Message weiter um sich greift. Und ansonsten ist immer auch möglich, den Podcast in deiner App zu bewerten, weil mit Sternchen lässt sich Eindruck schinden. Danke. Speaker0: [33:59] Ja, und es hätte total die Kraft, weil wir wären so eine Gruppe von unlikely allies, die sonst so wenig miteinander zu tun haben, viel zu wenig. Aber gerade in diesem Punkt Mobilität wäre es einfach großartig, dass wir uns alle noch viel besser unterstützen würden und da unsere Forderungen laut machen, dass dieses Stadtbild wirklich uns behindert. Speaker1: [34:21] Ja, das ist ja auch eine Methode, dass man so vereinzelt wird. Also dass dann so bei der dominierenden Bevölkerung das Bild entsteht, ach die paar Leute, die das betrifft, die zwei RollstuhlfahrerInnen oder so, dafür muss man jetzt nicht den ganzen Berliner Hauptbahnhof umbauen so ungefähr. Aber wenn man sich dann tatsächlich mal so zusammentun würde. Cool, macht Spaß. Speaker0: [34:44] Hat auf jeden Fall, ja, hat sehr viel Spaß. Und ich meine, wie viele Minuten waren das jetzt? Wirklich ein paar Minuten. Ich sag's dir. Also bei unseren Workshops, es kommen so unfassbar lustige und tolle Aktionen dabei raus. Jedes Mal. Und auch manchmal, wenn man denkt, vielleicht schwierig und dann in den letzten zehn Minuten hauen die Leute nochmal kreative Sachen raus. Das ist unglaublich und es ist wirklich egal, ob man in einen ländlichen Raum, in eine Berufsschule, freiwillige Feuerwehr geht, bei einer Gewerkschaft ist oder bei sowieso schon super aktiven, kreativen von einem Theater oder so. Also ich würde auch sagen, dass man nachher bei den Aktionen nicht unterscheiden kann, ist das jetzt von der Kunsthochschule gekommen, also die ersten Ideen oder von der Berufsschulklasse aus Gera und das finde ich so genial darin. Weil einfach wir Menschen sehr kreativ sind und Lust drauf haben auf diese Kreativität und auf dieses Rumspinnen. Speaker1: [35:46] Ja, eigentlich total. Aber diese Räume gibt es halt dann so selten. Deswegen ist es ja umso schöner, dass ihr die ja auch relativ schnell so eröffnen könnt. Und also ich glaube, der Workshop, bei dem ich teilgenommen habe, war ja vielleicht drei Stunden lang. Also nicht wahnsinnig lang. Es war ja nicht der ganze Tag auf jeden Fall. Und genau, man kommt trotzdem dann voll schnell rein, sobald man eben verstanden hat, Speaker2: [36:12] Ah, ich habe jetzt die Erlaubnis, Speaker1: [36:13] Das auch machen zu können. Ich darf jetzt diese Zeit dafür nutzen, so ein bisschen rumzuspinnen. Wenn du jetzt von Gera und vielleicht auch anderen aus deutschen Städten, wo ihr unterwegs wart, erzählst, was gab es denn da so für Aktionen, die dann rausgekommen sind? An was erinnerst du dich so? Speaker0: [36:29] Also Gera speziell erinnere ich mich, das hätte ich fast genannt vorhin, als du gesagt hast, Welche tolle Aktion ist in letzter Zeit passiert. Da hat eine junge Person dann danach einen feministischen Abistreich auf die Beine gestellt und hat das nachher uns auch geschickt und hat gemeinsam mit SchülerInnen Räume gestaltet mit feministischen Slogans, mit Infos über nicht vorhandene Gleichberechtigung. Und ja, einfach, es war sozusagen wie so kleine Kunstgalerieräume mit einer Demonstration, die dann noch stattgefunden hat. Und das hat sie sich in einem Workshop ausgedacht und dann tatsächlich umgesetzt. Und ich finde, das ist schon krass, weil wenn man weiß, die AfD zahlen in Gera, wie gewählt wird, wie auch die Situationen an den Schulen mittlerweile sind, Speaker0: [37:21] dann ist das einfach so genial und so mutig, dass sie das so umgesetzt hat. Und es gibt Aktionen, die dann einen kleinen... Dörfern umgesetzt werden, wo es darum geht, über Plakatierungen und Schilder zum Beispiel zu zeigen, dass wir mehr sind und dass hier nicht nur die AfD oder die Faschos, sage ich mal, regieren. Speaker2: [37:45] Im Buch Machen macht Mut erzählt Sessi von einer Gruppe in Thüringen, die sich nach einem Radikale-Töchter-Workshop vornimmt, Plakate zu drucken. Zur Europawahl und gegen die AfD. Doch zwei regionale Plakatierungsfirmen lehnen den Auftrag ab, beim dritten Versuch heißt es, der Plakatierer sei gestürzt, die Plakate durchgeweicht und unbrauchbar. Krass, oder? Die Gruppe entschied sich, es selbst zu machen. Eine Person fuhr weit mit dem Auto, um alles noch mal woanders drucken zu lassen. Und abends wurde das Ganze dann im Kinderwagen versteckt, um peu à peu in der Stadt verteilt zu werden. Schon am nächsten Morgen war das meiste wieder verschwunden, vermutlich entfernt. Aber ein Plakat war ziemlich lange zu sehen. Die AfD brachte die Aktion sogar zur Anzeige, allerdings ohne Erfolg. Musik Speaker1: [38:33] Ich stelle es mir jetzt gerade in so einem Dorf-Kontext schon auch nochmal herausfordernder vor, als ich jetzt in Berlin, ich muss jetzt erstmal nur meine inneren Hürden irgendwie abbauen, um mir zu erlauben, kreativ zu sein und irgendwie rumzuspinnen. Aber ich habe hier natürlich den Vorteil, dass, keine Ahnung, also in Berlin ist man ja viel gewohnt. Es ist irgendwie relativ normal, dass oft um einen herum Dinge passieren, die man nicht direkt so versteht. Und oft lässt man sich einfach so, wie man halt ist. Und da hätte ich jetzt nicht so wahnsinnig viel Angst davor, total negative Reaktionen zu ernten oder irgendwie das Gefühl zu bekommen, sofort ausgeschlossen zu werden. Auf dem Land stelle ich mir das jetzt nochmal anders vor. Wie sprecht ihr das in den Workshops an oder was bekommt ihr da auch von den Teilnehmenden berichtet oder wie passen die dann ihre Projekte vielleicht auch an oder ihre Aktionen, damit es sich gut für die anfühlt? Speaker0: [39:28] Also wir sind ganz klar mittlerweile an einem Punkt, wo Menschen, die sich pro-demokratisch äußern, die dafür auf die Straße gehen, die einen CSD organisieren oder da mitlaufen, in vielen Teilen, in kleineren Dörfern und Gemeinden dafür öffentlich angefeindet werden können. Speaker0: [39:54] Gewalterfahrungen machen, auch körperliche Gewalterfahrungen. Und das Problem ist, dass sie eben nicht anonym sind, sondern jeder weiß, ach, das ist die Hanna, die wohnt da um die Ecke und die geht in die 11. Klasse. Und das ist auf jeden Fall ein Riesenthema und das ist dann schon weit entfernt von teilweise vielleicht unserem großstädtischen, vorauseilenden Gehorsam. Und das ist ein Thema, das sprechen wir absolut an in unseren Workshops. Da wird auch nichts vorausgesetzt und gleichzeitig ein Riesenrespekt an all die Menschen, die dort trotz allem so wichtige Demokratiearbeit machen und sich zusammenfinden in Vereinen, die Banden bilden, die dort CSDs organisieren, die dann auch überregional Verbündete haben, geht von den Großstädten zu den kleineren Städten auf die Demonstrationen, unterstützt die Leute vor Ort. Und ja, einfach dieses offen darüber sprechen, wie kann ich vielleicht trotzdem anonym sein, wie kann vielleicht eine Person aus der Großstadt eine Demo anmelden, wie können wir uns zusammenfinden, wie können wir uns gegenseitig unterstützen, das ist ein Riesenthema und da möchte ich natürlich als Person aus der Großstadt kommend sagen. Speaker0: [41:14] Ja, eine großmögliche Sensibilität dafür haben. Ich habe damals 2017 gemeinsam mit dem Zentrum für politische Schönheit das Holocaust-Mahnmal in den Nachbargarten von Björn Höcke gebaut und danach habe ich auch persönlich gegen mich und gegen die Kinder sehr, sehr viele Morddrohungen gekriegt. Und gleichzeitig war ich in der Großstadt anonymisiert. Ich habe eine Meldesperre auf meiner Privatadresse, all solche Sachen. Das heißt, wir haben Vorkehrungen getroffen. Das sind einfach Sachen, die haben Menschen in Dörfern nicht und deswegen ist das so sensibel. Und gleichzeitig ist es mir aber trotzdem so wichtig zu sagen, dass Aktivsein hat immer auch was mit Privileg zu tun. Habe ich einen deutschen Pass? Bin ich finanziell abgesichert? Kann ich sozusagen aktivistisch so oder so aktiv werden? Wo wohne ich? Wie anonym bin ich? Und so weiter und so fort. Speaker0: [42:12] Aber ich würde mir trotzdem wünschen, dass die Menschen, die viele Privilegien haben, diese noch viel mehr nutzen, um politisch aktiv zu werden und die legalen Stressmethoden benutzen, um aktivistisch aktiv zu werden, weil wir die alle längst noch nicht genug nutzen. Speaker1: [42:30] Legale Stressmethoden, das sind jetzt vor allem die, die du vorhin auch schon so ein bisschen angesprochen hast. Speaker0: [42:37] Ja, dieser legale Stress, das ist ja unser Slogan, legaler Stress seit 2019, das ist uns deswegen so wichtig, weil wir damit auch unsere machtkritische politische Bildungsarbeit betonen wollen und auch in die deutsch-deutsche Geschichte schauen wollen. Im Sinne von, damals wäre es illegal gewesen, Menschen zu verstecken, Pässe zu fälschen, also jüdische Mitbürgerinnen zu retten. Das wäre illegal gewesen. Aber natürlich wäre es moralisch das Richtige gewesen, das zu tun. Und das, finde ich, ist auch jetzt wieder so wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, weil Legalität immer eine Frage von Macht ist. Wer entscheidet, was legal ist und was illegal ist? Speaker2: [43:28] Dazu zitiert Sessi in ihrem Buch sehr passend den philippinischen Journalist, Filmemacher und Aktivist José Antonio Vargas. Speaker0: [43:36] Er sagt, Apartheid war legal, der Holocaust war legal, die Sklaverei war legal, Kolonialismus war legal. Legalität ist eine Frage der Macht, nicht der Gerechtigkeit. Speaker2: [43:49] Der Holocaust, die systematische Verfolgung von Juden und Jüdinnen war legal. Ist irgendwie nicht neu, aber es ist irgendwie trotzdem krass, sich das nochmal vor Augen zu führen. Und inmitten all dieser Absurdität damals sahen sich zwischen 1940 und 1942 Otto und Elisa Hampel in der Pflicht, über 200 antifaschistische Postkarten und Flugblätter zu verteilen. In immer mehr Berliner Hausfluren wurde somit unter anderem gefordert, wacht auf, wir müssen uns von der Hitlerei befreien. Tatsächlich wurden die beiden verraten, verhaftet und 1943 hingerichtet. Hans Falladar verarbeitete die Geschichte in seinem Roman Jeder stirbt für sich allein und setzte Otto und Elisa Hampel damit ein literarisches Denkmal. Speaker1: [44:37] Ich mache mir natürlich auch total viele Gedanken, wie ich so mit der aktuellen Stimmung umgehe und mit dem Rechtsruck und Ohnmacht, die aufkommen, negative Gefühle, auch fatalistische Aussagen, die irgendwie immer mehr auch so in meinem Umfeld passieren. Und du sagst jetzt Demokratie verteidigen. Ich habe immer mehr das Gefühl, dass es mich wahrscheinlich schon so viel Energie kosten wird, überhaupt standhaft zu bleiben. Also die Werte weiter zu vertreten, die demokratischen Werte, die ich einfach für richtig halte, die ich für moralisch richtig halte. Und sozusagen egal, ob irgendwas davon illegalisiert wird, dass ich trotzdem dabei bleibe, nein, das sind meine demokratischen Werte, das sind meine feministischen Werte und ich werde einfach genauso weitermachen wie bisher. Ich werde jetzt versuchen, mich nicht noch zusätzlich zu überfordern mit einem, oh Gott, ich müsste eigentlich noch so viel mehr machen, Speaker1: [45:45] Weil das ist ja irgendwie auch eine Gefahr, sich einfach dann so zu übertreiben und am Ende kann man dann irgendwie gar nichts mehr machen oder so, Speaker1: [45:53] weil man gar keine Energie mehr hat. Und für mich passt das irgendwie gerade ganz gut, sozusagen, okay, das, was ich tue, passt irgendwie zu meinen Werten und ich glaube, es ist umso wichtiger, in den jetzigen Zeiten weiter feministische Arbeit zu leisten und das so ein bisschen wie so ein, also vielleicht auch so ein bisschen die Scheuklappen dann tatsächlich aufzusetzen, entgegen so einer fatalistischen Stimmung und einfach irgendwie zu versuchen, wie so ein fleißiges Eichhörn. Weiterzumachen. Wie machst du das? Wo verordnest du dich gerade so in diesem ganzen Sturm auch irgendwie? Ich weiß nicht. Oder wie auch immer du das empfindest. Speaker0: [46:41] Ich finde es total spannend, wie du das beschrieben hast und das hört sich sehr gesund an und vor allem hört es sich nach was an, was extrem authentisch ist und auch nach was, was du lange durchziehen kannst, weil es authentisch ist und weil es zu dir passt. Und ich glaube, für manche passt vielleicht auch dieser kämpferische Ausspruch, dass ich sage, ich schwinge mich jetzt aufs Pferd und dann kämpfe ich für Gerechtigkeit und das gibt mir total viel Kraft. Ja, für mich persönlich ist es gerade so, ich habe nochmal ein Baby bekommen. Meine jüngste Tochter ist jetzt ein bisschen über eins und ich habe einerseits das Privileg, dass ich beruflich die Demokratie rette, sage ich mal. Also, dass ich mit der Gründung der Organisation Radikale Töchter und mit meinen fantastischen MitarbeiterInnen diese Arbeit machen darf. Aber gleichzeitig habe ich gerade, und das möchte ich unbedingt hier teilen, eine riesen Diskrepanz zwischen meinem persönlichen Empfinden, was gerade sehr aufgerieben ist, in den Kopf über Wasser halten mit drei Kindern, ganz ehrlich. Und Lohnarbeit. Und ich da immer das Gefühl habe, ich lese nicht genug, ich engagiere mich nicht genug, ich weiß nicht genug. Speaker0: [48:07] Ja, ich bin nicht so am Zahn der Zeit, auch was es gerade braucht, auch sich zu informieren und dran zu bleiben. Ich glaube, ich sage mir gerade so ein bisschen, es geht vielleicht ein bisschen in deine Richtung auch. Ich weiß, dass ich eine Kämpferin bin, wenn ich herausgefordert werde. Und ich glaube, wenn die Zeit kommt und die Zeit von mir noch mehr auch verlangt, dass ich dann sozusagen bereit sein werde. Speaker0: [48:36] Ja, meinen Teil noch mehr dazu beizutragen und nicht klein beizugeben und der Wind wird auf jeden Fall jetzt schon härter für Demokratieorganisationen. Also wir haben Ende letzten Jahres, da habe ich eine Petition gestartet zum Stadtbild von Friedrich Merz. Die hat eine recht große Aufmerksamkeit gekriegt mit 250.000 UnterzeichnerInnen. Petition ist eigentlich, ich habe noch nie eine Petition davor gemacht und gleichzeitig hat die dann Aufmerksamkeit auf sich gelenkt vor diesem rechtsextremen Julian Reichelt Format News, wo dann darüber gesprochen wurde, woher unsere Fördergelder kommen und so weiter und so fort. Und das war für mich ein super guter Geschmack, in welche Richtung das in nächster Zeit gehen wird. Und ich glaube, dafür sich sozusagen einen gesunden Panzer auch anzulegen und jetzt zu ruhen auch für eine vielleicht krassere Zeit, sich wie ein Eichhörnchen, wie du auch gerade selber gesagt hast, darauf vorzubereiten und zu wissen, wir müssen finanziell besser abgesichert sein als feministische Organisationen, weil der Wind wird härter wehen in nächster Zeit. Wir müssen Banden bilden, wir müssen im Hintergrund gucken, dass wir uns super gut vernetzen, dass wir schlau sind und ein paar Schritte voraus, so eher würde ich sagen. Speaker1: [49:56] Ja, ja voll. Speaker0: [49:58] Hast du dazu noch? Speaker1: [50:00] Ja, ich habe nur so viele Gedanken dazu, aber es ist einfach so schwierig, in diesen Diskussionen nicht so negativ abzurutschen und sich so gegenseitig zu bedauern, wie schlimm gerade alles ist. Also ich habe jetzt so viele Gedanken gerade dazu gehabt, dass ich das einfach auch so viel höre, dass feministische Organisationen oder generell feministische Arbeit einfach kaum Geld bekommen, also es war ja noch nie besonders einfach oder so, aber dass ja alleine diese kleine Anfrage, die die AfD dann mal an diese über 200 NGOs und Organisationen rausgegeben hatte, dass das halt wirklich was bewirkt hat insofern, dass die jetzt einfach Angst haben. Ja auch feministische Organisationen zu unterstützen, weil sie dann halt Angst um ihre Gemeinnützigkeit haben. Speaker2: [50:53] Eine kleine Anfrage ist ein parlamentarisches Kontrollinstrument, mit dem Abgeordnete die Bundesregierung schriftlich befragen können. Die AfD macht davon überdurchschnittlich oft Gebrauch und hält viele Leute damit beschäftigt, die sich sonst um andere Dinge kümmern könnten. Speaker0: [51:11] Und gleichzeitig genau dafür ist Aktionskunst fantastisch, weil Aktionskunst hilft einem genau dort, wo man Despair fühlt, wo man das Gefühl hat, ich bin hoffnungslos, ich weiß eigentlich gar nicht mehr weiter. Oder wie kann ich kleine Personen gegen dieses große System etwas ausrichten? Und auch da, das fände ich super spannend, reinzugucken, okay, wie können wir mit diesen Anfragen, die auf uns einprasseln von der AfD, wie kann die Politik damit aktionskünstlerisch und disruptiv umgehen? Man könnte die vertrödeln oder nicht bekommen haben. Ich glaube, das Problem fängt dann an, wenn wir in einem vorauseilenden Gehorsam brav, brav, brav, brav, das genauso mitmachen, das Spiel, wie die es einem vorgeben. Speaker0: [52:01] Und ich glaube, die Aktionskunst kann uns auch als FeministInnen, als Organisationen und Initiativen Inspiration dafür sein, wie wir mit schwierigen, sehr schwierigen und sehr ungleichen Machtverhältnissen anfangen können, da anders zu denken, damit anders umzugehen. Und das liebe ich einfach, weil sie uns davon abhält, diese Ohnmacht so massiv zu spüren. Und gleichzeitig sage ich auch, wir müssen unsere Motivation aus dem Haltung zeigen und aus dem sich dagegenstellen und aus dem Stimme erheben ziehen, mehr als aus, ich habe es geschafft, das Ergebnis steht am Ende. Das ist total wichtig, gerade bei ungleichen Machtverhältnissen. Daraus ziehen wir aber Kraft. Wir ziehen daraus Kraft, dass wir aufgestanden sind, dass wir Haltung zeigen, dass wir an unseren Werten sind und vielleicht hast du dann erstmal nicht so viel verändert, aber du gehst mit einem anderen Gefühl schlafen und du kannst ein sehr, sehr gutes Vorbild für andere sein. Speaker1: [53:11] Ja, ja, voll. Also genau das meine ich ja, dass es jetzt einfach schon viel Kraft kosten wird, einfach nicht so ein Fähnchen im Wind zu sein und nur weil es jetzt mal nach rechts weht, da irgendwie auch gleich mitzugehen, weil es dann irgendwie leichter wäre im Leben oder so. Speaker0: [53:26] Ja, und wenn wir in die Geschichte schauen, dann waren es ja leider meistens die Fähnchen im Wind, also die große schweigende Mehrheit, die das Problem war. Es waren ja häufig nicht die wenigen Extremisten, sondern die Fähnchen im Wind, die schweigende Mehrheit, die waren tatsächlich dann das Problem. Speaker0: [53:49] Und daran gilt es jetzt so doll zu erinnern. Also ich würde sagen, das ist der Hauptauftrag von radikale Töchter, dass wir daran erinnern wollen, dass es eben auf uns alle ankommen wird, dass wir uns entscheiden, dazu kein Fähnchen im Wind zu sein. Speaker2: [54:09] Was für ein schönes Schlusswort. Danke, Sessi. Es ist doch interessant, wie dieses ewige Nicht-Genug-Sein einen verfolgt und klein machen kann. Dabei ist standhaft bleiben und von mir aus auch nur kleine Aktionen so viel wert. In Sessis Buch fand ich zum Beispiel sehr interessant zu lesen, dass der große Systemumsturz, also eine Revolution, mit krassen Risiken einhergeht. hergeht. Historikerin Hedwig Richter sagte der Taz mal, dass Revolutionen irgendwie sexy erscheinen, der junge Mann, der mit Steinen wirft, aber häufig wirkt das destruktiv. Viel zu oft führten Revolutionen zu Diktaturen und seltener zu Demokratien. Deswegen, auch wenn ich mich selber noch an diese Vorstellung gewöhnen muss, ein Hoch auf die Reform. Langsam, ohne großen Knall, aber dafür mit weniger Risiko, gleich im nächsten Extrem zu landen. Nur falls die Abschaffung des Patriarchats mal wieder zu groß vorkommen sollte. Speaker2: [55:08] In den Workshops der radikalen Töchter wird am Ende gern nach Feedback auf mehreren Ebenen gefragt. Head, Hands and Heart. Also, was nehme ich mit? Intellektuell, praktisch und emotional. Mein Kopf hat bei dieser Folge gelernt, dass Aktionskunst keine klaren Ziele hat, sondern einfach zum Nachdenken anregen möchte. Und mir gefällt, dass sie sich der Kunstfreiheit bedient und so grenzenlose Ideen plötzlich wieder Sinn machen können. Der wichtigste Hands-on-Tipp für mich war, sich zu fragen, was mich ganz konkret wütend macht. An die letzte Situation mit Wuttränen zu denken, hat mich in Nullkommanichts zu meinem Thema gebracht. Ja, und mein Herz, das hat sich kurz zusammengezogen, als Sessi preisgegeben hat, dass auch sie sich oft aufgerieben fühlt. Ihre Stärke ist nicht selbstverständlich, auch wenn sie im radikale Töchter-Overall so unbesiegbar auf mich wirkt. Speaker2: [56:06] Da kann es entlastend sein, sich die Parable of the Choir vor Augen zu führen, von der in Sessis Buch die Rede ist. Das meint, dass ein Chor eine Note unendlich lang halten kann, weil die Singenden individuell Atempausen machen können, während der Rest des Chores weiter singt. Aktivismus und Demokratie funktionieren im besten Fall genauso, so dass wir die Last nicht alleine tragen müssen. Mehr dazu kannst du in meiner Doppelfolge zu Widerständig bleiben hören. Folge 28 und 29 sind das. Ich danke Ceci Leonard für das schöne Interview und den radikalen Töchtern, allen voran Josefin Hart für den Workshop. Danke an meine lieben SprachnachrichtlerInnen, die mich nie alleine in meinen Gedanken versumpfen lassen, sondern immer den nötigen Spice mit reinbringen. Und danke dir fürs Zuhören. Folge mir gern auf Instagram, Feminismus mit Vorsatz Podcast heiße ich da oder abonniere mein Newsletter, den Link dazu findest du in den Shownotes. Die nächste Folge kommt im März, im Februar mache ich also eine kleine Pause und bis dahin verbleibe ich wie immer mit feministisch vorsätzlichen Grüßen. Tschüss!
